05.07.2009

Hallöchen!!=)

Hallo,

das Freiwilligenjahr von Carina und Maren geht nun langsam zu Ende und wir haben die Ehre ihre Nachfolge anzutreten. Deshalb wollten wir mal kurz was von uns hören lassen...
Wir heißen Christiane Rogner und Anna Olbrzymek und sind die neuen Freiwilligen fürs Casa Legal ab Anfang August!!!=)=)

Nach zahlreichen Aufbauseminaren und sonstigen Vorbereitungen wirds jetzt langsam ernst und die Koffer winken schon aus der Ecke. Das heißt der Adrenalinpegel und die Vorfreude steigen sprunghaft!!=)

Liebe Grüße und bis bald!!

Christiane & Anna

20.05.2009

Busfahrt nach Nova Esperanca

Olá gente!

Hier bin ich wieder und melde mich mit meinem zweiten Unterstützerbrief an euch Lieben aus Brasilien. In diesem Brief möchte ich euch ausschließlich aus Nova Esperança berichten, dem Stadtviertel Cariacicas in dem ich in der Kindertagesstätte “Casa Legal” seit September arbeite.

Wilde Reise in die “Neue Hoffnung”

Ein typischer morgen eines CasaLegal-Arbeitstages beginnt um 7 Uhr früh an der Bushaltestelle in der Nähe meines Hauses in Vitória. Hier stehe ich nun meist ein paar Minuten rum, genieße die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen, die mir dann aber auch schnell zu heiß werden, und warte darauf, dass unter den vielen Bussen, die wild am Bürgersteig vorbeirasen, mein Bus nach Cariacica irgendwann zufällig dabei ist.

Ausgehängte Buspläne gibt es hier nicht. Man gewöhnt sich daran, dass der Bus normalerweise um die ähnliche Uhrzeit kommt. In den Bus eingestiegen, durchs Drehkreuz beim Fahrkartenverkäufer durchgelaufen und einen Fensterplatz erhascht, stecke ich mir die Kopfhörer meines MP3-Players in die Ohren und genieße den Wind der mir von den offenen Busfenstern ins Gesicht weht und mein verschwitztes Gesicht trocknet. Der Bus rauscht durch die Stadt, legt sich weit in die Kurven und schafft es auf wundersame Weise in solcher Geschwindigkeit fast keine Unfälle zu bauen. Leider kommt es doch hin und wieder vor, dass sich jemand bei diesen Fahrtbedingungen verletzt, z.B. wurde einem jungen Mann vor ein paar Wochen der Arm gebrochen, als er ihn aus dem Fenster hängen ließ und der Bus nahe an einem Straßenschild vorbeifuhr. Ein anderes Mal viel ein älterer Mann im Bus hin, worauf der Busfahrer sich entschied kurzfristig die Fahrtrute zu ändern und den Mann samt allen anderen Fahrgästen bei einem nahegelegenen Krankenhaus vorbeizufahren. Schön fand ich, dass sich keiner der anderen Leute über die dadurch verursachte Zeitverzögerung beschwerte.

In Cariacica am Terminal sicher angekommen heißt es umsteigen. Von hier an beginnt die Fahrt durch das hügelige Stadtrandgebiet: es geht bergauf und bergab, an den Straßenrändern sieht man wildes Gebüsch und Wiesen, Häusergruppen, die von in die Natur geschmissenen Müll umringt sind, frei herumlaufende dürre Kühe, oder Pferde, kleine evangelische Freikirchen, enge Täler, algige Teiche, schwarze, stinkende Flüsse, Obstbäume und lebensmüde herum rasende Motorradfahrer. Nach 40-minütiger Land-Reise und gut durchgeschütteltem Sitzfleisch biegt der Bus in Nova Esperança ein. Ich ziehe an der Leine, die über den Sitzen gespannt ist, um das Signal zu geben, dass ich aussteigen möchte - hier im Staub, den der Bus von der Straße aufgewirbelt hat.

03.04.2009

Unterstützerbrief Maren 2. Teil

Die Fundação Fé e Alegria
(“Stiftung Hoffnung und Freude”) ist eine Stiftung der katholischen Kirche, von Jesuiten 1955 in Venezuela gegründet. In 15 Ländern Süd- und Mittelamerikas, in Chad und auch in Spanien wurden mit den Jahren verschiedene soziale Einrichtungen und Projekte gegründet, wie auch vor 19 Jahren ein Sitz der Stiftung hier bei uns im Staat Espirito Santo in Brasilien, der sich aus folgenden Einrichtungen aufbaut:

In Vitória werden in fünf verschiedenen Waisenhäusern Kinder und Jugendliche. In einem dieser Centros de Vivência oder auch abrigos haben Carina und ich auch, wie bereits erwähnt, eine kurze Zeit gewohnt.

Weiter gibt es, auf die armen Stadtviertel verteilt, neun sogenannte Cajuns (Caminhando Juntos = Gemeinsam Gehen). Dies sind Jugendzentren für die dortig wohnhaften Kinder, die in hohem sozialem Risiko aufwachsen.

In Laranja da Terra, einer Kleinstadt im Landesinneren, gibt es eine Technische Schule für die landwirtschaftliche Ausbildung.

Ausserdem gibt es noch drei Projekte in Nova Esperança, einem sehr armen und gewaltbelasteten Viertel der Stadt Cariacica.

Das Centro de Educação Infantil ist eine Art Kindergarten, der Betreuung und Unterricht für Kleinkinder auf Kosten der Stadt anbietet.

In der Biblioteca nebenan stehen die Türen für Kinder, Jugendliche und andere Gemeindemitglieder des Ortes offen. Hier sollen auch zukünftig Kurse für Jugendliche und Eltern abgehalten werden.















(Die Bibliothek) Das Hauptgebäude

Das dritte Projekt in Nova Esperança ist das Casa Legal, ein Kultur und Sportzentrum für Kinder und Jugendliche, das ebenfalls auf demselben Gelände liegt. Hier arbeiten Carina und ich als Freiwillige, in welcher Form werde ich später genauer beschreiben.

Es mag seltsam klingen, dass wir als Freiwillige der Evangelisch Lutherischen Kirche in einem Projekt der Katholischen Kirche tätig sind. Es besteht aber nun schon seit über zehn Jahren eine enge Partnerschaft zwischen der evangelisch-lutherischen Friedenskirche in Dachau und dem Projekt Casa Legal in Nova Esperança. Diese entstand durch eine Partnerschaft der Friedenkirche mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vitória, die zur selben Zeit die Unterstützung des Casa Legal beschloss.

Pfarrer Stefan Pickart aus Odelzhausen bei Dachau setzt sich schon seit Jahren für die Unterstützung des Projektes durch Spenden aus Deutschland und den kulturellen Austausch zwischen der deutschen Gemeinde und Brasilien ein. Das von ihm gegründete Patenschaftsprojekt besteht seit über drei Jahren und unterstützt das Casa Legal finanziell durch Spendengelder der mittlerweile 80 Paten. Seit nun schon vier Jahren kommen auch regelmässig deutsche Freiwillige, wie Carina und ich es sind, nach Brasilien, um im Casa Legal mitzuhelfen und das Patenschaftsprojekt zu leiten.

Seit diesem Jahr ist diese Freiwilligenstelle hier in Vitória Teil des Programmes der Organisation Mission- EineWelt geworden und wird von der evangelischen Kirche wie auch vom deutschen Staat im Namen des Weltwärts-Programmes finanziert. .
















Hier habe ich Kunstunterricht gegeben Zeichenstunde (ausnahmsweise sehr ruhig)


Das Casa Legal und meine Arbeit

Die Bibliothek unten, darüber weitere Räume Das Hauptgebäude (Kindergarten,Leitung,
(Capoeira, Tanz und Ergänzungsunterricht) Küche und Essraum)

Das Casa Legal (= “Super Haus”) ist, wie bereits erwähnt, ein Kultur- und Sportzentrum für Kinder und Jugendliche in Nova Esperança, einem Armenviertel weit ausserhalb vom Rande der Stadt Cariacica.

Hier gibt es für Schulkinder bis 16 Jahre Freizeitangebote ausserhalb der jeweiligen Schulzeiten. Das heisst die Hälfte der Kinder geht Vormittags in die Schule und hat Nachmittags frei, während die andere Hälfte erst Nachmittags Unterricht hat. So werden dort Räumlichkeiten der Schule und Lehrkräfte gespart.

Neben den Kursstunden im Casa Legal gibt es auch noch die Möglichkeit in der Bibliothek Brettspiele zu spielen oder den Computer zu benutzen, der leider noch keinen Internetanschluss hat. Für all die Kinder, bzw. schon Jugendlichen, die über 16 Jahre alt sind, heißt es mithelfen. Freiwillige werden immer gebraucht. Sie helfen mit das Essen auszuteilen und die Kinder zu beschäftigen, wie auch sie oft nur unter Kontrolle zu halten. Freitag nachmittags gibt es ein spezielles Angebot für die fleißigen Jovens.

Ursprünglich gab es verschiedene Unterrichtsangebote für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Kunst, Capoeira, Tanz, Musik und Sport. Leider sind bis Ende des Jahres 2008 alle staatlichen Gelder für das Casa Legal vom Kultusministerium Brasiliens für eineinhalb Jahre ausgefallen. Daher mussten spontan alle Lehrkräfte bis auf vier (Capoeira, Sport, Fussball und Bibliothek) entlassen werden. Das Projekt hat sich mit Hilfe von Spendengeldern, vor allem die der deutschen Paten, knapp über Wasser gehalten.

Die letzten deutschen Freiwilligen, also auch Carina und ich, haben daher eine wichtige Rolle eingenommen: Lehrkräfte ersetzen. Das ist leichter gesagt als getan – allein die vielen wirklich nicht zu braven Kinder bei der Stange zu halten, zu beschäftigen und ihnen am besten noch was beizubringen, ohne, dass sie sich die Köpfe einschlagen, knappes Arbeitsmaterial unnötig verschwenden oder es gar essen, auf der Strasse rumhängen und Blödsinn machen oder an Bäumen und Häusern hochklettern und herunterfallen. All die Verantwortung zusammen mit dem Kampf von den Kindern respektiert zu werden ist am Anfang wirklich schwierig.

Gefallen hat mir die Freiheit, dass wir uns, als wir ankamen, selbst aussuchen durften, welche Art von Unterricht wir denn gerne geben möchten.
Carina entschied sich für Tanzunterricht und ich mich dafür Kunstunterricht zu geben und in den Capoeirastunden mitzuhelfen. Zusammen haben wir auch eine Turnstunde pro Tag und Freitags Englischstunden für die Jugendlichen gegeben.

In meiner ersten Kunststunde wurde ich gleich deftig begrüsst:
Ich hatte geplant mit den Kindern Elefanten aus Papp-Maché zu machen. Es kamen zu Beginn der Stunde nur drei Jungs im Alter von acht bis zwölf Jahren, voll Vorfreude und Ungeduld, als sie die grosse Schüssel mit Leim zu Gesicht bekamen. Gleich wurde ich als neue Person uninteressant und die glibbernde Masse zum Objekt der Stunde. Währrend ich versuchte zu erklären, was ein Elefant ist, bemerkte ich, dass nicht alle Kinder dieses Tier kennen. Die Konzentration war schnell dahin, da ich auch oft schon allein aus Wortschatzgründen beim sprechen überlegen musste.

Es wurde zu Anfang versucht meinen Anleitungen zu folgen, doch schon nach zehn Minuten war es für die Kinder spannender den Kleber auf dem Boden zu verteilen, bereits gebaute Kugeln mit voller Wucht an die Wand zu schmeißen, Kleber oder Zeitungspapier zu essen oder auf das Gegenüber zu schleudern. Der Lärm und offensichtliche Spaß rief schnell andere Kinder herbei und das Chaos war vorprogrammiert. Schnell gab ich meinen Unterrichtsplan auf, rettete das übrige Material und improvisierte mit dem Besen einen Limbo-Wettbewerb, um schlimmeres zu vermeiden.

Verglichen mit den Kindern im deutschen Kindergarten, in dem ich ein vorbereitendes Praktikum gemacht hatte sind meine Kunstschüler doch sehr anders: Respekt und Autorität spielen hier kaum eine Rolle, weder mir noch Mitschülern gegenüber. Ermahnungen werden nicht ernst genommen und Konzentration, wie auch langfristige Begeisterung für eine Aktivität sind schwer zu erzeugen und zu halten. Es hieß für mich also: meinen Wortschatz und den Unterricht besser vorbereiten, Regeln einführen, einen kühlen Kopf bewahren und tief durchatmen, wenn mal was nicht klappt oder man schon mit wilden Beschimpfungen begrüsst wird. Zumindest habe ich mir Mühe gegeben.



Elefanten malen Ein Teil der Weihnachtsaustellung

Und siehe da: nach ein paar Wochen gab es Kinder, die anfingen mir zu helfen ihre Kollegen im Zaum zu halten, indem sie selbst mit eingreifen oder einfach nur ein Vorbild sind. Ich begann auch schnell zu verstehen, welche Kinder besser getrennt bleiben und wer wie behandelt werden muss, damit eine Katastrophe vermieden wird. Es ging bergauf, bis dahin, dass hin und wieder mal eine Stunde glatt lief. Sich mit den Kindern beim Malen über wichtige und interessante Themen wie Respekt, Drogen oder sogar auch Sex zu unterhalten oder sie zu bitten ein Lied zu singen, ist einerseits wichtig und hilft andererseits die Aufmerksamkeit zu bündeln.
Die Ergebnisse der dreieinhalb Monate Kunstunterricht können sich vereinzelt sogar sehen lassen, so dass ich am 20. Dezember des vergangenen Jahres eine kleine Kunstaustellung zum Weihnachtsfest des Casa Legals vorbereiten konnte.


In den Turnstunden mit Carina lief es ähnlich ab, nur, dass es eher körperlich als materialtechnisch gefährlich werden konnte. Hier fehlte keinerlei Motivation: man musste die Kinder eher bremsen, damit nicht alle gleichzeitig Räder schlagen und sich dabei verletzen. Ich lernte in dem hallenden Raum also ungeahnte Kreischlautstärken kennen.

In den Capoeira-Stunden konnte ich mich meist ein bisschen mental entspannen. Ich spielte und trainierte mehr zusammen mit den Kindern anstatt selbst Lehrerin zu sein, da der Unterricht schon festere Strukturen hatte. Zum Weihnachtsfest plante und organisierte ich zusammen mit dem Capoeira-Lehrer Welder eine recht umfangreiche Gürteltaufe, die sogenannte Batizado, für alle Schüler.

Es waren alle Eltern der Kinder, Schüler eines weiteren Capoeira-Projektes und Capoeiralehrer, sogar von auswärts wie zum Beispiel São Paulo, eingeladen.
Es wurde eine bunte Runde für alle, mit der traditionell live-gespielten Musik und stolz grinsenden Kindergesichtern, sobald die neue “corda”(Gürtel) erhalten wurde.

Die Verleihung eines Gürtels, im Sinne einer Auszeichnung für die Leistungen des Kindes, genauso wie eine Ausstellung dessen Kunstwerke, um den Eltern sein Können zu präsentieren, halte ich für sehr gut. Die Kinder lernen stolz auf eine gute Leistung zu sein, werden selbst eifriger und animieren vielleicht andere Kinder das selbe zu tun. Stolz und Ehrgeiz , wie auch das Durchhaltevermögen der Kinder zu fördern ist in diesem Projekt ein wichtige Aufgabe. Diese Eigenschaften sollen sich möglichst auch auf schulische Leistungen und auf das Verhalten ausserhalb des Projektes auswirken.

Batizado: Ich im Spiel mit einem Schüler(links), Mutter legt ihrem Sohn die neue corda um (rechts)



Das Patenschaftsprojekt

Zwei Tage in der Woche fahren Carina und ich nicht ins Casa Legal, sondern arbeiten im escritório (Büro) der Fundação Fé e Alegria am Computer. Wir sind dafür zuständig das Patenschaftsprojekt zu leiten. Es gibt mittlerweile ca 80 Paten aus Deutschland, die einen monatlichen Spendenbetrag an das Casa Legal zahlen und mit einem Kind eine Brieffreundschaft pflegen.

Unsere Aufgabe ist es diese Briefe zu übersetzen, auszuhändigen oder per E-Mail zu verschicken, Familien zu interviewen und patenlose Kinder zu vermitteln. Zu Beginn jedoch mussten wir uns erst einmal in das System einfinden und versuchen Kontakt zu den Familien und Kindern aufzubauen.

Zu Weihnachten habe ich mit Unterstützung von Carina mit meinen Kunstschülern Weihnachtskarten für die Paten angefertigt, wobei beim Weihnachtsstern-Schneiden gleichzeitig für uns selbstverständliche Dinge gelernt wurden, z.B. wie man eine Schere richtig benutzt oder wie man ein Papier in der Mitte teilt.


Carina im Escritório Kinder beim Murmelspiel im Casa Legal


Schön ist, dass wir durch diese Arbeit nochmal einen ganz anderen Einblick in das Leben der Kinder und Familien bekommen können und auch verstehen lernen wie es dazu kommt, dass die Kinder und deren Alltag oft so anders sind, als wir es kennen. In meinen folgenden Briefen habe ich vor gelegentlich ein paar Profile von Familien oder Kindern einzubauen, um euch tiefer in das Leben in einem brasilianischen Armenviertel hineinblicken zu lassen.


Kurzer Blick in die Zukunft des Casa Legals:
Glücklicherweise sind zu Beginn dieses neuen Jahres 2009 die lang ersehnten staatlichen Gelder für das Projekt eingetroffen und werden auch gleich in die Tat umgesetzt. Seit Anfang Januar sind neue Lehrkräfte eingestellt worden für die Fächer Musik, Theater, Kunst und Tanz, wodurch Carinas und mein Unterricht vorerst überflüssig wird. Wie genau wir beide in Zukunft im Projekt außerhalb der Englischstunden und dem Patenschaftsprojekt tätig sein werden wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. An nützlichen Aufgaben fehlt es jedenfalls nicht.

Ich habe euch nun von meiner Ankunft und Arbeit berichtet, aber natürlich ist das nicht einmal ein Viertel von dem, was ich bisher erlebt habe. Ich hoffe euch einen Einstiegs-Einblick geliefert zu haben und werde recht bald von mir hören lassen mit Berichten über die Menschen und die Kultur, die ich bisher kennenlernen durfte, Reisen die ich gemacht habe und Probleme die mir in diesem Land tagtäglich ins Auge stechen.

Viele liebe Grüsse von eurer Maren aus Brasilien,
dem Land wo man Spontanität und Geduld nie zu viel dabei haben kann.

22.01.2009

Erster Unterstützerbrief von Maren Manz

Hier nun mal Nachrichten von der 2.Freiwilligen in Vitória Maren Manz.

Auch Sie schrieb einen Brief an die Leute, die Ihren Aufenthalt von Deutschland aus mit 10 Euro monatlich unterstützen. Der Brief ist es wert auch hier nach und nach veröffentlicht zu werden.

Hallo meine lieben Unterstützer!!!

Letztendlich kommt nun doch mein erster Unterstützerbrief... ich habe euch viel zu lange warten lassen. Mein Kopf ist vollgestopft mit vielen bunten Erlebnissen, Bildern und Menschen, die ich hier bisher in Brasilien kennen lernen durfte – er ist so voll, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören soll, geschweige denn, wie ich es schaffen kann alles wahrheits- und eindrucksgetreu zu beschreiben, ohne dabei den Rahmen eines Briefes zu sprengen. Das Beste ist wohl mit dem Anfang meines Aufenthaltes zu beginnen und euch erstmal alle wichtigen Orte und Tätigkeiten zu beschreiben, damit ihr ein erstes Bild bekommt.

Ich bin also Ende August zusammen mit meiner Partnerin Carina Rosenstein aus Odelzhausen und einem 20 Kilo schweren Koffer vom Flughafen München los geflogen. Sicher, wohlbehalten und unglaublich aufgeregt kommen wir einen Tag später in Brasilien in der Stadt Vitória an. Der Städte-Ballungsraum Grande Vitória umfasst fünf Städte (Vitória, Cariacica, Serra, Vila Velha und Viana) und wird von insgesamt ca. 1,5 Millionen Menschen bewohnt.

Wir steigen also aus dem Flieger, die Luft ist auf einmal heiss und der Flughafen klein und rammelvoll; voller Menschen, die wir beide mit Sicherheit noch nicht kennen. Als uns Vilmar, unser Mentor, mit dem Auto abholt, um uns in unsere Gastfamilie zu bringen, wird mir bewusst: jetzt sitzen wir hier in Brasilien und werden hier ein gesamtes Jahr lang bleiben. Und es wird sehr anders als in Deutschland sein.

Ich kann nicht genau sagen, ob mir diese Vorstellung mehr Freude, Zweifel an mir selbst, Angst, Neugier oder einfach nur nochmehr Aufregung bereitet hat. Vielleicht von Allem ein bisschen

Die Wohnungssuche und Wohnsituation

Die ersten dreieinhalb Wochen wohnten wir beide in einem Zimmerchen in der Wohnung der Gastfamilie "Berger", wo wir herzlich empfangen und auf das Alltagsleben vorbereitet wurden.

Schon die einfachsten Dinge laufen hier in Brasilien anders:

Ein Bus hält hier nicht, wenn man nur wartend an der Bushaltestelle steht, nein er fährt in rasender Geschwindigkeit vorbei, wenn man ihm nicht den Arm wild winkend entgegenstreckt. Man darf auch nicht einfach irgendwo, irgendwie einsteigen, sondern stellt sich dazu in eine Einsteige-Schlange an der vorderen Türe des Buses an und wird nach Bezahlung beim Fahrkartenverkäufer durch ein enges Drehkreuz hineingelassen.

Ebenso wird hier sehr knappe Kleidung auch in der grössten Hitze nicht immer gern gesehen, ganz im Gegenteil zu der in Deutschland verbreiteten Vorstellung von lächelnden, halbnackten Sambatänzerinnen, wie man sie den Reisebürokatalogen zu sehen bekommt. All diese Kleinigkeiten mussten uns noch erklärt werden, damit wir nicht zu sehr in der Menge der Brasilianer als "gringas", also Ausländer mit höchstwahrscheinlich viel Geld in der Tasche, auffallen. Das würde unsere Sicherheit nur allzusehr gefährden.

Das apartamento der Familie liegt in Jardim Camburi in Vitória in einem Hochhaus mit Türwächter und Swimming-Pool im Hof. Jardim Camburi ist ein Viertel der reicheren Mittelklasse, nahe am Strand. Hier ist es relativ sicher und meiner Meinung nach auch sehr sauber. Die Bewohner schützen sich vor Dieben mit Hilfe von Wachpersonal, Mauern und der häufigen Inanspruchnahme ihrer Autos. Es wurde uns abgeraten ohne männliche Begleitung abends aus dem Haus zu gehen, geschweige denn ohne Auto. Auch tagsüber allein herumzulaufen sei sehr gefährlich.

Inmitten dieser Warnungen und Ängste vor mordlustigen Brasilianern, wie auch dem Gefühl der Orientierungslosigkeit und Abhängigkeit bekam ich schnell schlimmes Heimweh und sah mich das bevorstehende Jahr in Brasilien in Sicherheit eingesperrt auf meine Abreise nach Deutschland wartend.

Es ist sehr gut gewarnt zu werden und dies zeigt ebenfalls die Besorgnis der Gastmutter um uns zwei orientierungslose Mädchen. Jedoch bin ich froh diese Horrorvorstellungen von einem Jahr in einem "Goldenen Käfig" nach diesen drei Wochen losgeworden zu sein und in das brasilianische Leben selbstständig eintauchen zu dürfen.

Da nach den ersten drei Wochen leider noch kein fester Wohnort für uns zwei gefunden werden konnte, zogen wir aufgrund spontanen Besuchs der Tochter der Familie Berger um zu unserer zweiten Gastfamilie. Die "Foersters" wohnen in Vila Velha, einer anderen nahegelegenen Stadt, abgetrennt von Vitória durch eine Meeresbucht und verknüpft durch eine riesige sehr hohe Betonbrücke, der Terçeira Ponte.

Das wirklich schöne und geräumige, aber auch durch Kinder belebte Haus liegt ebenfalls nahe am Strand in dem relativ sicheren Mittelstandsviertel Praia Itapoã. Die Familie, die genauso wie Familie Berger zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Vitória gehört, nahm uns sehr spontan freundlich und hilfsbereit auf und nahm uns die im Nacken juckende Sorge keinen Schlafplatz zu haben. Ich war einerseits beeindruckt und gleichzeitig überrascht über die brasilianische Hilfsbereitschaft und Spontanität immer irgendwie noch einen "jeitinho" (=kleiner Ausweg) zu finden.

Leider war unsere Wohnsituation nach dieser Zeit in Vila Velha noch immer nicht geklärt und wir mussten aufgrund von unerwartetem Besuch bei der Familie aufs Neue umziehen und einen Schlafplatz finden. Diesmal zogen wir für eine Woche nach Maruípe, ein Stadtteil der unteren Mittelklasse, recht zentral in Vitória, in ein Waisenhaus der Fundação Fé e Alegria. Die Fundação Fé e Alegria werde ich später beschreiben.

In diesem abrigo (“Unterschlupf”) wohnten wir zusammen mit 13 Jungs im Alter von 6 bis 12
Jahren, die von Sozialpädagogen aus schlimmen Zuständen innerhalb der Familien rausgeholt und in diesem Haus untergebracht wurden. Das Ziel ist die Kinder in ihre Familien wieder einzugliedern, sobald dies möglich wäre, andernfalls mit viel Zuwendung und Fürsorge zu helfen den Einstieg in ihr eigenes Leben zu meistern und ein Zuhause zu bieten. Carina und ich haben die süßen Kinder schnell in unser Herz geschlossen und uns deren Tagesablauf angepasst. Jedoch war auch das Waisenhaus keine dauerhafte Lösung, da ab fünf Uhr morgens das Haus (gelegentlich auch unser Zimmer) von spielenden und kreischenden Kindern erfüllt wird und wir wenig Privatsphähre und Freiraum hatten.

Zeitgleich wurde unsere zukünftige, eigene Wohnung zum Renovieren freigegeben, wobei wir natürlich brennend auf unsere eigenen Zimmer gerne mithalfen. Wir haben also fleissig gearbeitet, das heisst auch jahrelang angesammelten Müll und Dreck des Hauses entfernt und nicht mehr verwendete Möbel für uns hergerichtet und gesäubert. Das für die Miete eingeplante Geld des ersten Monats, in dem wir ja Dank der brasilianischen Gastfreundlichkeit noch keine Miete zahlen mussten, haben wir letztendlich dafür ausgegeben allerlei Anschaffungen, wie Teller, Handtücher, Bettbezüge, Duschvorhang und viele weitere notwendige Dinge einzukaufen.



Die “Albergue”

Unsere Wohnung befindet sich, wie auch das Waisenhaus, im Viertel Maruípe in einer ehemaligen Herberge “albergue” der lutherischen Kirche.
Vor ca. 20 Jahren hatte die Kirche beschlossen eine kostenfreie Unterkunft für all die Leute bereitzustellen, die von weither nach Vitória anreisen, um sich medizinisch, hauptsächlich gegen Hautkrebs, behandeln zu lassen.Viele haben nicht die Möglichkeit den täglichen Heimweg anzutreten oder eine Bleibe zu mieten, schon finanziell ist das für viele nicht möglich. Dank dieser Einrichtung kommt es nun nicht mehr vor, dass die kranken, meist alten Menschen notfalls auf der Strasse übernachten müssen und dort, wie leider schon damals gelegentlich geschehen, vielleicht sogar ihr Leben lassen.
Die Herberge ist nur mittlerweile schon sehr alt und kaputt, weshalb eine neue, grössere nicht weit entfernt gebaut wurde. In dem nun frei gewordenen Gebäude der Alten Albergue gibt es einen unabhängigen Teil im ersten Stock, den wir jetzt schon seit drei Monaten aufgrund des Alters des Gebäudes leider nie ganz problemfrei bewohnen.

Gut ist, dass wir hier sehr nahe des Waisenhauses und des Büros der Fundação Fé e Alegria wohnen, in dem wir die Hälfte unserer Arbeitszeit tätig sind. Wir sind also nicht allein in der Nachbarschaft und können im Waisenhaus unsere Kleidung waschen und zum Mittagessen kommen.


16.12.2008

Texte der Kinder des Casa Legal

Unser Brasiliengottesdienst am 7.12. stand ja unter dem Motto: "Casa Legal - was braucht ein gutes Haus?". Unsere Freiwillige Maren hatte für den Gottesdienst einige Kinder im Casa Legal die Frage gestellt: Ist dein Zuhause ein Casa Legal (also ein gutes, tolles Zuhause) und was macht das Casa Legal zu einem casa legal - also zu einem gutem, tollen Haus. Für alle die nicht im Gottesdienst waren hier die Texte und einige Bilder der Kinder:

Thaína (12):

"Ich liebe mein Zuhause, weil es in unserem Haus alles gibt, was man zum Leben braucht. Ich wohne zusammen mit meinen beiden Schwestern in einem Zimmer mit einem Stockbett - ich schlafe unten alleine und die beiden anderen im oberen Bett. Wir haben sogar zwei Fernseher, einen DVD-Player und eine Musik-Anlage. Mich besuchen gerne meine Freundinnen, weil wir auch relativ viel Platz haben.

Am liebsten an meinem Haus mag ich die Küche und meine Oma.


Auch das Viertel in dem wir wohnen mag ich sehr gerne - hier kennt man jeden und hat viele Freunde.


Das Casa Legal ist für mich ein tolles Haus, weil ich hier sehr gerne an den Kursen teilnehme und auch das Essen schmeckt mir total gut. Das einzigste was mir hier fehlt ist ein Computer mit Internetanschluss, das wäre legal."


Poliana (12):

"Ich wohne in einem sehr kleinem Haus mit meiner Familie - wir haben nur zwei Zimmer, das heißt meine Eltern schlafen in einem und in dem anderen befinden sich das Wohnzimmer, die Küche und auch ein großes Bett für meinen Bruder, meine Schwester und mich.

Mir ist das ein bisschen eng und es gibt auch keine Spielsachen oder andere für mich interessante Dinge, deshalb mag ich mein Haus nicht so gern.


Was ich aber sehr gerne mag ist unser Wohnviertel - meine Freunde und Bekannten sind mir sehr wichtig und wenn mir mein Haus zu klein ist, kann ich immer meine Freunde besuchen.


Das Casa Legal ist für mich ein Super-Haus, weil man hier Spaß haben und mit vielen Freunden spielen kann und gleichzeitig was dabei lernt. Die Unterrichtsstunden sind nie die selben, man bekommt immer etwas neues beigebracht und lernt viele Dinge fürs Leben."


Renan (8):

"Ich wohne in einem kleinen Haus in Nova Esperança zusammen mit meiner Familie. Ich finde unser Haus sehr schön - wir haben alles was wir brauchen. Am tollsten finde ich den Fernseher und den DVD-Player. Wenn ich aber mal verreisen und Heimweh bekommen würde, würden mir von zu Hause am meisten meine Cousins fehlen.


Das Casa Legal finde ich super. Ich mag besonders gerne den Kunst-, Fussball- und Sportunterricht und bin sehr gerne in der Bibliothek. Hier gibt es tolle Lehrer und auch das Haus selber finde ich total schön. Am liebsten sind mir hier im CL meine Freunde."


Jocinara (11):

"Ein Traumhaus zum wohnen müsste viele tolle Dinge haben wie zum Beispiel Sofas und Musik. Und ich hätte auch sehr gerne ein eigenes Bett - ich teile mein Zimmer nämlich bisher mit meinen 4 Schwestern und wir haben nur 3 Betten. Am schönsten wäre es wenn jeder von uns 9 Kindern ein eigenes Zimmer hätte - da müsste das Haus aber recht groß sein.

Das Haus sollte auch einen neuen Kühlschrank haben, der keine kleinen Stromblitze macht, wenn es mal ins Haus durchnässt vom Regen - am besten sollte es in dem Haus gar nicht nass werden.

Am wichtigsten in einem schönen Haus ist aber, dass meine Familie mit drin wohnt und auch mein kleiner Baby-Hund. Ohne meine Mutter würde ich nicht wohnen wollen.


Das Casa Legal ist ein ganz tolles Haus und ich gehe auch schon 4 Jahre dorthin. Wenn ich nicht mehr ins CL gehen dürfte würde ich ganz viel weinen.

Ins CL zu gehen macht mich sehr glücklich, weil ich hier alle meine Freunde treffe und auch fast alle meine Geschwister dort sind. Außerdem gibt es immer viel und gutes Essen.

Was ich bei uns zu Hause und im Casa Legal gerne mag ist, dass immer alles geteilt wird, damit niemand zu wenig hat. Das ist auch bei meinen Freunden so und ich finde das ganz wichtig."

Gabriel (11):

"Ein schönes Super-Haus muss unbedingt viele Blumen und Bäume drum herum haben. Und es sollte bunt sein, das macht glücklich. ich hätte auch gerne Internetanschluss, damit ich mit meinem Onkel, der in den Vereinigten Staaten lebt, schreiben kann.

Und es müssen unbedingt meine Eltern und meine zwei Schwestern mit in diesem Haus wohnen - meine Eltern sind nämlich geschieden und ich wohne jetzt alleine mit meinem Vater. Ich wünsche mir, dass wir wieder alle zusammen wohnen.

Das Casa Legal mag ich sehr gerne, weil ich hier alle meine Freunde und Cousins treffe. Außerdem schmeckt mir das Essen und ich mag meine Lehrer sehr. Am liebsten zeichne ich Pica Pau und spiele Fußball."

Weverson (13):

"Ein schönes Haus, finde ich, sollte einen Garten oder einen Hof haben, worin wir Kinder spielen können. Außerdem ist frische Luft ganz wichtig, damit wir alle dort zusammen leben können. Blumen mag ich auch sehr gern, am liebsten Rosen.

Natürlich muss meine Familie mit dort wohnen, aber auch meine Freunde.

Ganz wichtig ist für mich auch Friede im Haus unter allen, die darin wohnen.


Das Casa Legal ist ganz toll - ein echtes Super-Haus: hier kann ich tolle Kurse machen, am besten finde ich Kunst und Fußball. Außerdem kann ich hier auch meine Freundin treffen.

Hier im Casa Legal gibt es sehr viel Liebe, weil die Lehrer so nett zu uns sind."

Adrielyson (9):

"Ein tolles Haus muss viele Blumen und frische Luft haben. Am besten auch Vögel, die singen. Bei mir zu Hause finde ich die Luft sehr stickig, weil wir so wenige Fenster haben. Das Haus sollte auch in schönen Farben angemalt sein, damit man sich darin wohlfühlt.

Am Casa Legal mag ich, dass die Lehrer nett sind und das Essen gut schmeckt. Außerdem zeichne ich gerne Mangas und hoffe es gibt bald einen Zeichenkurs. "


Tamires (13):

"Ein schönes Haus soll voll sein von Liebe, Fröhlichkeit, Leidenschaft, guter Luft zum atmen, Zärtlichkeit und bunten Farben.

Das Casa Legal ist für mich sehr wichtig und ich mag dort besonders meine Freunde zu treffen, zu spielen, lecker zu Essen zu bekommen und was von meinen Lehrern zu lernen.

Was das Casa Legal zu einem Super-Haus macht sind meine Freundschaften und dass man hier lieb zueinander ist ( muito carinho)."

11.12.2008

Wer hat die Kokosnuss....?

ER hat die Kokosnuss!!!

Diese kleine Episode muss ich euch einfach erzählen! Ich hab mich köstlich amüsiert, als gestern Abend plötzlich zwei junge Männer vor unserem Haus standen und mir erklärten sie würden jetzt die Kokosnüsse von unserer Palme herunterholen.
Das hätten sie mit den Leuten von der neuen Albergue ausgemacht, gut, dann fangt mal an Jungs...

Ich bin derweil ungefähr dreimal aus dem Haus und wieder rein. Jedesmal als ich angekommen bin wollte der Kokosmaestri mir zeigen wie viele Nüsse er schon vom Baum geschüttelt hat und mich in sein Haufen-System einführen und mir erklären dass ich jetzt seine Zeugin bin: die sind noch gut und die nimmer und die für ihn und die für die von der Albergue...

Ich hab zwar noch nicht so ganz verstanden warum er mich da jetzt als Zeugin braucht wie viele Nüsse er da gepflückt hat aber er hat nicht locker gelassen deshalb hab ich mich schliesslich auf ihn eingelassen und mir sein Haufensystem erklären lassen.

Für mich sahen die ganzen braunen, vertrockneten Bälle nämlich alle gleich aus aber jetzt weiss ichs besser. Wurde auch mal Zeit dass ich ne Einführung in das Mysterium Kokosnuss kriege, die sieht nämlich gar nicht so aus wie wir das in Deutschland kennen.

Im Prinzip gab es drei Haufen.


Haufen eins: Grüne Kokosnüsse, so wie sie auch immer Strand verkauft werden um das leckere Kokoswasser daraus zu trinken. Dafür sind sie auch gut solange sie noch grün sind wurde mir erklärt. Einfach oben ein Loch reinmachen und das Kokoswasser schlürfen. Wenn man ins Loch reinschaut dann sieht man das weisse Fleisch der Kokosnuss das wir kennen, es ist aber noch ganz dünn und weich.


Haufen zwei: Diesselbe Nuss nur ganz hart, braun und ausgetrocknet. Schon etwas älter aber dafür immer noch mit Wasser. Hört man plätschern wenn man sie schüttelt. Das Wasser sollte man jetzt nicht mehr trinken das ist nicht mehr gut, dafür ist aber das Fleisch jetzt schön dick und Hart wie wirs kennen. Um an die Kokosnuss so ranzukommen wie wir sie kennen, wendet der echte Kokosnussspezialist seine ganz eigene Technik an.

Wer schon mal versucht hat eine Kokosnuss zu öffnen der greift nach nem Messer oder nem Hammer oder schmeisst sie sogar auf den Boden...aber es geht doch auch so viel leichter, Leute!

Habt ihrs schon mal mit den Zähnen versucht? Der Meister zeigt euch wies geht!



video


Ich hoffe ihr habt euch genauso amüsiert wie ich und seid jetzt auch schlauer was Kokosnüsse betrift!

Das Video ist leider so dunkel weils ja schon Abends war. Der Kokosmestri erklärt dass sie noch Wasser hat aber des is eben schon nimmer so gut und das Fleisch wär auch schon etwas überreif. Und am Ende bedank ich mich noch für das Interviw (für alle nicht portugiesler...;-)


Haufen drei waren übrigends die gleichen braunen Dinger nur ohne Wassser und somit schon völlg ausgetrocknet und unbrauchbar.


Nussige Grüsse, Carina

07.12.2008

Botschaft aus Brasilien


Hallo,
heute feierten wir ja mal wieder hier in Odelzhausen den traditionellen Brasiliengottesdienst mit Eintopfessen.
Für alle die nicht dabei sein konnten, die sollen hier wenigstens die Texte aus Brasilien nachlesen können.
Zunächst die Botschaft der Partnerschaftsgruppe:
Uma Casa Legal – ein tolles Haus

Als wir im Jahr 1999 planten ein Projekt für die Kinder in Nova Esperanca zu gründen, war eine der Herausforderungen einen Namen für dieses Projekt zu finden. Die Idee der Arbeit dort war diesen Kindern einen Ort zu bieten, an dem sie einige Dinge antreffen können, die in dem Haus wo sie wohnten fehlten. Freizeitmöglichkeiten, Kulturangebote, Sport und das Erlernen von vielen Fähigkeiten und Kenntnissen, die in der normalen Schule hier nicht vermittelt werden.

Nach einigen Jahren bemerkten wir, dass das Projekt für die die Kinder ein angenehmer und schöner Ort ist, an dem sie sich gerne aufhalten. Wie sie selber sagen, ist es ein casa legal. Also ein tolles, super Haus. – Der Name könnte also nicht besser gewählt sein.

Unser Planet wurde von Gott geschaffen um für uns alle ein casa legal zu sein. Sicherlich ist es sein Wunsch, dass wir alle in Harmonie leben und glücklich sind. Unglücklicherweise ist es noch nicht so, denn in den Häusern von Vielen fehlt das Nötigste um zu überleben. In vielen Häusern gibt es auch Konflikte und die Leute können nicht in Frieden zusammenleben.

Deswegen sind Orte wie unser Casa Legal sehr wichtig. Dort lernen die Kinder wichtige Werte zur Orientierung in ihrem Leben. In der Zukunft können die Werte dazu beitragen, dass das Haus ihrer Familien auch ein casa legal wird.


Der Traum von einem würdigen Leben, wo alle ein casa legal haben ist immer noch eine Herausforderung für uns alle. Eure Hilfe sind Ziegelsteine die helfen dieses Haus zu bauen. Wir sind sehr dankbar für diese Zusammenarbeit. Seid sicher, dass das Casa Legal auch euer Haus ist. Die Türen stehen immer weit offen um euch zu empfangen. Wir hoffen ihr kommt uns bald besuchen.

Eine große kräftige Umarmung für alle
Fatima und die Partnerschaftsgruppe

27.11.2008

Wieder um eine Erfahrung reicher...

...diesmal allerdings nicht unbedingt eine schöne!

Gestern Nacht, halb zwölf, Jucutucuara (Stadtteil), ich kam gerade aus dem Kino. Hier findet nämlich diese Woche ein Filmfestival statt während dessen umsonst Kurzfilme gezeigt werden.
Eigentlich hatte ich mich mit einer Freundin und einem Freund verabredet aber keiner der beiden erschien. So sah ich mir die Filme alleine an. Als der letzte, ein Spielfilm mit normaler Länge, anfing dachte ich mir schon das könnte spät werden und dann muss ich noch nach Hause, alleine, aber ich blieb sitzen.
Als es dann allerdings zu schütten (regnen reicht hier nicht als Ausdruck ;-) anfing und durch das nicht ganz dichte Dach tropfte, liess ich den Film Film sein und machte mich in Anbetracht der schon recht späten Stunde mit meinem Schirm bewaffnet auf den Weg zur Bushaltestelle.

Ich wiegte mich in Sicherheit da ich bei diesem Regen niemanden auf der Strasse vermutete. Tatsächlich war ich auch die einzige Fussgängerin. Schnell liess der Regen nach und auf einmal wurde ich von hinten gepackt, jemand schrie "gib mir deine Tasche", entriess sie mir und rann davon!
Völlig verschreckt liess ich zwei Schrei von mir und konnte dem Dieb nur noch hinterherschauen wie er mit meiner Handtasche in die nächste Strasse verschwandt.

Ich konnte gar nicht glauben dass ich gerade überfallen wurde!!
Mein erster Gedanke: Wie komm ich jetzt nach Hause? Ich hab kein Geld mehr für den Bus!
Mein zweiter Gedanke: Scheisse, ich will jetzt überhaupt nicht alleine Bus fahren!
Mit zittrigen Knien ging ich 5 Meter weiter zu einer Bar vor der noch drei Typen sassen.
Ich bat darum kurz von einem ihrer Handys telefonieren zu dürfen.
Glücklicherweise wusste ich wenigstens die Nummer eines Freundes auswendig, der nur leider nicht dranging.

Ich brach endgültig in Tränen aus und die jungen Männer boten mir an mich nach Hause zu fahren. Vor meiner Haustüre fiel mir dann ein dass ich ja auch keinen Schlüssel mehr besass. So verbrachte ich die Nacht im Abriogo (wo wir ja auch schon mal gewohnt hatten).
Heute Morgen war die Leiterin des Abrigos dann ganz besorgt weil ich nicht einfach so zu drei jungen Männern ins Auto steigen könnte. Sie waren zwar schon hilfsbereit und kamen mir auch vertrauenswürdig vor aber natürlich hatte ich Glück.
Der Tipp der Leiterin, ein Taxi rufen und dann Zuhause zahlen.

Ja, jetzt weiss ich bescheid. Und daraus gelernt hab ich auch! Nicht mehr allein unterwegs nachts und am besten ohne Handtasche aus dem Haus. Geld und Handy am Körper tragen.

Diesesmal bin ich zum Glück noch mit einem schrecken davon gekommen und in Zukunft werde ich auf jedenfall vorsichtiger sein!

Liebe Grüsse Carina

24.11.2008

O grande chuva - Der grosse Regen

Brasilien im November...mit kurzen Shorts bekleidet, die Füsse in Flip Flops auf der Nase eine Sonnenbrille um uns vor der grellen Sonne zu schützen, so verlassen Maren und Ich das Haus auf dem Weg ins Casa Legal...Halt, Stop, Zurückspulen!!!!!
So hätten wir das vielleicht gerne aber die Realität sieht anders aus!!
Zumindest seit drei Wochen. It´s raining. Nur leider keine "man". Einfach nur stinknormales Wasser. Wie trist...
Angefangen hat alles an einem normalen Sonntag Abend vor drei Wochen. Es regnet. Na gut, das war jetzt auch mal wieder nötig. Niemand hier steht auf Regen aber man sieht ein dass die Natur ihn braucht.

Gerade stehen Maren und ich am Herd und bereiten unser Abendessen zu, ein zufälliger Blick aus der offenen Haustür auf die Strasse vor unserem Haus lässt uns erstarren.
Braune Fluten bahnen sich den Weg zwischen die Häuser, wo normalerweise Autos fahren. Abfalltüten schwimmen fröhlich vorbei, weil mal wieder jemand den Müll am falschen Tag rausgestellt hat und jetzt nehmen ihn die Fluten mit.



Man kann nur erahnen wie hoch das Wasser steht, zumindest ist von der Verkehrsinsel in der Mitte der Strasse nichts mehr zu sehen. Alles ist wie ausgestorben, nur die braunen Fluten strömen unter stetigem Regen an unserem Haus vorbei und ein Blick nach unten bestätigt, auch IN unser Haus, zumindest den Vorgarten.
Dass wir zu diesem Zeitpunkt noch keine nassen Füsse bekommen haben, liegt daran dass wir im ersten Stock wohnen und daher erstmal sicher sind.
Nachdem wir die erste Verwunderung überwunden haben entdecken wir, dass auch wir plötzlich irgendwie im nassen stehen. Die Ursache dafür war schnell gefunden. Das Abflussrohres unseres Balkons war verstopft und so bahnte sich das Wasser seinen Weg vom Balkon Richtung Haustür.


Also Maren raus in den Regen, Abfluss leergeräumt und schon ergoss sich ein gewaltiger Strahl Wasser aus dem Rohr. Ich muss nicht erwähnen, dass Maren danach einem begossenen Pudel glich. Mir blieb der Wasserkontakt dank meinem Gipsbein glücklicherweise erspart. Das war aber auch das einzige Mal dass mir dieses Teil was genützt hat...grrr.
(Für alle dies nicht wussten. Ich hab mir vor nem Monat das Aussenband am Fuss verletzt und wurde in einen Gips gesteckt. Der ist jetzt zum Glück wieder ab und ich schon wieder am durch die Gegend humpeln)
Von dieser aussergewöhnlichen Situation etwas überrrumpelt fiel mir dann plötzlich ein dass im Erdgeschoss ja Leute wohnen. Uppss, die sitzen wohl im Nassen. Im selben Moment kam dann auch eine aufgeregte Bahianerin (aus Bahia) zu uns hoch und bat um Asyl im ersten Stock.
Natürlich gewährten wir jenes und so kamen nach und nach immer mehr Personen nach oben.

Normalerweise wohnen wir ja alleine. Das Erdgeschoss wird seit dem Umzug in die neue Albergue nicht mehr genuzt. Nur am Wochenende sind dort einige Patienten und ihre Begleitpersonen einquartiert, da die neue Albergue am WE nicht geöffnet ist und alle Patienten heimfahren. Diese Frauen kamen jedoch von so weit weg, dass eine Heimfahrt nicht möglich ist.
Glücklicherweise waren aus dem alten Bestand noch genug Betten und Matratzen im grossen Saal neben unserer Wohnung vorhanden, sodass jeder in dieser Nacht ein trockenes Bett hatte.
Am nächsten Tag berichteten die Medien gross über diesen, angeblich nur 40 min. dauernden, Regen und seine Folgen und Schäden die er in der ganzen Stadt verursacht hatte.
Im Erdgeschoss stand das Wasser immer noch, zwar nicht mehr 50cm hoch, wie die Markierung an der Wand zeigte, aber ganz ablaufen konnte es nicht.
So wartete man auf den Abpumpwagen der Stadt, der in dieser Woche mehr als ausgebucht war. Leider war sein Kommen am Donnerstag darauf ziemlich umsonst, da dasselbe am nächsten Freitag wieder passierte. Überflutete Strassen, Verkehrschaos und wieder Wasser im Erdgeschoss....da es seitdem fast jeden Tag regnet ist man an seine Begleiterscheinungen schon gewohnt.




Unser Viertel scheint im übrigen besonders prädestiniert für Überschwemmungen zu sein. Mich hat das bis jetzt noch nicht so berührt da ich aufgrund meines Beines immer im Haus war aber Maren musste schon oft durch das kniehohe Wasser waten und laut ihrer Aussage sind ihre Füsse seit drei Wochen dauernass. Natürlich zieht man Fliupflops an, da hat man dann wenigstens die Chance auf Trocknung wenn mal kurz die Sonne rauskommt, ausserdem werden ja alle anderen Schuhe komplett nass.

Auch hat sich Maren schon daran gewöhnt überall klitschnass anzukommen, man hat zwar keine Wahl, denn wer wartet bis der Regen aufhört um dann erst das Haus zu verlassen der wartet lange aber man muss trotzdem dazu sagen, dass sich unsere Liebe bis jetzt immer noch keinen Regenschirm gekauft hat. Warum eigentlich nicht? Das hab ich mich auch gefragt. Und da ich jetzt mit gipsfreiem Bein auch wieder dem Regen ausgesetzt bin werde ich heute endlich mal zwei kaufen! Auf dem Weg zum Laden werd ich wohl allerdings nass...;-(
Ja, soviel zum sonnigen Brasilien. Geniesst euren gefrorenen Regen und eure Weihnachtsstimmung, die mir hier völlig fremd ist...

Nasse Grüsse, Carina


21.11.2008

Zwischenbericht

Hallo ihr Lieben,

hier mal wieder ein schriftstellerisches Schmankerl...;-)
Da ich ja von Mission eine Welt aus gezwungen bin regelmässige Unterstützerbriefe und Zwischenberichte zu schreiben, möchte ich euch diese natürlich nicht vorenthalten.
Ich denke der Bericht ist durchaus interessant für euch auch wenn er eher sachlich verfasst ist.
Da stehn jetzt eher so Informationen drin, die ich sonst vielleicht nicht unbedingt hier erwähnen würde. Viel Spass!


Hallo Mission Eine Welt,

meine Arbeitsstelle ist das Casa Legal, ein Kulturzentrum für Kinder, der Fundação Fé a Alegria in Nova Esperança, Caraicica. Mir war das Casa Legal, durch den Besuch in unserer evangelischen Partnergemeinde in Vitória 2006, schon bekannt.
Aufgrund dieser Reise und der nun schon fast 9 jährigen Partnerschaft der Friedenskirchengemeinde Dachau - Odelzhausen mit dem Projekt Casa Legal, entstand die Idee dort ein einjähriges Praktikum zu absolvieren.
Da meine Stelle hier in Vitória erst dieses Jahr ins Freiwilligenprogram von Mission Eine Welt aufgenommen wurde, gab es noch keine festen Strukturen, im Bezug auf Freiwillige aus Deutschland, innerhalb der Fundação.
Das mit meinem Gemeindepfarrer Stefan Pickart eng befreundete Ehepaar Fátima und Vilmar Burzlaff, aus der Partnergemeinde, arbeiten für die Stiftung Fé e Alegria, die das Projekt betreut. Vilmar Burzlaff ist Leiter der Fundação im Bundesstaat Espírito Santo, Fatima Burzlaff ist als Koordinatorin für das Kinderkulturzentrum „Espaço Casa Legal“ zuständig.

Sowohl als gute Freundin Stefan Pickarts, als auch als Betreuerin der Freiwilligen, hat Fatima mich im Namen der Fundação mit offenen Armen empfangen und steht mir bis heute mit Rat und Tat zur Seite.

Meine Arbeit hier:
Das Projekt Casa Legal musste bei meiner Ankunft bereits eineinhalb Jahre auf zugesagte Gelder des brasilianischen Kulturministeriums warten. Aufgrund der der dadurch erstandenen finanziellen Notlage des Casa Legals, welches sich aus diesen Projektgeldern der brasilianischen Regierung und Spenden aus Deutschland finanziert, gab es zur Zeit unserer Ankunft nur zwei Lehrer dort. Somit wurde ich ebenfalls so­gleich als vollwertige Lehrerin beschäftigt. Aufgrund meiner Vorlieben und Er­fah­rung gebe ich dort zweimal die Woche ganztags Tanz- und Turnunterricht, sowie jeden Frei­tag zusammen mit Maren Manz Englischunterricht für die Jugendlichen, die aus dem Projekt bereits herausgewachsen sind.
Die anderen zwei Tage der Woche betreue ich das Patenprojekt, das seit drei Jahren zwischen Kindern des Casa Legal und Paten der Friedensinsel Odelzhausen besteht.
Ins Leben gerufen von Stefan Pickart, sichert dieses Projekt mithilfe der monatlichen Spenden von mittlerweile über 70 Paten das Bestehen des Casa Legals. Meine Aufgaben hierbei sind: Übersetzen von Briefen, Verfassen von Briefen mit Kindern des Projekts, neue Patenkinder auswählen und interviewen.

Eine wirkliche Einführung in meine Aufgaben hier gab es leider nicht. Der Tagesablauf des Projekts hat sich schnell von selbst erklärt und bei meinen Stunden konnte mir nicht viel geholfen werden. Die grundsätzlichen Aufgaben im Bereich des Patenprojekts wurden mir schon in Deutschland von Stefan Pickart erklärt, der mich auch per Internet von Deutschland aus dabei unterstützt. Da es bisher in dem Paten-Projekt keinen festen Ansprechpartner vor Ort gab und keine kontinuierlichen Freiwilligenstellen fand ich hier allerdings einiges Durcheinander vor, in dem ich mich allein zurechtfinden musste.
Diese bisherige Umstrukturiertet in meiner Arbeit schiebe ich aber auf die Tatsache, dass bisher einfach noch keine Erfahrung, Routine und feste Arbeitsbereiche für die Freiwilligen existieren. Daher bin ich zusammen mit Fátima Burzlaff sehr damit beschäftigt meinen Einsatz hier sinnvoll zu gestalten und klar gegliederte Arbeitsbereiche auch im Hinblick auf zukünftige Freiwillige auszusuchen.
Auch soll die Betreuung der Freiwilligen in Zukunft besser organisiert und auf mehrere Schultern verteilt werden.

Veränderungen im Casa:
Zusammen mit mir arbeitet noch Maren Manz im Projekt und an den Patenschaften.
Die Mitarbeiter im Projekt haben uns freundlich aufgenommen, stehen mit Rat und Tat zur Seite und behandeln uns respektvoll und als vollwertige Teammitglieder.
Die Arbeitsatmosphäre im Projekt Casa Legal ist sehr stressig. Das Projekt ist aufgrund des derzeit herrschenden Mangels an Fachkräften noch schlecht organisiert.
Ein weiteres Problem stellt auch die große Fluktuation im Elends-Viertel dar, in welchem das Projekt liegt. Es ist von vielen Zu- und Wegzügen geprägt.
So ist es schwer feste Gruppen zu bilden, da man sich nicht auf das regelmäßige Kommen aller Kinder verlassen kann.

Das Projekt möchte allen Kindern die Möglichkeit geben an den angebotenen Kursen teilzunehmen, daher können sich neue Kinder täglich immatrikulieren und zur schon bestehenden Gruppe stoßen, was eine kontinuierliche Arbeit natürlich erschwert.
Glücklicherweise ist vor wenigen Tagen das schon lang ersehnte Geld des Kulturministeriums eingetroffen, mit welchem bereits ab Dezember neue Lehrer für Tanz, Theater, Musik und Kunst eingestellt werden sollen.
Somit werden Maren und Ich von unserer Verantwortung als Lehrerinnen befreit und können uns anderen, bisher noch nicht definierten Tätigkeiten, widmen. Diese Entwicklung empfinden wir beide als absolut positiv, da wir uns teilweise überfordert gefühlt haben.

Unsere Wohnsituation:
Auch unsere Wohnsituation, die sich mittlerweile mithilfe eines von der Kirche zur Verfügung gestellten Apartments gelöst hat, sorgt weiterhin für Probleme.
Auch hier ist zu sagen, dass vor unserer Ankunft noch keine feste Unterkunft für Freiwillige bestanden hat. Daher wurde beschlossen ein Apartment im Gebäude der alten Albergue* zu renovieren. Maren und ich sind mit unserem Apartment und den Freiheiten, die jenes mit sich bringt sehr zufrieden, leider sorgt das alte Gebäude jedoch immer wieder für Probleme. Außerdem wird ein Teil des Hauses am Wochenende noch genutzt und es bestehen Überlegungen eines eventuellen Abrisses.
Laut Fátima Burzlaff sei unsere Wohnsituation noch bis zu unserer Abreise gesichert, danach müsse man sich aber wohl eine andere Möglichkeit überlegen

Kontakt zur Umgebung:
Nun aber zu erfreulicheren Dingen. Mit der Sprache komme ich mittlerweile sehr gut zurecht. Ich hatte keine Probleme mich daran zu gewöhnen und ich werde immer wieder für meine schon sehr guten Sprachkenntnisse gelobt. Dazu beigetragen hat auf jeden Fall der Kontakt zu Einheimischen außerhalb des Projekts. Welche ich in einigen der vielen kostenlosen Angebote für Jugendliche hier kennengelernt habe.
Kontakt zu anderen Freiwilligen von MEW habe ich teilweise über E-Mail. Natürlich habe ich Kontakt zu Maren (wir teilen eine Wohnung;-), außerdem arbeitet hier in Vitória noch Kaja Knöpfle als Freiwillige in einem Projekt der Fundação, sie stammt aus Augsburg und ist über Stefan Pickart privat für ein Jahr hier.
Größtenteils habe ich aber Kontakt zu nicht deutsch sprechenden Menschen, was meinen Sprachkenntnissen sehr zum Vorteil kommt.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich hier sehr gut aufgehoben fühle und mir die Arbeit nach diversen Veränderungen demnächst sicher mehr Spaß machen wird. Als ich ankam war vieles nicht so, wie es sein sollte. Aber schon einiges hat sich gebessert und ich arbeite immer noch daran, hier für die Zukunft einen festen Standort der Freiwilligenarbeit zu schaffen. Ich hoffe mit meinem ehrlichen Bericht nicht erschrocken oder gar verunsichert zu haben, schließlich war die Aufnahme unseres Projekts ein gewisses Risiko.
Ich bin allerdings der Meinung, dass die Fundação, das Casa Legal und Vitória, im Grunde ideale Voraussetzungen bieten, um hier auch in Zukunft Freiwillige aufzunehmen.
Zum anderen spielt natürlich die langjährige Partnerschaft zwischen meiner Gemeinde und den Menschen hier eine große Rolle in dieser Verbindung. So bereiten sich im Landkreis Dachau bereits wieder zwei neue Freiwillige mit Stefan Pickart auf einen Freiwilligendienst hier vor.

Mit ganz lieben Grüßen,

Carina Rosenstein

09.11.2008

Der 1. Unterstützerbrief

Hallo liebe Bloggerleser!
Hab mich ja schon länger nicht mehr gemeldet, dafür gibt´s jetzt aber umso mehr zu lesen. Und zwar in Form eines Unterstützerbriefes, der die nächsten Tage an meine lieben Unterstützer rausgeht. Wer sich jetzt fragt was es mit der ganzen Unterstützung auf sich hat dem seis nochmal schnell erklärt. Von Seiten meiner Organisation Mission Eine Welt waren alle Freiwilligen verpflichtet sich 10 Unterstützer zu suchen, die sie mit einem Betrag von monatlich 10 Euro unterstützen. Als Gegenleistung muss ich mindestens 5 Briefe im Jahr an sie schreiben.
Und da ich diesen Brief allen nicht Unterstützern natürlich nicht vorenthalten will bekommt ihr ihn hier schon mal vorab zu lesen.

Liebe Unterstützer,

Hier kommt mein erster offizieller Brief an euch. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass es mir gut geht. Ich bin nun seit über zwei Monaten hier in Vitória, im schönen Brasilien.
Was zwei Monate schon? Das überrascht mich ja selber! Ich muss zugeben, dass die ersten Wochen etwas schwierig für mich waren und sich die Zeit dementsprechend auch länger hingezogen hat aber jetzt vergeht sie wirklich wie im Flug..

Die ersten Wochen - verschiedene Wohnungen
Aber nun nochmal von vorne. Als wir hier am 26. August ankamen, wohnten wir erstmal bei derselben Gastfamile die mich schon damals, als ich 2006 mit der Brasiliengruppe unserer Gemeinde hier war, aufgenommen hatte. Eigentlich sollten wir ja in einer eigenen Wohnung wohnen, die uns die Kirche hier zur Verfügung stellen sollte. Das Problem lag nur darin, dass diese Wohnung zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch nicht renoviert war. Daher verbrachten wir die ersten 6 Wochen mit einigen Umzügen. Das hat uns zwar auf der einen Seite sehr belastet und teilweise auch genervt, immer auf dem Sprung zu sein, nicht wirklich ankommen zu können aber andererseits haben wir so tolle Erfahrungen gemacht. Wir haben drei völlig verschiedene Wohnverhältnisse kennengelernt.

Zuerst meine “alte” Gastfamilie in Vitoria, dort hatten wir allerlei Annehmlichkeiten und Gasteltern mit einem Herzen aus Gold. Danach zogen wir nach Vila Velha, in eine andere Stadt. Das gab uns die Möglichkeit uns auch hier umzusehen, den Horizont und unseren Orientierungssinn in diesem riesen Konglomerat aus 5 Millionenstädten zu erweitern. Soll heissen, die fünf Städte Vitoria, Vila Velha, Cariacica, Serra und Viana gehen zum Teil ohne sichtbare Grenze ineinander über.

Obwohl die Entfernungen teilweise wirklich enorm sind werden die Städte von den Menschen hier nicht separat gesehen sondern gelten irgendwie als eins. So ist es zum Beispiel normal in Vitória zu wohnen aber in Cariacica zu arbeiten, wie wir zum Beispiel. Die Menschen pendeln hier von Stadt zu Stadt, was hier dank Unmengen an Busverbindungen auch gut möglich ist. Nur bedeutet das im Normalfall, dass ein Weg von anderthalb Stunden zur Arbeitsstelle als völlig normal betrachtet wird. Ganz anders als in Deutschland.


Unsere dritte Station war das Abrigo der Fundaçao Fé e Alegria in Vitoria. Dort haben auch schon andere Freiwillige vor uns gewohnt. Abrigo bedeutet soviel wie Unterschlupf. Das Abrigo ist ein Haus das zwölf, 6 bis 12 jährigen, Jungen eine Familie bietet. Diese Jungen kommen aus Problemfamilien, die sich nicht um sie kümmern können oder wollen. Hier leben sie alle zusammen. Gehen in die Schule, ins CaJun lernen wie es ist in einer Familie zu leben, noch dazu in einer ziemlich grossen. Richtige “Eltern” gibt es hier nicht. Tag und Nacht wechseln sich verschiedene Erzieher und Erzieherinnen mit der Pflege der Kinder ab.
Dort zu wohnen war ebenfalls eine sehr schöne Erfahrung für mich. Von Ruhe und Privatsphäre kann zwar keine Rede sein aber das vergibt man den kleinen Rackern sofort wieder, sobald man mit ihnen am Essenstisch sitzt oder sie einfach nur knuddelt.

Stiftung Fe e Alegriadie Projekte

Nun zur Fundaçao Fè e Alegria. Diese Stiftung hat hier in Vitoria mehrere Projekte. Es gibt insgesamt 5 Abrigos. Die Kinder kommen dort teilweise schon als Baby hin und können dort bleiben bis sie 18 Jahre alt sind. Die 5 Abrigos sind unterteil nach Altersgruppen. 0 bis 5 Jahre, 6 bis 12 Jahre und 13 bis 18 Jahre.

Dann gibt es noch 13 CaJuns (CaJun= Caminhamos Juntos = Wir gehen zusammen), das sind Projekte in denen die Kinder nach der Schule an verschieden Kursen teilnehmen können. Wie zum Beispiel Sport, Capoeira, Kunst, Tanz, Musik…jedes CaJun hat etwas andere Angebote, und natürlich müssen die Kinder dafür nichts zahlen.

Das Projekt in dem ich arbeite gehoert auch zur Fundaçao und ist den CaJuns ziemlich ähnlich, nur dass es nicht in Vitoria sondern in Cariacica liegt. Es heißt Casa Legal (übersetzt: das tolle Haus).

Wir arbeiten dort dreimal die Woche. Momentan gibt es nur einen Capoeira- und einen Sportlehrer, die festangestellt sind, und Maren und mich.
Maren gibt Kunstunterricht und Ich Tanz- und Turnstunden. Außerdem geben wir an einem Tag der Woche noch Englischunterricht für die Jugendlichen im Viertel, die schon älter sind als 16 Jahre und das Projekt nicht mehr besuchen.

Viertel Nova Esperanca


Das Viertel Nova Esperança

Das Projekt unterscheidet sich insofern von den CaJuns, da es sich nicht direkt in der Stadt befindet. Nova Esperança (neue Hoffnung), so heisst das Viertel in dem das Casa Legal liegt, ist ein Teil der Stadt Cariacica aber als Stadtteil im typischen Sinne ist Nova Esperança eigentlich nicht zu betrachten.

Auf unserem Weg dorthin durchfahren wir mit dem Bus ganz unterschiedliche Gegenden. Wir starten in Vitoria, einer Grossstadt wie man sie sich vorstellt. Fahren ueber die Segunda Ponte, die zweite Bruecke, die einen Ausblick ueber die Insel Vitoria, die wir hinter uns lassen und ueber die ersten Haueseransammlungen von Vilha Velha zur Linken und Cariacica zur Rechten bietet. Als wir die Bruecke in Cariacica verlassen, erleben wir schon einen ganz anderen Eindruck. Obwohl nur durch eine Bruecke ueber das Meer getrennt, erscheint uns die Umgebung ploetzlich gar nicht mehr so grossstaedtisch wie Vitoria. Das liegt wohl daran, dass man mit Vitoria auch alle Hochhaeuser hinter sich gelassen hat, die der Stadt ein so maechtiges Aussehen verschaffen.


Am Busterminal steigen wir in einen Bus, der uns direkt nach Nova Esperança faehrt.
Auf dem Weg dorthin wird alles immer kleiner, die Hochhaeuser machen normalen Gebaeuden platz, die riesen Shoppingcenter normalen Geschaeften und die dreispurigen Strassen verjuengen sich zu nur mehr einer Spur in jede Richtug.
Immer weiter entfernen wir uns von der laermenden, hektischen, monstroesen Grossstadt. Und immer deutlicher sehen wir die ersten Anzeichen der Armut.
Obwohl einige der Menschen in diesen Vierteln bestimmt ein besseres Leben fuehren als die, die sich in den Favelas in Vitoria niedergelassen haben, nimmt man doch ihre einfachen Lebensumstaende eher wahr, weil die Armut in der Grossstadt auf den ersten Blick einfach von deren Monumentalitaet ueberschattet wird.

Bisher habe ich von Cariacica noch nicht viel kennengelernt. Vitoria kann ich langsam einschätzen als Stadt aber von Cariacica kenn ich nur den Teil durch den unser Bus immer fährt und es fällt mir schwer in Cariacica eine richtige Stadt zu sehen, verglichen mit Vitoria.
Vor allem da die Gegend immer ländlicher wird umso näher wir unserem Ziel kommen. Plötzlich sieht man hinter den Häusern links und rechts Natur. Man sieht hohe Berge, Täler, weite Wiesen und Felder und zwischendrin an einem Hang immer wieder Behausungen, deren Farbe sich vom grau des Betons nun zum rot der unverputzten Ziegel gewandelt hat.


Die Gegend hier weißt nicht mehr die Enge einer Stadt auf. Ich weis nicht was das für die Menschen, die hier leben für ein Gefühl ist. Wie es sich anfühlt hier zu leben. Gerade weil die Fahrt nach Nova Esperança anderthalb Stunden dauert kommt man sich wirklich weit von der Zivilisation entfernt vor.


Wie ist es hier zu leben? In einer ziemlich großen Nachbarschaft. Mit so vielen Häusern, dass es fast schon wieder anonym werden könnte aber doch kennt man seinen Nachbarn, der auf der anderen Seite des Zauns wohnt.


Das Viertel, die Ansiedlungen hier sind zu groß um als ländliche Ansiedlungen durchzugehen aber trotzdem gibt es hier außer Privathäusern fast nichts.


Ein paar Bars um Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im Alkohol zu ertränken, ein Geschäfft das gebrauchte Kleidung verkauft und ein paar winzige Lebensmittelläden.
Und natürlich die Kirchen, die wahrscheinlich auch deshalb so voll sind weil es hier sonst einfach nichts gibt wo man hingehen könnte.

Dieses Viertel, von dem ich immer noch nicht einschätzen kann wie groß es eigentlich ist, kommt mir vielleicht auch deshalb so hoffnungslos vor, weil allein schon Odelzhausen, das mindestens genauso groß ist wie Nova Esperança so viele Geschäfte und soviel Treiben hat und trotzdem nur als Kaff betrachtet wird.

Dabei weiß ich erst jetzt was es heißen muss, in einer Gegend zu wohnen, in der wirklich nichts ist.

Wenn ich am Busterminal in den Bus steige, dann frag ich mich immer warum alle anderen Leute wohl in diesem Bus sitzen? Ich komme regelmäßig zu dem Schluss dass sie wohl in Nova Esperança wohnen müssen und von einem Ausflug zurück kehren, denn was sollte man dort sonst wollen. Auch habe ich immer das Gefühl etwas komisch angesehen zu werden wenn ich den Bus an der Haltestelle verlasse.
Vielleicht wird mir meine Nationalität nicht unbedingt angesehen aber doch falle ich auf, sei es allein durch meine Kleidung. Und ich habe immer das Gefühl als fragen sich die Leute, was will so eine, die nicht so aussieht als würde sie hier wohnen, denn hier?


Meine Arbeit
Nun ja, ich arbeite hier. In einem Projekt, dass wenn ich so darüber nachdenke wirklich wichtig für das Viertel zu sein scheint.
Steht man vor dem Gebäude, dann sticht es schon ziemlich heraus. Es ist wahrscheinlich das einzige Haus, das zum einen verputzt was man noch ab und zu sieht, zum anderen bunt gestrichen ist.

Gegenüber des großen Gebäudes steht seit drei Jahren ein kleineres, zweistöckiges Haus, das eine Bibliothek, eine Küche, ein Spielzimmer und zwei große Räume im ersten Stock beherbergt.
In diesem Haus halte ich mich die meiste Zeit auf, denn dort gebe ich meine Tanz- und Turnstunden.

Wenn ich morgens im Casa Legal ankomme dann warten meine Schüler meist schon auf der Strasse. Gemeinsam erklimmen wir die Stufen der Außentreppe um zu den Saelen im ersten Stock zu gelangen. Auf dem Weg schließen sich uns immer mehr Kinder an und sobald ich die Tür zum Tanzsaal öffne huschen auch schon 20 Kinder rein, schmeißen sich begeistert auf die, für die Gymnastikstunde vorgesehenen Matten und fazem bagunça – machen Quatsch!

Während meine älteren Schüler schon anfangen völlig unbeeindruckt die Hüften kreisen zu lassen, kämpfe ich wie jeden Morgen damit, die kleinen Rotzlöffel rauszuschmeißen, die anderorts gerade vermisst werden. Dann geht die Suche nach dem CD Player los, was mittlerweile schon fast ein Ritual geworden ist. Einmal den Kopf in alle Räume stecken und fragen ob jemand den CD Player gesehen hat, bis sich dann rausstellt er war die ganze Zeit in der Bibliothek nur hat man sich an ihn nicht erinnert.

Und so vergeht der Vormittag, bis Nachmittags eine neue Schaar Kinder kommt. Die ebenfalls unterhalten, in ihre Schranken gewiesen und beachtet werden will.

Unterhalten – Ja, so bin ich mir manchmal wirklich vorgekommen, vor allem am Anfang, als wäre ich hier einfach nur der Unterhalter. Warum?

Weil die Kinder in meine Stunde kommen und den Ersten bis ich, bisher von ohrenbetäubendem Geschrei zurückgehalten, anfangen kann schon wieder langweilig ist. Gerade will ich was erklären als die Konzentration schon wieder flöten ist und die Möglichkeit Streit mit deinem Nachbar anzufangen viel verlockender erscheint als mir zuzuhören.

So fühlte ich mich irgendwann einfach total überfordert mit dieser Meute, die zwar irgendwie was machen will mir aber nicht die Möglichkeit gibt etwas zu erklären und auch nicht auf Streit schlichtende Eingriffe reagiert. So entstand schnell das Gefühl hier hergekommen zu sein um sich auf der Nase herumtanzen zu lasen.

Aber wie so vieles hat sich auch dieses Gefühl mit der Zeit geändert.

Zwar kann ich nicht behaupten, dass die Kinder an Disziplin gewonnen hätten, aber allein meine Sprachfähigkeit reicht mittlerweile dazu mich eindrucksvoll bemerkbar zu machen und auch mal den Ein oder Anderen einfach rauszuschmeißen, wenn´s gar nicht mehr anders geht.

Sie in ihre Schranken weisen – Das ist leider ein sehr großes Thema, das fast die meiste Zeit der Unterrichtsstunden und des Tages in Anspruch nimmt.
So sehr die Kinder hier unsere deutschen in Lebensfreude, Impulsivität und Power übertreffen, so sehr fehlt ihnen Disziplin, Respekt und Pazifismus.

Es ist unmöglich mehrere Kinder zur selben Zeit an einem Ort zu versammeln ohne das innerhalb von fünf Minuten Streit ausbricht. Und dazu braucht es nicht mal Gegenstände, um die man streiten könnte.

Es reicht ein provokantes Wort und schon hat der Anstifter eine sitzen. Das geht meistens so schnell und an mehreren Orten gleichzeitig, dass man gar nicht weiß wo man zuerst dazwischen gehen soll.

Streit wird auch oft dadurch ausgelöst, dass es einfach an grundlegender Erziehung mangelt. Ganz einfache Sachen wie zuhören, wenn jemand spricht, ausreden lassen, sich in einer Reihe aufstellen und kapieren dass es völlig egal ist wer Erster, wer Zweiter und wer Dritter ist!!!

Sowas hat mich schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Eigentlich sehe ich den Sinn meiner Unterrichtsstunden gar nicht so sehr darin, den Kinder einen Tanz oder Kunststücke beizubringen, sondern einfach Unterricht zu halten und ihnen beizubringen was es heißt an einer Unterrichtsstunde teilzunehmen. Wie ich mich meiner Professora und meinen Mitschülern gegenüber zu verhalten habe. Dass ich nicht immer sofort mit den Fäusten zuschlagen muss, sondern Gott mir einen Mund zum reden gegeben hat.

Aufmerksamkeit – Das ist vielleicht ein Grund für die viel Streitereien. Oft kommen die Kinder in einem Streit zu mir und beklagen sich, der hätte angefangen und zwar deshalb…oder es wird sich drum geprügelt wer zuerst drankommt und ihrer Meinung nach ist das entweder der Stärkste oder der Lauteste.

Ich denke vielen Kindern fehlt es an Aufmerksamkeit und Zuwendung Zuhause. Sei es weil sie unter den ganzen anderen Geschwistern, die Zahl ist hier nach oben offen, ich hab sogar schon von 20 gehört, einfach untergehen oder von den Eltern einfach nicht die Liebe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen. wie Kinder für die man sich als Elternteil bewusst entschieden hat.

Sexualität und ungewollte Schwangerschaften

Ungewollte und meist viel zu frühe Schwangerschaft ist hier definitiv ein Problem.

Ich habe letztens ein Theaterstück gelesen, dass einige der älteren Kinder (11 bis 14) gerade Proben. Darin geht es genau um dieses Thema. Ein Mädchen wird schwanger und traut sich nicht sich ihrer Mutter anzuvertrauen. Als sie ihrem Freund davon erzählt, macht der sich natürlich aus dem Staub. (Wie das hier halt so ist). Im Grunde sagt das Stück am Ende, dass sich die Mütter mehr um ihre Töchter kümmern und sie über Sexualität und Schwangerschaft aufklären sollen. Aber wie soll das Jemand, der genau dieselbe Vorgeschichte hat?

Sexualität – Hier überhaupt ein sehr kompliziertes Thema mit zwei Gesichtern. Zum einen die Freizügigkeit, wie man sie von den weltberühmten Sambatänzerinnen kennt, riesige Ausschnitte, die in Deutschland mehr als Aufsehen erregen würden, Funke, ein durch und durch sexueller Tanz zu Musik deren Texte sich um dasselbe Thema drehen. Aber auf der anderen Seite dürfen Pärchen egal welchen Alters vor der Ehe nicht beieinander übernachten, große Ausschnitte sind erlaubt aber untenrum zu kurz verpönt und zu viel turteln in der Öffentlichkeit wird auch nicht gerade gerne gesehen.

Und das ist nur ein Teil einer Kultur, die uns auf den ersten Blick gar nicht so anders als die unsere vorkommt und doch stoße ich jeden Tag auf kleine Details, die mich überraschen aber auch verunsichern. Wie sol lich damit am besten umgehen? Verhalte ich mich gerade richtig?
Noch bin ich erst zwei Monate hier obwohl mir das schon echt lange vorkommt. Aber ich verspüre keine Trauer, sondern eher große Freude, dass ich noch weitere 10 Monate hier bleiben darf um immer weiter in diese Kultur, diese Sprache und dieses Lebensgefühl einzutauchen.
Danke für eure Unterstützung, die all diese Erfahrungen möglich machen!

Ich grüsse alle meine Leser, denn gerne dürft ihr meine Briefe an alle weiterleiten, die mich kennen und sich dafür interessieren.
Bis zum nächsten Mal,

Eure Carina

28.10.2008

Tolle Geburtstagsfeier!

Ulisses Rocha_26.10.08


Mal wieder Nachrichten aus Deutschland - das muss ich einfach loswerden!:

Das Konzert mit Ulisses Rocha zum 10 jährigen Geburtstag unserer Partnerschaft war einfach fantastisch, der gesamte Abend wunderschön und ein toller Erfolg in vielfacher Hinsicht: Volles Haus, viele begeisterte Besucher, Veronikas und Déboras Film kam endlich zu ehren, es gab leckerste Caipis und Salgadinhos, mindestens 2 neue Paten - und dann: Musik, die jeden in ihren Bann zog.

Ulisses konnte nicht gehen, bevor er noch eine 3. unvorbereitete Zugabe spielte.

Und natürlich war es schön, dann noch live die Stimmen unserer Freunde aus Brasilien zu hören.

Und 700 Euro Gewinn für das Casa Legal sind natürlich auch ein mehr als erfreulicher "Nebeneffekt" dieses Abends.

Aber klickt euch doch einfach mal durchs Fotoalbum - denn Bilder sagen oft mehr als Worte.

Volta rapidinho - komm schnell zurück! so sang Ulisses Rocha am Abend - uns bleibt nur ihm diesen Wunsch mit auf dem Weg zu geben.

Stefan Pickart

30.09.2008

Die Herzen sind angekommen!

Hallo ihr Lieben!

Nachdem der letzte Eintrag etwas niedergeschlagen war, möchte ich euch nun mitteilen, dass unser Leben hier von Tag zu Tag reicher wird. Wie bereits die Überschrift verrät, ist zumindest mein Herz hier endlich angekommen.
Was zum Grossteil daran liegt, dass wir endlich die ersten Freunde gefunden haben. Und diese Leute, die wir teilweise ganz unabhängig voneinander kennengelernt haben sich auch noch alle irgendwie kennen. Das ist lustig!
Beispielsweise haben wir Kontakt zu Leuten aus einem Jugendzentrum und einer Schule in Vitoria geknüpft. Dadurch haben wir auch gleich die Möglichkeit an vielen hauptsächlich sportlichen Angeboten teilzunehmen, die dort angeboten werden. Wie z.b. Forro (Brasilianischer Standartanz), Breakdance, Capoeira, Turnen. Das ist schon sehr cool auch weil diese Angebote hier alle umsonst sind und wir hier durch unsere tollen "connenctions" überall mitmachen dürfen was sonst nur für Schüler der Schule ist oder so.

Die Arbeit im Casa wird auch immer besser. Langsam kann man sich mit den Kindern besser verständigen und ihnen klar machen was man gerne von ihnen hätte.
Ausserdem gab es die letzten Wochen einen Graffiti Kurs dort, in dem die älteren Kinder und Jugendlichen die eintönig grauen Betonwände der Sporthalle (quadra) bemalt haben. Maren und ich haben auch eine Wand dort besprayt! Hat richtig Spass gemacht! Wer von euch hat in Deutschland schon mal n richtiges Graffiti gesprayt...? Hier ist das nämlich nicht illegal und man fühlt sich wahnsinnig cool dabei...:-)), sag ich euch.

Die letzte Woche hab ich mich hier wirklich sehr wohl gefühlt und hatte öfters den Gedanken, dass ich von all diesen Türen die mir hier geöffnet werden gar nicht mehr weg möchte. Aber andererseits wird dieses Gefühl, sich hier vielleicht doch schon eingelebt zu haben, schon wieder von einer bestimmten Sache getrübt!
Unsere letzten zwei Wochen, die wir ja hier in Vila Velha bei dieser sehr netten Familie verbracht haben, waren für mich sehr schön. Ich hatte den Umzug in die Albergue schon fast vergessen als gestern ein Anruf kam dass es heute soweit sein sollte. Das hat mich gar nicht so gefreut, da ich hier gerne noch etwas länger bleiben würde.
Jetzt haben wir jedoch gerade erfahren, dass die Albergue eigentlich immer noch vorne und hinten nicht fertig ist und wir dann halt heute Abend zur Elisa ziehen, ins Abrigo, das Haus für die "Waisenkinder".
Unser dritter Umzug wird damit fällig. Natürlich sind wir darüber nicht erfreut!

Aber was anderes tun als warten können wir eh nicht. Zumnidest kann ich die Arbeit im Casa mittlerweile mit Humor sehen, wenn mal wieder was nicht so klappt wie es sollte und auch die Wochenenden versprechen gute Aussichten, sogar die Sonne lässt sich nach zweieinhalb Wochen wieder blicken. Also alles halb so wild! Wir scheinen hier anscheinend unser Los als Nomaden gezogen zu haben aber das hat den Vorteil, dass wir uns mittlerweile in Vitoria und Vila Velha schon recht gut auskennen. Die Stadt ist mittlerweile meine und ich habe kein Problem auch mal ohne Maren wo hinzufahren oder Freunde zu besuchen. Hier dauert nur alles viel länger. Die Busfahrten, die Unterrichtsstunden, die Stunden am Tag an denen es keine Sonne gibt (geht hier ja schon um 6 unter), die Zeit die man auf seine Wohnung wartet....aber so ist das nunmal.

Macht euch keine Sorgen, ganz liebe Grüsse
Carina

09.09.2008

Die ersten Fotos...:-)

Hallo!

Diesmal melde ich mich aus dem Escritorio. Wir sind dort jeden Di und Do und verwalten das Patenprojekt zw. Friedensinsel und Casa Legal.

Nachdem ich ja das letzte Mal nicht wirklich vorbereitet war auf meine Tanzstunden hab ich mir am WE einen Tanz ueberlegt. Ich hatte erst den Anfang und dachte das wuerde reichen fuer eine Stunde aber die Kinder waren ganz schoen gut und konnten die Schritte bereits in einer knappen halben Stunde. Es ist wirklich schwer die ganze Zeit alle Kinder bei der Stange zu halten! Es passiert leider immer dass ein paar dann keine Lust mehr haben und sich einfach nur an Rand hocken, der andere Teil moechte aber tanzen...das ist schwer.

Ich hab dann mit ein paar Maedels die schon Tanzerfahrung hatten weitergetanzt und sie haben sogar noch ein paar Schritte dazu erfunden!
Spaeter hatte ich dann noch eine Gruppe die allerdings ein bisschen juenger waren und daher die fuer sie fast schon zu schwierigen Schritte schnell langweilig fanden...
Gelangweilt hab ich mich jedoch ganz und gar nicht. Im Gegensatz zu den Kindern, die Bewegung in der Hitze anscheinend gewoeht sind, war ich schon nach der ersten Stunde komplett durcheschwitzt und fertig! Leider ist das mit unseren Stunden noch ein kleines Durcheinander und jedes mal kommen wieder andere Kinder oder gar keine...

Naja, die Turnstunde ist wieder ausgefallen weil um die Uhrzeit naemlich schon alle Zuhause sind...

Wie mir die Arbeit dort wirklich gefaellt kann ich eg. noch gar nicht richtig sagen, da ich nach der ersten Stunde einfach nur total groggy durch die Gegend lauf und mich ausgehungert auf das Mittagessen stuerze. Entweder ich gewoehne mich da noch dran (obwohl der Sommer ja erst noch kommt) oder ich gebe einfach weniger Tanzstunden an einem Tag.

Jetzt waren wir grad Mittagessen in einem Pflegefamilienprojekt fuer 11 Jungs im Alter von 6 bis 12. Die waren total suess und ham uns gleich ihr Haus gezeigt...:-)

Dieses Projekt und das Escritorio und die alte Albergue in der wir hoffentlich bald wohnen, liegen alle ganz nah beieinander in einem Viertel das Maruipe heisst. Im Moment muessen wir noch ueber ne halbe Stunde mim Bus fahren um dahin zu kommen.
Ich hab die Maren grad losgeschickt um ein Foto von der alten Albergue zu machen. Damit ihr euch das mal vorstellen koennt. Sieht nich sooo toll aus aber das Aeussere stoert ja nicht. Momentan siehts innen zwar nicht besser aus aber das soll ja auch alles noch renoviert werden.
Obwohl ich sagen muss dass sie auf diesem Foto gar nicht mal so schlecht aussieht...und hier nochmal ein Foto von dem Teil wenn man zu diesem kleinen Tor reingeht. Und da wos rechts die Treppe hochgeht, gehts zu unserem zukuenftigen Apartment.


Jetzt noch ein paar andere Fotos! Ich entschuldige mich fuer die komische Anordnung und so aber irgendwie is das schwer so zu machen dass das toll aussieht!!

Trotzdem Viel Spass Damit!


Die Funk Tanzgruppe am Festa da Cultura (-> siehe vorheriger Eintrag)


Ich in unserem schoenen Zimmer.Ich schlafe gut behuetet von 100 Kuscheltieren...:-)



Eine typische "Strasse" in Nova Esperanca, dem Viertel in dem das Casa Legal steht.
















Ich mit meinen Patenkind Tais aufm Schoss und anderen Kindern am Festa da Cultura.

03.09.2008

Unser 1. Arbeitstag im Casa Legal

Oi!!

Jetzt meld ich mich mal wieder. Hab gesehen, der Stafan hat Fotos von mir und der Maren hochgeladen...Also dass wir noch keine fotos hochgeladen ham liegt hauptsaechlich daran, dass wir noch nicht wirklich welche gemacht haben...sind irgendwie nicht so die Fotografierer aber vielleicht schau ich sie jetzt doch mal durch ob was dabei is...

Ausserdem hat die Maren eher ein Problem mit Fotos von ihr im Internet daher werdet ihr auf sie eher verzichten muessen...ausser ich kann sie mal ueberreden...:-)

Gestern warn wir so ab 2 bei der Fatima und haben mit ihr unsere Woche geplant bis naechstes Wochenende, da sie morgen verreist.
Die Fatima kuemmert sich naemlich wirklich ganz toll um uns. Verbringt viel Zeit mit uns obwohl sie eigentlich wirklich viel zu tun hat, das rechne ich ihr wirklich an!
Wir sind bzw. werden hier sowieso sehr, sehr nett und aufmerksam aufgenommen!

Am Sonntag Abend beispielsweise waren wir im Gottesdienst unserer Partnerkirchengemeinde. Das war schoen. Dort waren viele Leute, die ich schon von unserer ersten Reise kenne. Joao Paulo, Nivaldo, Fam. Burtzlaf, Gabriella, Gertraude fuer alle dene diese Namen etwas sagen...:-)

Im Gegensatz zu den Gottesdiensten die ich vor zwei Jahren erlebt habe war dieser nicht zu lang und nicht zu arg langweilig...(koennte natuerlich ach daran gelegen haben dass ich einiges verstehen konnte...:-)
Am Ende hat uns die Fatima dann ploetzlich aus der Kirche geholt weil die anderen drinnen eine Ueberraschung vorbereitet haben und als wir dann wieder reinkamen stand sich die ganze Gemeinde in zwei Reihen gegenueber und wir sind an ihnen vorbeiggegangangen und wurden von jedem mit einer Umarmung Willkommen geheissen!
Das war schoen! Danach hat Gertraude Stafans Brief vorgelesen, den er an die Gemeinde geschrieben hat und wir wurden offiziel in diese Gemeinde aufgenommen!

Aber auch in anderen Projekten von Fe e Alegria wurden wir freundlich begruesst und herumgefuehrt. Natuerlich auch im Casa Legal, in dem wir heute unsere ersten Unterrichtsstunden mehr oder weniger gegeben haben, es gab naemlich einige Probleme...

Da wir erst gestern wirklich festgelegt hatten was wir fuer Kurse geben, naemlich Maren Artes (quasi Basteln) und mithelfen beim Capoeira Unterricht und ich Tanzstunden und Turn-und Akrobatikstunden, hatten wir keine Zeit mehr uns fuer heute vorzubereiten.

Maren hat sich noch schnell Elefanten aus Papel mache (Pappmasche) basteln ausgedacht und ich...naja, nix...?
Das stellte sich dann auch als Problem heraus...
Eigentlich wollte ich von den Kindern wissen ob sie schon einen bestimmten Tanz gelernt hatten oder Bewegungen koennten, die sie mir zeigen koennten aber irgendwie konnten sie nur so bisschen Salsa und mit ihren Hintern wackeln...das war also kein besonders erfolgreicher Weg.

Also wollte ich dass jeder eine Bewegung vormacht und wir anderen machen sie nach...hat natuerlich auch nicht geklappt...

Ausserdem wollte ich wissen auf welche Musik sie tanzen wollen und welche Art von Tanz(schritten) sie gerne lernen wuerden...ja, da kam dann raus dass sie Funke (sprich: Fanki zu deutsch Funk) lieben, was wie mir gesagt wurde gaaaanz schrecklich sein soll UND, jetzt kommts, sie wollen eine bestimmte Art von Tanz lernen, die in unseren deutschen Agen aeusserst obszoen ist, naemlich...die hauptsaechlich maennlichen Taenzer stehen breitbeinig etwas in den Knien da und klappenstossen ihre Hueften vor und zurueck, was naja...ihr koennt euch denken wie das aussieht...

Wir haben bereits eine auesserst eindringliche Vorfuehrung dieses Funke Tanzes bekommen. Naemlich beim Festa da Cultura, letztes WE, da war naemlich eine Gruppe von 5 jungen Maennern die zeigten wie eindrucksvoll sie ihre Becken zum Rythmus der Musik "bewegen" koennen...ja, wir warn erstmal etwas geschockt, dass so eine Gruppe auf einem Fest fuer Kinder auftreten darf...naja...
Am allerstollsten ist uenrigendsa der, der diese Stossbewegungen am schnellsten ausfuehren kann, deutsche Frau denkt sich da ihren Teil zu brasilianischen Maennern...(und dem Geschmack kreischender Brasilianerinnen)

Naja..Maran hatte heut auch nicht mehr Glueck mit ihrem Papel-mache Zeugs, der Kleister hat nicht wirklich gehalten und anstatt ein Tier zu werden wurde er natuerlich fuer alles andere verwendet...

Obwohl dann nicht mal mehr unsere Turnstunde stattfand war ich um 4 Uhr schon dermassen von Kindern und HITZE erledigt, dass ich froh war heimfahren zu duerfen!

Ganz ohne ungewolte Stadtrundfahrt hat auch das nicht funktioniert, da wir in den falschen Bus gestiegen sind.
Das ist hier aber auch wirklich nicht leicht, da es weder Busplaene mit Uhrzeiten oder Streckennetz, noch gut sichtbare Bushaltestellen gibt, wenn es welche gibt steht natuerlich nicht da wie sie heisst und man erwartet auch zuviel wenn man nach den Nummern der Busse sucht die dort halten.

Aber gluecklicherweise werden wir der portugiesischen Sprache mittlerweile immer maechtiger und konnten die Ratschlaege des Busfahrers, mit welchem Bus wir jetzt doch noch nach Hause kommen,verstehen.

Jetz hat grad der Papa von der Aline ein Gespraech mit mir angefangen und jetzt muss ich leider Schluss machen@!

Beijo pra voces!!

Ciao Carina

02.09.2008

Video über das Casa Legal und Nova Esperanca

Hallo,
noch mal eine Meldung aus Deutschland.
Unsere Freiwillige Veronika (Oni) brachte bei ihrer Rückkehr ein Video über das Casa Legal und das Leben im Bairro (Wohnviertel) Nova Esperanca mit, dass sie mit Débora Nunes zusammen gedreht hat. Es gibt einige gute Einblicke in das Leben der Menschen dort. Leider ist die Bild und Tonqualität nicht immer optimal, da mit einer recht simplen Fotokamera aufgenommen, aber dass anschauen lohnt sich für alle die ein bisschen mehr über das Leben dort erfahren wollen!

Bei Gelegenheit werde ich es noch in einzelne Kapitel unterteilen, denn so dauert das ganze 38 Minuten.

Zum Betrachten einfach auf das Bild oder den Link darunter klicken:


Nochmal ganz herzlichen Dank an Veronika (Oni) und Débora für diese Einblicke!

Liebe Grüße Stefan Pickart

29.08.2008

Fotos von Carina und Maren

Hallo,
eine kurze Meldung aus Deutschland.
Bis die beiden an ihren Foto denken, schon mal ein paar Fotos von ihrer Abreise aus Deutschland.

Beim Klicken auf das Foto, öffnet sich ein Album!

Liebe Grüße
Stefan Pickart

Carina und Maren

Erste Erlebnisse

Wie die Ueberschrift schon verraet, ist hier endlich mal was passiert!
Gestern Nachmittag hat uns die Fatima (Leiterin des Casa Legal) abgeholt und uns auf ihre Erledigungstour mitgenommen. Das war voll nett von ihr dass sie uns einfach mitnimmt, damit wir mal bissl rauskommen.

Zuerst sind wir in ein Projekt in der Stadt gefahren das sich CaJun nennt. Ist im Primzip das gleiche wies CL nur ist der Traeger die Stadt. Dort haben wir eine kleine Fuehrung von einem sehr netten Brasileiro bekommen der etwa in unserem Alter war und dort arbeitet.

Anschliessend gabs dort was richtig cooles, naemlich einen riesen Geburtstagskuchen fuer alle. In dieser Tagestaette wird naemlich an jedem Monatsende der Geburtstag aller Kinder, die in diesem Monat hatten, gefeiert. Und jeder bekommt ein Stueck pappigen Schockoladenkuchen, auch wir. Dazu gabs Trauben Limo das wie Karamalz geschmeckt hat.

In diesem CaJun hats uns schon mal ziemlich gut gefallen und hat unsere Vorfreude auf die Arbeit im Casa Legal ziemlich erhoeht!

Anschliessend sind wir ins Centro gefahren und ham uns um ein paar Bankangelegenheiten gekuemmert.
Als wir im Centro aus m Auto gestiegen sind, wars fuer mich schon erst mal krass! Hier gibts durch die ganze Stadt, die groesser ist als Muenchen, drei spurige Fahrbahnen in beide Richtungen und die Autos, Busse und Motorraeder brausen teilweise mit Tempo 80 durch die Gegend. Hier ist wirklich Vorsicht angebracht!
Ausserdem fuehlt man sich nach kuerzester Zeit richtig schmutzig wenn man da rumlaeuft. Ich hatte das Gefuehl ueberall an mir kleben Abgase!

Das ist hier wirklich ziemlich krass fuer so ein Landei wie mich aber auch fuer Leute die bei uns in der Stadt wohnen waer das bestimmt nochmal ne Stufe verschmutzter!
Was mir auch aufgefallen ist, als wir mit Alines Mutter und deren Hund raus gegangen sind, dass es zwar vereinzelt Baeume gibt die aus dem Beton hervorragen aber quasi keinen Rasen, von Gruenflaechen ganz zu schweigen. Das war irgendwie krass zu sehen wie der Hund an den einbetonierten Baum pinkeln musste...

Nach unseren Besorgungen in der stadt sind wir dann weiter nach Cariacica gefahren weil wir noch etwas im Casa Legal abladen mussten.
Fatima hat uns das mit den Staedtyen erklaert. Hier in der Gegend gibt es 5 grosse Staedte, Vitoria, Cariacica, Serra, Vila Velha und noch eine.

Cariacica und Serra sind die groesseten aber Vitoria ist die Hauptstadt des Bundesstaates. Und alles diese 5 Grossstaedte liegen ganz nah beieinander und gehen Teilweise sogar ineinander ueber sodass man sich hier eigentlich in einer Megastadt befindet!

Leider ham wirs bisher immer verplant unsern Foto mitzunehmen aber ich liefer euch schon noch ein Grossstadtfoto!!

Als wir schlieslich im CL ankamen war schon keiner mehr da, es war schon 7 oder so. Generell war in Nova Esperanca nix los, fast niemand auf der Strasse. War irgendwie ziemlich komisch dort zu sein wenns dunkel ist....dasdas Viertel ja eher immer als armes, gefaehrliches Viertel beschrieben wird und man sich da nachts sowieso nicht aufhalten sollte...aber irgendwie erschien mir das ganze ziemlich friedlich...naja, Angst hatte ich jedenfalls keine!!

Wegen gefaehrlichem Viertel: Gefaehrlich isses da nicht. Es gibt natuerlich Kriminalitaet aber eher Nachts wo wir dann sowieso in unseren sicheren Bettchen sind...:-)
Und die Mitarbeiter des CL werden sowieso geachtet und beschuetzt, also eg. alles unter Kontrolle!! (wir werden natuerlich trotzdemm vorsichtig sein)

Das war eigentlich unser Tag. Ham uns noch viel mit Fatima unterhalten. Sie hat eine traumhafte Ausprache, ich versteh quasi alles was sie sagt, was man von den uebrigen Leuten eher nicht behaupten kann!

Sie hat uns Ausserdem gesagt dass wir bestimmte Kurse an der Uni umsonst besuchen koennten. Z.B Capoeira fuer die Maren und ich koennte vielleicht einen Kunst kurs besuchen der sicher gut waere fuer meine Mappe! Aber das muss man noch auf sich zukommen lassen!

So jetzt gibts dann gleich Mittagessen und dann fahrn wir wieder ins CL und treffen uns dort mit Jugedlichen denen wir Deutsch und Englisch Unterricht geben sollen...da freu ich mich schon drauf!!

Und heut Abend gibts Mega Churrasco (Grillfest) mit 10kg Flrisch was wir grad gekauft ham...

jetzt gibts wirklich Eseen!

Also erstmal Tschuess, ich hoffe ich hab viele Leser!

xiau, beijo Carina

27.08.2008

Angekommen!

Hallo ihr Lieben!!!

Ja nun ist es soweit, die Maren und ich sind angekommen. In Brasilien, genauergesagt Vitoria der Hauptstadt des Bundesstaates Espirito Santo.

Seit gestern morgen sind wir nun hier. Wir wohnen , noch heisst es nur voruebergehend aber das kann in Brasilien ganz schoen lang sein, bei Aline meiner ehemaligen Gastschwester.

Ihre Eltern sind wirklich total nett und es ist schon was anderes als vor zwei Jahren weil ich ihre Mutter jetzt zumindest ein bisschen verstehen kann.
Ich muss sagen dass mit der Sprache ist schon ok. Ich kann sagen was ich brauche nur das verstehen ist noch sehr schwer da ich von vielen Woertern nicht weis was sie bedeuten. Daher ertappe ich mich oft dabei gar nicht zuzuhoeren was jmd. sagt....

Die Resie war lang und teilweise ziemlich verplant...zb ist unser Koffer gar nicht automatisch weitergeschickt worden wie er eigentlich sollte, sondern wir haetten ihn in Sao Paulo abholen sollen, was keiner wusste. Zum Glueck konnte er vom Personal noch rechtzeitig ausfindig gemacht werden. Und weil dann das Gate unseres Anschlussflugs auch noch spontan geandert worden war, wurden wir dann spontan in einen Bus voller Stewardessen und Piloten verfrachtet der uns in letzter Minute ueber den Flugplatz zu unserer Maschiene brachte, die wir beinahe verpasst haetten...

Geschafft ham wirs letztendlich doch, sogar mit vollstaendigem Gepaeck!!

Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Die anderen Leute zb. aus der Kirchengemeinde und unsere ehem. Austauschpartner werden wir erst am Freitag bei einem grossen Willkommensgrillfest sehen. Und am Samstag gehts dann das erste Mal ins Casa Legal zum festa da cultura (fest der kulturen dass einmal im Jahr stattfindet).

Heute werd ich mir mit der Maren noch ein bisschen das Stadtviertel ansehen und den Kopf ins Portugiesisch Grammatikbuch stecken. Ich glaub naemlich, dass selber im Buch nachschauen viel leichter ist als aus den Gespraechen der Leute herauszufinden wie was funktioniert, also so gehts zumindest mir und fuer unsere Begegnung mit den vielen Menschen am Freitag moechte ich echt gewappnet sein!

Das wars erst mal, ich melde mich am Sonntag nochmal nachdem hier bisschen mehr los war....

Hab euch lieb, Carina

18.06.2008

Brasilianische Strassenüberquerung!

...Man nähere sich dem Höllenstreifen, bleibe stehen und studiere zunächst die Straßenführungen. Hat man dann allmählich sieben Straßen auf einmal im Blick und weis aus welchen Richtungen blitzschnell scheppernd-klappernde Blechdosen geschossen kommen könnten, dann bereite man sich auf eventuell abfallende Autoteile vor, die dir an deinen sowieso schon verwirrten Kopf fliegen könnten. Zudem sollte man sich stets auf plötzlich unlenkbar gewordene oder bremsversagende Fahrobjekte gefasst machen. Neben dem Schepper-Klapper-Auspuff-Gekrache, das zu nasenflueglflatternden Erlebnissen führen kann, ist das paarungsfähige weibliche Geschlecht einem zusätzlichen Geräuschetumult ausgesetzt: Pfeifende Paarungslockrufe der maskulinen Autofahrer zischen an den sowieso schon überlasteten jungen Damenöhrchen vorbei.

So, wenn man dann seine Augenmuskel auf Höchstleistung eingestellt hat und die Ohren auf die Brummgeräusche der Fahrobjekte getrimmt hat, dann könnte man eigentlich die zitternden Beine in Richtung Straßenüberquerung in Bewegung setzen, wenn man sich nicht doch lieber dafür entscheidet umzudrehen und anstatt einer achtspurigen eine vierspurige Strassenüberquerungsmöglichkeit mit grünem Mittelstreifenverschnaufplatz zu suchen. Also wir versuchen es einmal auf einer zweispurigen Straße und packen unseren Partner nun fest am Arm ohne ihm die Hand auszureißen. Dann schreist du am besten ``jetzt los`` um in der darauffolgenden Viertelsekunde deinen Partner ruckartig wieder zurückzuziehen und ihn so vor einem unvorhersehbaren Rechtsüberholer ohne Bremsveranlagung zu schützen. Nach dem ersten Versuch folgen im Durchschnitt noch sieben weitere Überquerungsansätze, dann aber wird man sich schon weiter trauen und mit Herzstillstand, aufgerissenen Augen und verkrampften Adern bis zum Mittelstreifen gelangen um dort die nächsten zehn Minuten zu verschnaufen, wobei man vielmehr in Balancehaltung vor den hinten und vorne vorbeiflitzenden Dosen seinen Körper ruckartig ausgleichend bewegen sollte. Wenn man nach 10 1/2 Minuten immer noch nicht Glück haben sollte und keine Passierlücke erwischen konnte, dann mein letzter Tipp: Augen super gut verschließen, Hände mutig zusammenballen und einfach losrennen. Wenn du dann deine Augen wieder öffnest, dann bist du entweder auf der anderen Straßenseite angelangt und bekreuzigst dich, du liegst im Krankenhaus oder du blickst von oben herab und freust dich über deine Engelsflügel, die dir nun über jede brasilianische Straße helfen werden.

Ja, also ich glaube wer schnell zum Glauben finden will, der sollte einfach nur nach Brasilien kommen, eine Straße überqueren, im Supermarkt in der Warteschlange stehen oder auf den ganz gewöhnlichen brasilianischen Bus warten. Dann wird man nach stundenlangem Warten irgendwann doch mal eine höhere Instanz herbeirufen, letztendlich die übernatürlichen Wesen zur Hilfe bitten und dann gleich vorbeugend auf sämtliche Objekte deine Gottesgläubigkeit hin kleben: ``100% Gott``, ``Wir lieben dich Jesus``.....

Sollte man dann noch nicht den Blick gen Himmel richten, dann versuche einmal ein gesundheitliches Problem in Brasilien zu lösen. Spätestens dann wendet man sich an andere Helfer.

Also meine brasilianische Patientenkarriere begann mit so manchen seltsamen Körpererscheinungen wie plötzlich stechende Augen, schlagartige Juckattacken oder den Hitzehauthügelchen auf den Schultern! Das war alles noch erträglich. Dann ging es aber los und zwar mit dem Bauch, der sich seit nun drei Monaten zu einem schwangerschaftsähnlichen Zustand aufgebläht hat und der mir nun schon öfters Fragen nach dem Namen meines Babys eingebracht hat. Und dann geht die Erklärungsgeschichte los: Zunächst haben mir alle versichert, dass ich Dengue bekommen habe, denn manchmal wollte ich einfach nur noch schlafen und essen und manchmal war ich super fit. Meine ganze Patientenkarriere beinhaltet nun schon 16 Arztbesuche und doppelt soviel verschiedene Medikamente bis hin zu einer brasilianischen Hypnose! Sollte einmal jemand von euch zufällig in Vitoria erkranken, dann glaube ich, dass ich hier mittlerweile der beste Arzt-, Krankenhaus-, Apotheken und Gesundheitsamtskenner bin!

Außerdem weis ich nun wie man sich hier verhalten muss, wenn man sein Gesundheitsproblem nicht erst in einem halben Jahr lösen will. Normalerweise wird man nämlich von einer Stelle zur nächsten geschickt und muss auf seine Blutuntersuchungen zwei Wochen warten, auch wenn du Schmerzen hast und nur noch im Bett bleiben kannst. Wenn man einen Arzt braucht, geht man zum nächsten Gesundheitsamt, stellt sich in der Schlange an und vereinbart dann einen Termin für nächste Woche um dann einen Termin mit einem Arzt zu vereinbaren. Das heißt nach zwei Wochen spricht man dann einmal mit dem Arzt um sich dann an einen Facharzt weiterleiten zu lassen. Dann geht die Terminvereinbarung bei dem Facharzt wieder von vorne los...also nur ein bisschen Geduld. Aber die hatte ich nach einer weiteren willkürlichen Terminverschiebung um zwei Wochen nicht mehr und dann habe ich in einer Praxis einen gigantischen Tumult mit Schreieinsatz veranstaltet. Und siehe da, plötzlich bewegte sich die Terminverteilerin und noch am selben Tag konnte ich meine Untersuchungen machen lassen! Aber erst letzte Woche habe ich den Grund meines gigantischen Bauches erfahren, wahrscheinlich lebt da drinnnen in mir schon seit Februar so eine Amöbe, die auch Hunger hat und sich ausbreiten will und deshalb muss ich für sie mitessen und ihr meinen Bauch leihen!

Zwar trifft man hier auf Desorganisation und muss stets auf alles WARTEN, doch die Hilfsbereitschaft vieler Brasilianer übertrifft niemand anderes so schnell! So verbring ich manchmal einen ganzen Tag mit eigentlich fremden Leuten, die mich dann zum Essen in ihr Haus einladen, mich zu meinem nächsten Arzt begleiten oder mir sogar meine Ultraschalluntersuchungen bezahlen, weil ich nicht soviel Geld dabei hatte. Ja, das andere Zeitgefühl hat so manche Vorteile!

Brasil-Herbstgrüße von Oni und Amöbe!

09.05.2008

``Tellerst du pommerisch oder deutsch?``

``Als gaut, joa?`` (Alles gut, ja?)

``Was, tust du duetsch tellern? Aber wir sind keine Deutschen, wir sind Pommeraner und darauf sind wir immens stolz! Wir pflegen unsere Kultur, wir sind Pommeraner, keine Deutschen!!! Habt ihr das auch alle verstanden? Wir sind Pommeraner!

Ich glaub, dass ich letztes Wochenende im groessten Pommeranerdorf der Welt beihnah mehr ueber die deutschen Traditionen erfahren habe als jemals zuvor in meinem Heimatland. Wer haette das gedacht! Und das hinter den sieben Bergen von Vitoria. Dort liegt eingebettet in Kaffeeplantagen und alpenaehnlichen Bergen das verrueckte deutsche Koloniedorf Santa Maria De Jetiba!

Der erste Kontakt mit den Pommeranern verlief auf akustische Weise und meine Reaktion auf diese unnachahmbare einmalige Dialektsprache war ziemlich unhoeflich von mir, denn ich konnte mir einen unaufhaltbaren Lachkrampf nicht im Halse zurueckhalten. Diese Sprache scheint eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Eigenkreation zu sein, die sich seit den letzten 130 Jahren hier in Brasilien zu entwickeln scheint; mit Ausnahme waehrend des Zweiten Weltkrieges, denn in dieser Zeit wurde alles Deutsche verfolgt und unterdrueckt.
Interessant waren auch die Verberfindungen der ``wirklich`` deutschen Familie bei der ich zunaechst gewohnt habe (hier gibt es uebrigens erschreckend viele Brasilianer, die Deutsche oder italienische Vorfahren haben). So gab es da immer viel zu raetseln, z.B. wenn die Mutter mir erklaeren wollte, dass ihr Sohn gerne wie eine Katze ``katzt``. Nachdem sie das Verb ``schleichen`` nicht kannten, haben sie das einfach von dem Nomen ``Katze`` abgeleitet und das Verb ``katzen`` in die Welt gesetzt.

Ja, da hab ich fast Lust bekommen irgendwas in Richtung Sprachentwicklung oder Sprachforschung zu verfolgen. Das ist mal immens spannend und dabei werden auch noch so einige Lachfalten geboren.

Zurueck zu den stolzen Pommeranern: Also es gab da ein Pommeranerfest mit Bier, Kartoffeln, Kuchen, Blaeserkapelle, pommerische Hochzeit mit Teller zerdeppern, Dirndl und Lederhosen (Plakiat, denn Qualitaet rangiert hier in Brasilien in allen Richtungen auf der untersten Stufe), ``Oktoberfest``-Filzhuete (s.Photo) und die deutschen Tanzvorfuehrungen. Die Jugendlichen Pommeraner sind im Vergleich zu uns extrem traditionsluestern und praesentierten voller Stolz ihre bewahrten deutschen Volkstaenze.

Da hab ich mich manchmal schon gefragt wie diese Pommeraner ueberhaupt so ein gigantisches Fest auf die Beine stellen und Touristen aus aller Welt anziehen, denn dieses verrueckte Volk ist extrem schuechtern. Da wollte ich mich einmal in den Bergen mit so einer Pommeranerfrau unterhalten und am Ende hab ich fuenfhundertfuenfundzwanzig Woerter geplappert und nur eins von ihr zureuckbekommen: ``Joa!``. Die schmunzeln dann ganz lieb und ziehen die Schultern hoch aber irgendwie versteh ich ihre Stummsprache nicht. Da fragt man sich dann schon wie Pommeranerfrau und Pommeranermann dann eigentlich ueberhaupt zusammenfinden. Mir erscheint es nicht verwunderlich, dass sich so einige Pommeraner wie aus dem Gesicht geschnitten aehneln und ich den Rueckschluss ziehen muss, dass Inzucht dort nicht zu vermeiden ist, wenn sie unter sich bleiben wollen.

Erst in den letzten zwanzig Jahren seien auch Brasilianer und dunkelhauutige Familien in Santa Maria angekommen, die nun allmaehlich die auffaelligen und charakteristischen Pommeraner verteilen und vermischen. Aber immer noch sind dort 90% der Bevoelkerung Pommeraner, der Rest setzt sich aus Hollaendern, Tirolern, Luxemburgern, Italienern und Portugiesen zusammen. Trotzt der Kulturenvielfalt herrscht auch dort ein gigantischer Mangel in der Esskultur vor! Heidernei da verzweifeln wir deutschen Freiwilligen hier beinah und mein Bauch auch, denn der will seit drei Wochen einfach nicht mehr schrumpfen und ist aufgeblaeht wie ein Luftballon!!!

Wenn ich nach irgendwas Sehnsucht haben sollte, dann auf jeden Fall nach deutschen Buechern, nach einem Fahrrad und nach DEUTSCHEM ESSEN!!!!!!!!!!
Wenn ich irgendwann zurueckkomm, dann werd ich mich wohl in Joghurt baden, eine Kaeskur vollziehen und eine Zuckerentzugstherapie besuchen muessen.

So und jetzt geh ``ik schloppen``, denn morgen ist ja nicht ``suendag``!

Noch was zum Casa Legal:

Da herrscht grad leider wieder Chaos, denn nachdem drei Lehrer (Tiago,Tiarles und Lous, fuer die, die sie kennen) aufeinmal entlassen wurden, auch aufgrund finanzieller Probleme, geht das Organisieren wieder von vorne los. Gerade hab ich erst meine Kinder so in Zaum halten koennen und nun wird wieder alles neu vermischt und durcheinandergewuerfelt. Zudem scheinen grad mal extreme Schwankungen im Casa legal zu herrschen, denn es erscheinen manchmal nur vierzig Kinder am Tag und manhcmal schaff ich es gar nicht die ca. 160 Kinder zu zaehlen. Wenn es dann ne ganze Horde ist, die ich beschaeftigen muss dann geht es immer auf den Campo (Feld) und dann seh ich zu, dass ich die energiegeladenen Kinder so schnell wie moeglich ermuede, denn sonst ermueden sie mich. Entdeckt hab ich nun ein geniales Plastikmuellsammelspiel, wobei die Kinder in Rekordzeit eine moeglichst lange Muellschlange knoten muessen. Immerhin haben wir schon in nur sieben Minuten 33 Meter geschafft, obwohl das hier schnell geht, denn mann muss hier nach Plastikmuell nicht lange suchen! Ansonsten balancieren wir immerhin schon sieben Meter und treiben einfach bagunça!

Und uebrigens werden hier in der Nachbarschaft des Casa Legals fast woechentlich Babys zur Welt gebracht, da wusselt und wimmert es nur so!

Fast schon ``herbstlich kuehle`` Gruesse aus Vitoria von Veronika

13.04.2008

Einschussloecher und Einschlafpille!

``Da an der Wand siehst du die Einschussloecher, dort auf dem roten Erdweg ist er zuzammengebrochen und hier wo wir jetzt stehen auf dem Campo, hier hat er aufgehoert zu atmen, er hat nur noch so geroechelt! Schuesse haben wir gehoert, Geschrei und irgendwann kam dann mal die Polizei und ein Arzt. Ja, gesehen haben wir die Bande schon, die gschossen hat, aber wir duerfen sie nicht gesehen haben, denn dann sind wir auch dran und zwar ganz schnell.``
Die Kinder fragen mich ob ich jetzt nicht Angst haette mit ihnen auf dem Campo(Fussballplatz) zu bleiben. Eigentlich noch nicht, doch irgendwie wird es mir ein bisschen mulmig bei der Vorstellung, dass ein Tag zuvor genau an dem Fleck wo wir jetzt stehen ein Mensch erschossen wurde. Dann erzaehlen mir noch ein paar Maedchen, dass der Kindervergewaltiger aus dem Gefaengnis ausgebrochen sei und schon wieder im Nachbardorf gesehen wurde. Diese Story kursiert schon seit drei Wochen in Nova Esperança, doch letzte Woche wollten die Maedchen aus meinem Kurs nicht einmal mehr das Haus verlassen und auf den Campo gehen und da muss ich sagen,dass ich auch sehr gern den letzten Dienstag im Casa-Legal-Haus geblieben bin, mit einer Tuer zum abschliessen! Dann ging es weiter: Ein Maedchen wurde aggressiv und wollte einem anderen Kind irgendwas wegnehmen und meinte ich solle da eingreifen, da es sehr gefaehrlich sei. So erfuhr ich, dass dieses sechsjaehrige Kind eine Pille bei sich hatte, die dich ``augenblicklich fuer immer einschlafen laesst!`` ``Wieso ich davon weis?Ganz einfach; meine Tante, mein Onkel und ein Cousin haben sich mit so einer Pille umgebracht, das weis doch jedes Kleinkind!``
Gegen Ende der Woche hat sich diese kleine Aufregeung schon wieder gelegt und als haetten die Kinder diesen hier``ganz normalen Vorfall`` schon wieder vollkommen vergessen, zerren sie mich mit ``tia-tia-tia-Rufen`` zum Campo um dort zu Balancieren. Aber von einer ``Balance`` kann man hier wirklich nicht sprechen. Scheinbar ein ganz freundliches, nettes kleines Dorf, dieses Nova Esperança, mit pausenlosem Kinderlachen, einer gigantischen Berglandschaft und lustigen schraegen Voegeln! Dann aber die Kehrseite: Drogenbanden, die das Dorf unter Kontrolle haben und wer nicht zahlen kann, der wird einfach beim sonntaeglichen Fussballspiel mit vielen Zuschauern aus dem Tor geschossen und von der Leinwand gefegt. Dann veranstalten die Verwandten drei Tage lang eine Jammer-Schluchz-Versammlung und danach scheint der Erschossene in alle Ewigkeit im schwarzen Loch der Vergangenheit zu versinken.Die darauffolgenden Tage bin ich dann mit einem anderen Blick durch Nova Esperança spaziert und jeder Mann, der irgendwie in meine Naehe kam, loeste eine kleine Beunruhigung in mir aus. So war ich mittags allein auf dem Campo und dann kam so ein Mann auf mich zugelaufen. Bei jedem Schritt, den er in meine Richtung macht, kribbelt es mich immer heftiger. Er palavert irgendwas und ich konzentriere mich einfach nur vollkommen auf meine bloede Balancierschnur. Dann ist er bei mir angelangt und ich wuerde am liebsten mit einem riessen Schrei in die Luft huepfen und davonfliegen. Doch dann stellt sich heraus, dass er einfach ein netter Bewohner von Nova Espernaça ist, der mir vom casa Legal vorschwaermt und meint, dass dieses Haus vom Himmel kommen wuerde und schon einiges hier positiv verandert haette. Ich atme durch und langasam kann ich mich dann entspannen. Aber allein schon staendig dieser Gedankenteufel, der mir in jeden Mann eine Gefahr hineinprojeziert, stoerte mich letzte Woche gewaltig. Die Organisatorin des Projektes berichtete mir dann, dass im Nachbardorf ein paar Tage zuvor noch zwei weitere geldlose Drogenkauufer erschossen wurden und ich brauchte ueberhaupt keine Angst haben, insofern ich nicht in die Drogengeschaefte einsteige!
Und noch was komisches: Da bin ich einmal im Bus von Nova Esperança in die Stadt nach Hause gefahren und wurde von einem ganz netten kleinen Jungen unterhalten. Zunaechst dachte ich mir nichts dabei und ich hab ihm vom Casa Legal erzaehlt, ein paar deutsche Woerter beigebracht...aber irgendwie kam es mir so vor, als wuerde er mich ausfragen. Er stellte gezielte Fragen, wo ich genau wohne, wieso ich hier im Casa Legal bin, was ich da mache....und diese Fragen waren extrem gezielt gestellt. Und dann bemerkte ich auch, dass er nicht allein im Bus war, so wie er es mir sagte, sondern, dass ein junger Mann weiter vorne im Bus zu ihm gehoerte und ihn immer wieder anschaute und beobachtet. Jojo, da wurde ich vorsichtiger, denn bei einer Versammlung wurde uns erzaehlt, dass hier Kinder von Drogenbossen als Spione ins Casa Legal geschickt werden um uns und die Projektarbeit auszulauschen. Die Kinder funktionieren hier als Drogenlieferanten und Uebermittler und wenn wir die Kinder ans Casa Legal binden, dann haben sie fuer die Drogengeschaefte keine Zeit mehr!
So, das war jetzt zwar ein bisschen trauriger Abschnitt, aber scheinbar hab ich mich hier schon so verwurzelt, dass ich meinen Aufenthalt wahrscheinlich so lange verlaenger bis mich Brasilien rausschmeisst!Denn das Auslaenderdasein eroeffnet mir im Moment gigantisch viele Tueren, so hab ich z.B. ne Gruppe von Schauspielern kennengelernt, die mich nun abwechselnd mit in ihren Unterricht nehmen!!! Als normaler Brasilianer waer ich wahrscheinlich nicht so einfach in diese Theaterschule hineingekommen. Das gleiche passierte uns, als wir in einem Club schwimmen wollten. Wir Deutsche stellten uns einfach dumm und schwups konnten wir eintreten ohne zu bezahlen. Das ist schon eine irre Erfahrung!Palmherz(schmeckt ausnahmsweise koestlich!)-beijo
Oni

01.04.2008

Rambazambateufelchen!



Krachmacher-Rambazambahorde versus kuessende Schokoladenengelchen!

Ruckel-di-zuckel, ramba-di-wamba....so holpert mein Onibus von der stinkenden Stadt in die gruenen Berge von Nova Esperança. Anfangs war ich nur damit beschaeftigt mir nicht auf die Zunge zu beissen, Halt fuer meine Hanede zu suchen und krampfhaft mein Hinterteil in den Sitz zu pressen! Doch man gewoehnt sich dran und jetzt kann ich immerhin schon Pippi Meialonga lesen oder sogar ein Nickerchen einlegen.

Dieses hab ich auch noetig, denn wenn der Onibus die asphaltierte Strasse verlaesst und die roten Schlammwege Nova Esperanças passiert, dann heisst es drei Mal tief durchatmen und rein gehts in den Kinderhaufen.

``Tia...tia...tia...`` so werd ich morgens am Casa Legal von daherrennenden Kindern empfangen. Dann schlepp ich mich mit so einer Horde an mir hengenden und plappernden Energiebuendeln in die Kueche:Zuckersuesser Milchpulverkakao, Bananen oder Papaya! Schluerf-Sabber-Schmatz-Genussgerausche vermischt mit einer guten Portion Gequitsche und schreiender Haudegen! Danach heisst es Kinder sortieren und das war anfangs ziemlich schwierig, denn zwischen den sechs und 16-Jaehrigen ist zwar ein Unterschied, aber ein ziemlich minimaler, da konnt ich mich schon um ganze sieben Jahre irren. Ich dachte, ich muesse fuer die Aelteren andere Beschaeftigungen suchen, doch ich irrte. Da scheint fast kein Unterschied zu sein, was das Verhalten und das Interesse angeht.

Ist meine Gruppe von 8-12 Kindern dann irgendwann in meinem Raum, dann heisst es schleunigst absperren, sonst laufen sie dir wie Schokolade in der Sonne in alle Himmelsrichtungen davon! Anfangs dachte ich das sei ja eine ganz nette kleine Truppe, doch diese niedliche Truppe kann sich in sekundenschnelle in riessiege Ungeheuer verwandeln, die es dann gilt irgendwie zu baendigen. Und Konzentration ist hier die supergrosse Huerde! Saemtliche Plaene wirfst du hier schnell ueber Bord, entweder scheiterts an den Materialien(ich hab schon aufgegeben auf meine versprochenen Jonglierbaelle zu warten), an den seltsamen Regeln der Organisatoren(so durfte ich anfangs nicht ein recht grosses Energiebuendel (hier wird von Hyperaktivitaet gesprochen) beruhigen, denn ich hab ja keine Psychotherapieausbildung!)oder es scheitert an den wusselligen Kindern! Aber diese flitzigen und zappelnden Kinder konnten mich auch schon richtig heftig inspirieren!

Also was ich da nun so mach: Balancieren, Konzentrations- und Wahrnehmungsuebungen (entdeckt hab ich die geschlossenen Augen, denn dann ist endlich mal Ruhe!Juhuuu!),Erdkunde verbunden mit traditioneller Kindermusik aus verschiedenen Laendern (begonnen hab ich mit der Suche nach Brasilien auf einer Weltkarte!), Deutsch und Englisch, Massage,Jonglage und wieder Musik!!!Denn das scheint Wunder zu wirken, so konnt ich schon ganze 15 Minuten ein hier recht bekanntes aufgedrehtes Kind baendigen!

Jo, wieso diese Kinder so aufgedreht frech und ungeheuerlich sind, erklaert sich vielleicht unteranderem durch die mangelnde Aufmerksamkeit der Eltern. So wird hier ein Junge stundenlang einfach in ein fensterloses Zimmer eingesperrt wenn die Eltern keine Zeit oder Lust haben aufzupassen. Das war nur ein Beispiel wie unterschiedlich hier die ``Erziehung`` ablaeuft, aber diese hat mich richtig gekribbelt.

Diese Stuhlwerf-, Hau-, Kreisch-, Schrei- und Bruellaktionen vollziehen sich dann so von 8:00 Uhr morgens bis um 15:30 Uhr. Andererseits muss ich auch hinzufuegen, dass es manchmal geniale Gluecksminuten gibt, wenn die Kinder z.B. wissbegierig wissen wollen, wieso es in Deutschland Schnee gibt, wann wir endlich mal wieder das ``Schalom-Lied`` singen oder wenn ich die Balanciererfolge beobachten kann und natuerlich wenn sie selber erkennen, dass sie ein bisschen mehr ``silencio`` brauchen, wenn sie Konzentrationsuebungen machen. Dann schmunzele ich in mich hinein und hoffe, dass ich ihnen ein klein bisschen was zeigen konnte. Doch ich glaub beinah, dass ich an diesen Phantasiequellen-Kinder mehr anzapfe als sie an mir.

Jo, dann gibts auch noch Mittagspause, die nun aber oft mit ``Reuniao`` zusammenfaellt. In diesen Versammlungen wird z.B. ueber Hyperaktivitaet diskutiert, aber mir scheint, dass es hier oft nur ums Diskutieren geht, denn Loesungen werden gar nicht gesucht. Es wird hier einfach viel geplappert; Wichtig ist nur, dass die ``Reuniao``stattfindet. Manchmal hab ich auch das Gefuehl, dass hier ein Kommunikationsproblem (aber nicht wegen der Sprache!!!)wie ein Schleier ueber der ganzen Organisation liegt, denn wenn man dann mit der Haupverantwortlichen spricht, bekommt man ploetztlich Papier, Stifte und Kleber, was zuvor als nicht vorhanden deklariert wurde.

Ich muss schon sagen, dass die Kinder mir mit dem Portugiesisch am meisten helfen und ich von ihnen auch schon die meisten Woerter gelernt habe, denn so mancher Erwachsener haelt mich hier oft fuer etwas unterbelichtet nur weil ich recht holperig meine portugiesische Zunge bewegen kann.

Jo, dann gibt es auch noch das Patenprojekt, das mich leider oft an die grauen Kaesten fesselt um den Briefkontakt zwischen den deutschen Paten und den Kindern hier im Casa Legal zu organisieren. Aufregender find ich dafuer die Interviews, die ich mit den Patenkindern erstell. Dabei erfahr noch mehr ueber das verrueckte Leben der Brasilianer!

Ein ungeheuerlicher Rambazamba-Krach-Schokoladenbeijo von Veronika

30.03.2008

Mangelware Ruhe!


Hola ihr Schneehasen!

Serra; Sonntagabend; 19:30 Uhr: Ich öffne voller Hoffnung einen rießengroßen Kühlschrank; doch wieder nur Reis & Bohnen, Bohnen & Reis, Fleisch, wieder Reis & Bohnen; dann entdeck ich noch eine salzige Knoblauchpaste und das hellste Weißbrot. Kühlschrank zu. In meinem Bauch drehen sich die Hungerkarusselle bis ich den Kühlschrank wieder öffne in der Hoffnung ich könnte ja was übersehen haben. Oh ja, da spitzelt noch was ganz seltenes hervor: zuckersüßer Cajusaft (Keshewfruchtsaft)! Kühlschrank zu und los geht´s: Reis mit Knoblauchpaste und Zuckersirupsaft!

Während ich versuche zu genießen, lausch ich den hier allgegenwärtigen Geräuschen: Werbeslogans in sich überschlagender Lautstärke(zum Glück sind die Boxen auf Autos oder Fahrrädern befestigt, denn diese Fahrgeräte bewegen sich davon, in alle Strassen, um auch wirklich allen Schwerhörigen klar zumachen, dass sie was verpassen, wenn sie sich nicht den neuesten Flachbildschirm für hier fast unerschwingliche Preise zulegen). Allmählich versiegt der Werbeslogan und wird von den Bar- und Straßenradios verschluckt, die Vollzeit von sechs Uhr in der Frühe bis 23:59 Uhr durcharbeiten und selbstverständlich mit maximaler Lautstärke, sodass ich zu der Vermutung gelang, dass hier in Brasilien an den Volumenreduzierungsrädchen eingespart wird.

Pferdehufegeklapper, ein krähender Hahn(nachts!), quietschende Autoreifen, pfeifende Solo-Jungs, Forró-Musik, ein paar Samba-Rhythmen, der ewig surrende Ventilator und dann plötzlich ein neues Mikrophongewimmsel. Ich versuche irgendetwas zu verstehen, aber vergeblich bei diesem Jammergesang. Zunaechst denk ich mir nichts dabei, doch nach einer Stunde intensiviert sich die Jammerstimme und ein zweiter Mikrophongeist gelangt in meine sowieso schon überarbeiteten Ohren. Es hört sich an als würden die beiden Mikrophonbenutzer einen heftigen Ehekrach zelebrieren. Ich hab wirklich geglaubt, dass es da irgendwo ein grosses Problem gibt, vielleicht ein Nachbarschaftsstreit, der jetzt öffentlich hinaus geschrien wird.
Irgendwann um 23:33 Uhr, nachdem die Stimmen Loopings geschlagen haben und ein Salbeihalswehbonon vertragen könnten, fahr ich plötzlich aus meinem Bett und verfang mich im Moskitonetz. Denn mit einem Knall quasi Stille!!; nachdem sich das Jammergeschrei bis zur Ekstase gesteigert hat.

Am nächsten Tag erfahr ich, dass neben unserem Haus eine Baptisten-Kirche(ich will sagen sektenartige Gejammerversammlung)steht; und keiner beschwert sich über den Lärm! Dann wird dem zweijährigen Kind einfach vor dem Schlafengehen ein zuckersüßer Kaffee eingeflößt und dann schläft es schon!!!!

Überhaupt scheint hier jedes zweite Haus, Hauschen oder Hundehuette eine Kirche darzustellen. Nicht nur Sonntagabend auch unter der Woche versammeln sich dort Heul-Jammer-Schluchz- Chöre. Ich will nicht alle in eine Schublade verbannen, doch die Gotteshäuser, die ich bisher beobachten konnte, kamen mir reichlich schleier- und sektenhaft vor. Ich hab hier erfahren, dass einfach jeder, der vielleicht ein bisschen Geld hat, eine ``Kirche`` eröffnen kann. So kann auch jeder Kircheninhaber seine Regeln aufstellen und in Nova Esperança (Casa Legal) dürfen z.B. die Mädels einer bestimmten Kirche nur Röcke und ellenbogenlange T-Shirts tragen. Der Inhalt der Predigten ist für mich akustisch völlig unverständlich, aber eins hab ich wohl verstanden: ``100% Deus``,``Gott liebt Dich`` oder ``Ich liebe Gott`` muss mindestens einmal auf deinem Auto prangern; wenn du keins besitzt, dann sorg dafür, dass deine T-Shirts deine Liebe zu Gott demonstrieren!

Sei es im Casa Legal Kindergeschrei, im Bus klappernde Blechteile, die ewigen Straßenverkäuferpropagandarufe (``aaaaguaaaa geeeelaaaadaaaa``) oder die am Strand plärrenden und durcheinandergemixten Musikstile aus allen Himmelsrichtungen, dein Ohr kommt nicht zur Ruhe. Du schwimmst hier im nie enden wollenden unendlichen Geräuschemeer.
Aber ab und an schwimm ich auch im genial tragenden Super-Salzmeer. Letzte Woche war ich in Itaunas, einem (ehemaligen) Hippiedorf, das vor Sanddünen und unzählbaren Grüntönen der Palmenlandschaft nur so glänzte. Außer dem ewigen Rauschen des Meeres, den fernen Capoeiratrommelrhythmen, dem Moskitogesummse, dem vibrierenden Enthautungs-Grillengezirpse und dem ewigen Hinterhergepfeife der masculinen Brasilianer genossen wir dort die in Brasilien vorherrschende Mangelware ``Ruhe``.

Jo, in Salvador war ich mit zwei männlichen Begleitern, in Itaunas mit zwei hübschen jungen Damen >> das ist vielleicht ein gewaltiger Unterschied. Denn als senhora, minus männlicher Begleitung und plus deutscher Herkunft, da brauchst du dir keine Sorgen machen, dass du länger als 33 Sekunden alleine bist! Nur einmal da erreicht uns das Gefühl der Einsamkeit, da sind Miri und ich wie zwei Piratenprinzessinnen den endloslangen und verlassenen Dünenstrand entlang geflogen und zwar auf zwei ziemlich holpernden Pferderücken!!!

Außer diesen Galopp-Auswirkungen auf den hintersten Teil meines Körpers und einem missglückten Versuch in Guarapari mit den brasilianischen Wellen zu kämpfen, der sich wohl markierend in meinen Rücken geschnitten hat, geht´s mir jetzt so gut wie den deutschen Osterfrühstücksgeniessern!

Schokoladeneibeijo von Oni

P.s.: Ich war soeben mit den elf Jungs aus meinem Haus in einer Ostermesse und ich hab festgestellt, dass es hier auch ganz normale Kirchen gibt! Dies war fuer mich hier aber auch die allererste Kirchenzeremonie, die sich ohne sektenhafte Verschleierungsvermutungen in meinem Kopf abspielte.

27.02.2008

Brasilianische Minuten

Hola ihr gluecklichen Kaltluftgeniesser!

Deutsche Sekunden entsprechen brasilianischen Minuten---deutsche Minuten verwandeln sich hier in brasilianische Stunden...> Willst du einfach nur drei Tomaten im Supermarkt bezahlen, dann kann das eine Angelegenheit von einer halben Stunde werde, trotz der zwanzig Kassen, mit jeweils einem Kassierer, einem Verpackungsangestellten, der sehr freigiebig mit den Plastiktueten ist, und einem Rollschuhfahrer, der dann schnell zum Geldwechseln ans andere Ende des Supermarktes faehrt; mann muss dabei wissen, dass allein schon eine 20R$-Note (etwa acht Euro) den Rollschuhfahrer in Bewegung setzt!
Andererseits zeigt mir hier das unglaublich verrueckte Zeitgefuehl ein geniales Leben, gespickt mit den groessten Momenten der Hilfsbereitschaft, das ich unbedingt in meinen Rucksack einpacken will, wenn´s Richtung Deutschland geht: Hier hat einafch jeder Zeit; du rennst nur, wenn du ein Dieb bist, oder wenn du beraubt wurdest; hier scheint die Hektik noch nicht angekommen zu sein > Fraegst du einen Passanten nach dem naechsten Supermarkt, dann erhaelst du eine vierstuendige Stadtfuehrungstour inklusiver Begleitung bis zum Bus oder zu deiner Haustuer, denn hier wird nicht nur gern kommuniziert, sondern alles was sich bewegt und regt wird als ``perigoso``(gefaehrlich) vertaufelt und da brauchst du Begleitschutz. Da muss ich oft denken, dass sich so manche hier einfach nur gegenseitig Angst einjagen und sich dadurch ein bisschen am freien Leben hindern. Selbst 500m entfernte Autos sind unglaublich gefaehrlich!!!
Ganz verrueckt wird´s, wenn Du in einem 20quadratmetergrossen Laden mit zehn Angestellten was kaufen willst. Erst mal wird dir ein Angestellter seinen Namen verraten und dich willkommen heissen (merk ihn Dir, denn am Ende der Einkaufsprozedur musst du wieder zu ihm zurueck); hast du dich dann zwischen dem viel zu kleinen Bikini, den du in zwei Wochen knicken kannst, oder der rosaroten Handtasche, die zwei Stunden nach Gebrauch sich aufzuloesen beginnt, entschieden, dann gehts zur ``Registrierung``, danach erst zu einer Kasse, an einem anderen Schalter bekommst du dann irgendeinen Zettel und dann erst wird dir von der Willkommensdame an einem anderen Schalter dein Einkauf ueberreicht. Wenn du willst, kannst du hier auch fast alles in Raten bezahlen, selbst Gegenstaende im Wert von umgerechnet 20 Euro! Ausser im Strassenverkauf, da musst du gleich alles auf einmal bezahlen, denn die Gerausche- und Aufmerksamkeits-Werbekuenstler sind staendige Platzwechsler. Ohne diese Churrasco-Fluessigkeits-cerveja-Poppkorn-caju-kerne-Suessigkeiten-Eis-agua gelaaadaaaa-Andrehungsspezialisten waere der Carneval in Salvador(Bahia) wahrscheinlich nur halb so glaenzend lautstark gewesen. Auch die im Dreiminutentakt spuerbaren Taschendiebe, der Urin-und Biergeruch, der eine Woche lang Salvadors Strassen einnahm, und vierstuendige pausenlose Samba-Wackel-Tanzschritte bis die Kleider davonschwitzen, bleiben wohl in meinem Kopf verankert. Leider wohl auch die zweimalige Geld-Klau-Aktion auf unserem Campingplatz; naja zum Glueck bin ich nicht bedroht worden und verhungert bin ich auch nicht, nur konnten wir dann nicht mehr weiterreisen, sondern haben dann zwei Wochen Sonne-Strand-Palmen-Meer und fuenfstuendige Mittagshitzeschlummerpausen genossen.
Genial war auch die 19-stuendige Busfahrt, bei der man das ganze Zeugsl aus dem Erdkundeschulbuch live sehen konnte: Shifting cultivation, Intensivlandwirtschaft und Plantagenanbau in den Tropen und die feurig-rot-orange unfruchtbare Tropenerde!
Noch ne Sache, die in meinen Rucksack kommt: die ungenierte, ungezwungene Kommunikation mit Unbekannten. Waehrend bei uns die peinliche Neugier so manchen am Entdecken hindert, scheint hier einfach drauflos gefragt zu werden. Das kann man ganz schnell beobachten wenn man seine Slackline am Strand aufbaut, sofort war ne Horde Kinder auf dem Seil und zum Churrasco wurden wir auch eingeladen. Ich hab einfach den Eindruck als gingen hier mehr Leute mit offeneren Augen und schwatzluestigeren Muendern durch den Tag. Auch scheinen hier verrueckte Voegel akzeptiert und nicht peinlich ignoriert zu werden!
Zwar muss ich mich jetzt schon beeilen die Unterschiede zu erkennen, denn ich gewoehn mich allmaehlich ein, doch eine Sache entdeck ich jeden Tag neu: Und zwar bekomm ich hier ein ganz anderes Verhaeltnis zu dem Wort ``Intelligenz``. Auch wenn hier vielleicht Leute in meinem Alter den Unterschied zwischen Europa und Deutschland nicht kennen, so koennen sie aber im Affenzahn auf ne Palme klettern und sich ne Cocosnuss holen. Hier scheint mir die praktische Intelligenz vielleicht unsere eher theoretischere Intelligenz in den groessten Schatten zu stellen. Ueberhaupt sind hier die meisten, was die Motorik angeht, unglaublich ausgebauter und die Babys fangen frueher an die Welt auf den Beinen zu entdecken; ich hab hier auch erst einen Kinderwagen gesehen, bei den unzaehligen Babys! Musikalisch scheinen hier auch so einige Synapsen mehr zu spriessen, genauso wie die Fettverbrennungs- und Muskelaufbaumaschinerie; denn hier glaenzen die durchtrainierten Koerper, waehrend ich mich bei Reis und Bohnen, dem schneeweissesten Weissbrot und dem suessesten Zuckersirup zu einer recht runden Roll-Oni verwandel.
Aber am verruecktesten:Die knappesten String-Tanga-Bikinis, die 1/180 von den zu verhuellenden Koerperteilen bedecken, aber wenn ich mich nur mal kurz in einer vertrauten Gruppe ne Capoeira-Hose wechseln will, dann ist das kollosal und ueberhaupt unvorstellbar verboten!!!
Strandraeubergruesse von Oni

14.02.2008

Oni´s erste Eindruecke

Ola ihr lieben Leute!

Spitzer, hoeher, wackeliger!: Brasilianischer Damenfussschmuck. Ich wunder mich taeglich wie die Grazien mit diesen Plastikstoeckelschuhen die oft schlammigen Strassen bewaeltigen koennen. Dunkelweiss, Hellbraun, schwaerzer am glaenzendsten!: Die laengsten Beine der Welt!(kann aber vielleicht auch an den knappen Unterleibsbedeckungen liegen, die die Beine erst richtig zur Schau stellen) Frei, unbedeckt, Zentrum der Praesentation!: Der Bauch. Dann wieder: knapp, enger, am besten!: Das was sich ueber dem Bauch befindet. Dann alle Achtung: Blickeeinfangende funkelnde Augen und darueber die schwaerzeste Haarpracht!

In Deutschland bin ich selten solch auffaellig huebschen Gesichtern begegnet(soll kein Angriff auf euch sein,find euch auch huebsch!).Ueberhaupt scheint hier ein ziemlich anderes Koerpergefuehl verbreitet zu sein. Egal ob schwabbelig beleibt, oder runzelig alt, alle praesentieren ihren geschmueckten und geschminkten Koerper, obwohl sie das hier gar nicht noetig haetten. Als ich in Sao Paulo acht Stunden auf meinen Anschlussflug gewartet hab, war die Schoenheit der Frauen die erste Auffaelligkeit, neben der stets knappen Abendkleid-Party-Outfit-Minirock-Bekleidung. Am staerksten scheint hier die Kleidung und die Behausung aufeinander zu prallen, dass es nur so kracht. Umso schicker die Kleidung, umso bedenklicher die Behausung. Da kann bei einem leichten Windstoss schon das Dach zu wackeln beginnen, doch Frisur und Schminke sind wind- und wetterfest gestylt.Dies ist ein oberflaechlicher Anfang von Aussen begonnen, doch leider hab ich bisher noch nicht viel von ``Innen`` erfahren koennen, denn in der ersten Woche hab ich mich hier wie ein Hamster im Laufrad gefuehlt. Ich sollte die Wohnung nicht allein verlassen und ueberhaupt sei in Brasilien jeder Schritt vor die Haustuer beihnach der Todesstoss. Doch jetzt war ich schon ein paar Tage im ``Casa Legal``, von dem ihr noch bald mehr hoeren werdet, und dort wurde ich auch von Freiwilligen aus Deutschland eines anderen belehrt und nun kann ich mich wieder allein bewegen oder besser gesagt stundenlang im Bus sitzen!!! Denn hier dauert alles ein bisschen laenger, so brauch ich z.B 2 1/2 Stunden bis ich zum Projekt komm. Leider kann ich noch nicht viel von den Kindern und dem Projekt erzaehlen, da die Schule erst wieder nach Carneval beginnt, aber soviel stell ich grad fest:Ich blick noch nicht ganz durch wie die Verhaeltnisse hier so wirklich sind, wer hier Existenzprobleme hat oder wer sich keine Sorgen machen muss, wieso sich hier die kleinsten Kinder mit Handys und MP3-Playern praesentiern,(ueberigens werden hier die rosafarbenen Handys der Senhoras oft zwischen den Bruesten aufbewahrt und wenns klingelnd vibriert wird noch mehr Aufmerksamkeit auf die Weiblichkeit gelenkt), aber in den kleinsten Huetten hausen, warum der Flachbildschirm mehr zaehlt als ein sauberes Zimmer, wieso die einfachsten Dinge, wie das Entfernen von unter Strom stehenden Kabeln, oder die Beseitigung von Unrat, hier einfach liegen bleiben. Vielleicht muss man aber auch bedenken, dass sich hier einfach alles auf der Strasse abspielt und die Leute hier nicht solch Stubenhocker wie wir sind; so trifft sich hier z.B. der Senioren-Fitness-Club direkt auf dem Gehweg neben einer achtspurig befahrenen Strasse.Die Haueser haben hier also keinen hohen Stellenwerdt, die Prioritaeten liegen einfach am Menschen, vielleicht am Koerper selber.
Auf jeden Fall wohn ich jetzt die ersten zwei Monate bei einer verhaeltnismaessig reichen Familie, was ich eigentlich nicht vorhatte, denn spannender faend ich das improvisiertere Leben. Dafuer muss ich nichts zahlen,nur mit dem kleinen verwoehnten Baengel Lukas Deutsch sprechen und mit dem Vater Englisch. Ein bisschen gespalten bin ich da dann schon, denn Lukas geniesst so was wie ne Erziehung und bekommt viel Aufmerksamkeit und wenn ich dann nachmittags im Projekt bin springt mir ne ganze Horde von aermeren Kindern entgegen, die teils wirklich Hunger haben. Was ich bisher aus dem Ferienprogramm mitbekommen hab:Chaos!!!! Drei andere Freiwillige aus Deutschland meinten ich muss mich darauf einstellen, dass ich hier nicht viel mithelfen kann. Da ich aber darauf irgendwie ueberhaupt keine Lust hab, bin ich grad dabei Jonglierbaelle zu basteln und zwar gefuellt mit Reis!!!aber ohne Bohnen!!!! Vielleicht finden sich ja ballbegeisterte Kinder! Bis Carneval werd ich hier noch weiter die Stadt erkunden und versuchen die Verhaeltnisse besser zu verstehen, wenn man das ueberhaupt kann;und ich hab schon ganz nette Leute gefunden mit denen ich gestern in einer Jonglierbande war und die, wie koennt es besser sein, Gitarre spielen koennen!!!!Mit ihnen war ich dann auf einem Strandkonzert und ganz ertaunlich komisch fand ich, dass die oft supergestylten praesentationsluestigen Brasilianer einfach nicht ihren Hintern bewegen und tanzen, sondern stocksteif der rhythmischen Musik lauschen. Nur Capoeira muss noch auf Ferienschluss warten...
Jo ihr lest mir gehts bis auf das Nasebluten der Hitze wegen recht gut und ich wuerd mich freuen auch von euren taeglichen Abenteuern zu hoeren!! Maracuja-Beijo von Oni (Ihr bekommt jetzt einfach mal nen ``Kuss``(beijo) verpasst, da hier unablaessig gebusserlt wird)

Uebrigens, ich bin die Oni, auch aus Augsburg wie einige Freiwillige hier im Casa Legal, und ich geniesse hier in Vitoria so bis Mai taeglich neue Abenteuer!!!

20.01.2008

Link zu Brasilienbildern

Ja Hallo, da sich bisher fast nur der Benny zu Wort gemeldet hat, kommt jetzt auch mal kurz was von mir.
Ich habe seit wir in Brasilien sind, ein Online Fotoalbum angelegt und mittlerweile sind dort schon sehr viele Fotos von unseren bisherigen Reisen, vom Casa Legal und von unserem Leben hier online. Wer sich also neben den schriftlichen auch bildliche Impressionen (wenn wir schon beim Titel des Blogs bleiben) anschauen moechte, kann das gerne unter folgender Adresse machen. Im laufe der nachesten 2 Monate werden sicher noch weitere Bilder dazukommen, also einfach mal wieder vorbeischauen.

http://picasaweb.google.com/sebastian.ruppert

liebe Gruesse ausm Sommer, mais ou menos

16.01.2008

Neues vom Casa Legal Teil 2

Jetzt melde ich, Stefan Pickart, mich nochmal zu Wort bevor ich morgen wieder meine Heimreise antrete. Ich denke ich werde aber auch von Deutschland aus noch ein paar Berichte über das Erlebte hier schreiben; es war noch einiges Interessantes dabei:

Im Moment sitze ich gerade am Computer der Familie meiner Casa Legal-Patenkinder. Wie ja schon letztes mal beschrieben floriert das Schneidergeschäft, (Im Moment wird gerad unten zu dritt kräftig geschneidert) und da kann sich die Familie nun auch einen Computer und Internet leisten. Hoffen wir, dass noch mehrere Familien hier so aus dem Elend ein Stück hocharbeiten kann.

Heute nachmittag besuchte ich nochmal das Casa Legal, wie Benny und Sebastian beschrieben haben findet da ja gerade ein Fereinprogramm statt, ca. 40-50 Kinder waren dort. Heute gab es einen Wettbewerb mit gegenseitigen Pränsentationen. Die Kinder präsentierten in Grunde das, was sie sonst das Jahr über im Casa Legal lernen. So gab es während ich dort war Flötenstücke, Gesang, Tanzchoreographien...

Die erste positive Veränderung fiel mir aber schon auf bevor ich das Casa Legal erreichte: Wir musste nämlich an einer Strassenbaustelle vorbei. Das beduetet: In Nova Esperança kommt der Asphalt an! Und in einem Graben am Strassenrand entdeckten wir das Rohre verlegt wurden, es gibt also bald auch eine Kanalisation.

Auch um das Casa Legal selbst herum wurd und wird gebaut: Inzwischen ganz fertig ist das neue Haus indem das "Projekt zur Gemeindeentwicklung" stattfinden wird. Dort erhalten unter anderem Jugendliche Fortbildungen, die über das Casa Legal Alter hinausgewachsen sind. Und es sollen Projekte entstehen durch die Jugendliche Verdienstmöglichkeiten bekommen. Unter anderen ein Projket in dem Kekse und anderes Backwerk produziert wird.

Rosangela die neue Koordinatorin des Gesamt-Projektes begleitete mich um mir das Fertiggestellte Haus zu zeigen. Sie ist seit Oktober im Casa Legal. Ein grosser Vorteil gegenüber früheren Leiter/innen: Sie kommt direkt aus einem Nachbarwohnviertel von Nova Esperança. (Sie ging zum Beispiel auch anschliessend zu Fuss nach Hause). Das hat zwei Vorteile: Sie kann sich vor Ort viel besser um das Haus kümmern, weil sie nicht erst weit aus Vitória anreisen muss. Zweitens kennt sie die Porbleme der Kinder und Menschen dort aus eigener Erfahrung sehr gut. Dementsprechend ist sie mit grossen Enthusiasmus bei ihrer Arbeit. Sie selber sagte mir heute: "Eine solche Arbeit muss man mit den Herzen machen, sonst macht es keinen Sinn. Ich bin so froh, dass ich dass hier machen darf."

Zukünftig will sich Rosangela neben der Gesamt-Koordination vor allem, um das Gemeindeentwicklungsporjekt kümmern (mit älteren Jugendlichen, jungen Erwachsenen aber auch zu Beispiel den Eltern der Kinder die das Casa Legal besuchen.) Für das Kultur und Sportzentrum Casa Legal, das wir ja unterstützen soll wieder ein eigener Leiter eingestellt werden. Ebenso ein/e Direktor/in für den Kindergarten bzw. Tagestätten-Bereich.

Die Arbeit des Kultur und Sportzentrums wir bald in einem weiteren neuen Gebäude stattfinden: Einer grossen neuen Sporthalle mit weiteren Räumen, für die Kulturarbeit und zusätzlich einem Platz für Capoeira.

Im bisherigen Gebäude sind dann nur noch die 2-6 Jährigen-Kinder untergebracht, so stört man nich weniger gegenseitig - und die Kleinkinderarbeit soll noch ausgebaut werden. Die Kommune bezahlt ja nur für eine Halbtagsbetreuung. Man möchte aber in Zukunft auch vermehrt Ganztagesbetreuung anbieten, die über Spnsoren finanziert wird.

So ich denke für heute reicht es erstmal wieder - ich will ja die Blogger-Leser/innen nicht überstrapazieren! Auserdem selbt nicht den ganzen Abend vor dem Computer sitzen! Weitere news von mir dann also aus Deutschland! Und die Fotos zum heutigen Bericht gibt es dann ebenfalls von dort aus!

Um abraço

Stefan

11.01.2008

7-Tage-Woche ;o)


Nachdem wir ja dieses Wochenende ein Geschaeftsessen mit unseren Chefs hatten ging es Montag gleich weiter im Casa Legal...
Eine kurze Anmerkung moechten wir von unserer Seite dazu noch bringen. Ob nun mit Familie Burzlaff ( Fatima und Vilmar ) oder mit Stefan, es ist mehr als Vorbildhaft wie hier miteinander umgegangen wird.. Von Anfang an werden wir herzlich aufgenommen und es ist als wuerde man mit Freunden beisammen sein und der Gedanke, dass einer der dreien ja unser Chef ist, kommt nie auf... Dafuer herzlichen Dank von mais ou menos...
Da der Monat Januar ein Ferienmonat ist, gibt es im Casa Legal derzeit ausschliesslich Spiele.. Zwei Wochen lang. Und am Ende gewinnt eines der beiden Teams die am ersten Tag ermittelt wurden Preise...
Segunda wurden zwei Teams erstellt: laranja und equipe verde...
Der erste Spieletag fand in der Turnhalle statt, wo man Platz fuer Laufwettbewerbe fand.. Was uns Freiwilligen hier jedes mal wieder auffaellt, wie sportlich und motorisch fit die Kinder alle sind...
Terça: traf man sich in der Aula. Hier wurden die Sieger durch Luftballonspiele, Zahlenspiele, Tanzwettbewerbe und Witze erzaehlen ermittelt.. Bei dem Luftballonspiel beispielsweise werden zwei Fuenferteams gebildet, wo jeder der Teilnehmer einen Luftballon ans Bein gebunden kriegt.. Sobald die Kinder den Startschuss bekommen, gilt es die Luftballone des anderen Teams zu zertreten...
was den Kinder sichtlich spass machte und sie bei allen Spielen ein riesen Siegeswillen aufweisen..
Quarta sollten die Kinder ihr Koennen aus den jeweiligen Kursen beweisen... so stand es den Kindern frei ob sie nun eine Praesentation aus dem Capoeira-, Theatro-, Musik- oder Dançaunterricht zum besten gaben.. Wir freiwilligen sollten dann den Sieger ermitteln.. was nicht immer einfach war..
Quinta wurden den Kindern fragen ueber Fé e Alegria gestellt.. darunter auch Fragen nach den Vornamen von Herr und Frau Burzlaff, zwei Laender der Organisation....
Ausserdem sollten die Kinder noch Woerter buchstabieren, Leute aus der Nachbarschaft imitieren und und und....

Ende naechster Woche werden wir ueber den Ausgang der beiden Spielwochen berichten...

Bis dahin warme Gedanken, m&m

05.01.2008

"Dienstbesprechung"


Wie ja gestern schon angekündigt, traf ich heute unsere Freiwilligen hier: Sebastian und Benjamin, außerdem noch Johanna. Sei kommt über das Gustav-Adolf-Werk und war zunächst in einem Projekt in Südbrasilien, wo sich anscheinend niemand richtig um sie gekümmert hatte. Sie war begeistert wie viel besser das hier klappt!

Wir trafen uns in einem Club. Dazu muss man wissen, dass es in Brasilien eigentlich keine öffentlichen Freibäder oder ähnliches gibt (und das bei dieser Hitze! - aber hier gibt es ja wenigstens das Meer) Nun eine Gelegenheit mal in einem Swimmingpool zu schwimmen ist es Mitglied in einem Freizeitclub zu sein. Vilmar hatte diese Gelegenheit über einen Bekannten, der bei der Bank arbeitet. In diesem Club gibt es neben Swimmingpool und Wasserrutsche eine Sauna (in Wirklichkeit eher Dampfbad), Kegelbahnen, Billard, Trampolin und Plätze zum Grillen und Feiern, die man vorher bestellen muss. Und so hatten Vilmar und Fatima heute einen Grillplatz gemietet, damit zum einen wir uns mit den Freiwilligen treffen konnten, und zum anderen Juliana ihren morgigen Geburtstag schon vorfeiern konnte, da wir ja morgen fast den ganzen Tag im Auto sitzen werden.

Und so fand eben auch die oben angekündigte Dienstbesprechung der etwas anderen Art statt. Wir sprachen zum Beispiel darüber wie wir einen noch besseren Kontakt zwischen Paten und Patenkindern herstellen könnten. Benjamin und Sebastian werden versuchen dass die Kinder, bis zu ihrer Abreise Ende März für alle Paten kleine Briefe erstellen. Johanna wird dann ab März (zusammen mit Veronika die nächste Woche anreist) das Patenprojekt übernehmen.

Also das wär´s dann erstmal vor Bahia. Vielleicht schreiben Benjamin, Sebastian und Johanna auch noch etwas über den heutigen Tag.
Um abraço
Stefan

04.01.2008

Neues vom Casa Legal Teil 1





Gestern brach ich wie angekündigt in Richtung Cariacica bzw. Nova Esperança auf.
Vor dem Casa Legal stand erstmal ein Besuch bei meinen Casa Legal Patenkindern Tays und Richard und ihrer Mutter Valciana (meist nur Tiane genannt) an. Die Familie ist ja inzwischen aus Nova Esperança weggezogen. Unter anderem weil vor einem Jahr in ihr Haus eingebrochen wurde.
Durch die Schneiderei kann die Mutter bzw. Familie inzwischen ganz gut leben. Die Wohnung hat immerhin 3,5 wenn auch kleine Zimmer + eine Wohnküche und jeder hat nun sein eigenes Bett!
Und es gibt im Erdgeschoss (eigentlich in einer anderen Wohnung) Platz für die Schneiderwerkstatt.

Valciana sagte allerdings, dass sie zwar dort wohnen bleiben wolle, aber die Schneiderei bald wieder in Nova Esperança ausüben wolle. Auch damit ihre Kinder wieder das Casa Legal besuchen können. "Tays sitzt sonst viel zu viel vor dem Fernseher" klagte sie. Und tatsächlich hatte meine kleine Patentochter auch sichtlich etwas an Gewicht zugelegt.
Inzwischen abreitet auch Valdete bei Valciana - die frühere Köchin vom Casa Legal und so waren außer meinen Patenkindern auch noch 3 Valdete Kinder da unter anderem Débora und Isabella die auch Paten haben. Mit meinem mitgebrachten Spiel "4 gewinnt", Versteckspiel und ähnlichen verging dann der Vormittag wie im Fluge.

Am Nachmittag ging es dann ins Casa Legal. Dort sind allerdings in dieser Woche wegen Ferien und Feiertagen keine Kinder. Ab nächste Woche gibt es dann ein spezielles Ferienprogramm für alle am Nachmittag: Die Kinder werden in mehreren Gruppen eine Art zweiwöchigen Wettbewerb absolvieren. Jeder Tag steht unter einem anderem Thema. Unter anderen müssen sie z.B. einiges über die Stiftung Fé e Alegria und das Casa Legal herausfinden, dazu ein Lied dichten und malen...

Richtig los geht es im Casa Legal dann wieder erst nach Carneval. Und da sind einige stehen wieder mal einige Veränderungen (Verbesserungen) an. Doch dazu ein andermal mehr.

Im Casa Legal erwarteten mich unter anderem die beiden Zwillinge Thiarles und Thiago, die beiden, die das Casa Legal seit 2000 besuchten sind nun dort fest angestellt. Das ist auch die Politik von "Fe e Alegria" dort hauptsächlich Leute einzustellen, die auch von dort kommen. So bekommen immer mehr Leute aus dem Viertel eine bessere Chance und das Viertel verbessert sich insgesamt. Außerdem haben diese Menschen natürlich einen besonders guten Draht zu den Kindern.

Es waren auch noch 4 Kinder da, für die ich Briefe oder kleine Geschenke von Paten mitbekommen hatte und ich setzte mich mit ihnen hin und übersetzte ihnen die Briefe, die sie anschließend sichtlich stolz nach Hause trugen.

So das wär´s erstmal wieder - wenn es auch noch viel zum Casa Legal zu erzählen gibt, denn der Computer bei Burzlaffs steht in heißesten Ecke von Burzlaffs Wohnung (weit weg von jeglichem Fenster) und da halt ich es doch nicht allzu lange aus

Ich hoffe ich komme noch mal zum schreiben, denn morgen Nachmittag gibt es ein Grillfest (dort werde ich auch die Freiwilligen Benjamin und Sebastian treffen) und am Sonntag brechen wir (Familie Burzlaff und ich) zu einem 9 tägigen Ausflug nach Bahia auf.

Sonst muss ich halt in Deutschland weiter schreiben.

Um abraço
Stefan Pickart

02.01.2008

Silvester in Vitória Teil II

Also nun die versprochene Fortsetzung meines Berichtes über den Silvester-Abend:
Im Moment wird die Praia de Camburi - also der Hausstrand von Burzlaffs und Kiisters komplett umgestaltet, inklusive Strandpromenade und Strasse. Deshalb wurden das große Feuerwerk, dass die Stadt dort organisiert ganz am Ende des Strandes abgebrannt. Für alle Insider: fast dort wo Aline wohnt. Genau in diese Richtung gab es aber leider ein großes Gebäude vor der Dachterrasse von Kiisters, so war uns die Sicht auf dieses Feuerwerk verwehrt. Eigentlich wollten wir rechtzeitig vor Mitternacht in Richtung Hauptgeschehen aufbrechen, aber davon hielt uns eine kleine "Brincadera" (Spielerei) und das Essen ab.

Das Essen bestand - wie sollte es bei einem brasilianischen Fest anders sein - aus Churrasco, also Grillfleisch. Das heißt zunächst gab es "Tira Gostos" also kleine Appetithappen, z.B. Knoblauchbrot und kleine Fleischstückchen, später dann noch mehr Fleisch, Salat... und als Nachtisch Brigaderos, Pudding etc.

Nun zur Brincadera: Das war eine Version des hier beliebten Amigo X, bei uns als "Wichteln" bekannt: Jeder der mitmachen will, bringt ein eingepacktes Geschenk mit, alle zusammen werden auf einem Tisch in der Mitte platziert. Dann werden Nummern gezogen. Die Nummer 1 hat als erster freie Auswahl aus allen Geschenken und packt es aus. Allerdings können die folgenden mit allen vorigen über einen Geschenketausch verhandeln, was sich nach und nach zu einem recht lustigen Verhandeln entwickelte.

Nun das ganze zog sich bis kurz vor Mitternacht hin (das Fest begann auch erst um 10 Uhr) und so blieb also zunächst nur der Blick von der Terrasse aus. Von dort sah man vor allem ein Feuerwerk in Villa Velha und hörte das am nahen Strand. Obwohl in Brasilien die Menschen bei allen Möglichkeiten unter dem Jahr Feuerwerkskörper abbrennen: Bei Fußballspielen, beim Umbandakult... - an Silvester gibt es wohl hauptsächlich die offiziellen von der Stadt organisierten. Und so gab es das große in Villa Vellha auf das wir einen Ausblick hatten, das große nebenan, das wir leider nur hörten und hier und da noch kleinere.

Nun nach Mitternacht bekamen dann alle mit, dass ich etwas traurig war nicht mitten im Geschehen am Strand zu sein und eine Gruppe begann mit mir zu einem mindestens 20 minütigen Fußmarsch ans Ende des Strandes aufzubrechen. Und so kann ich (zusammen mit Erinnerungen von 1992/1993 und einem Fernsehbericht am nächsten Tag) doch noch einiges vom Silvestertreiben dort berichten:

Zunächst fällt auf, dass an Silvester fast alle zumindest ein Kleidungstück in Weiß anhaben. Weiß ist die Farbe für Frieden und Harmonie, der wichtigste Wunsch fürs neue Jahr. Dazu wird gerne entweder Rot getragen ( die Farbe für Liebe und Leidenschaft) oder Gelb (hier weiß ich leider die Bedeutung nicht)

Am 31.12. ist auch das Fest von der Meeresgöttin Iemanyá des von Afrika kommenden Candomblé oder Umbanda-Kultes (deren Farben sind übrigens Hellblau und Weiß) und an Silvester huldigen plötzlich viele diesem Kult (man denke zum Vergleich an unser Bleigießen!). Für Iemanyá werden Opfergaben dargebracht: Entweder man macht in Meeresnähe eine kleine Kule in den Sand mit vor allem Blumen und Düften ( Das habe ich schon am Nachmittag am Strand mit bekommen als ich mich wunderte warum es dermaßen stark nach Parfüm riecht.) . Oder man springt über 7 Wellen und wirft dann Blumen ins Meer. Am Strand gibt es auch Umbanda- bzw. Candomblé-Priester, die alle, die wollen fürs neue Jahr segnen.

Ansonsten zieht das offizielle Feuerwerk eine riesige Menschenmenge an. Zusätzlich gibt es noch eine große Bühne auf der die ganze Nacht Bands spielen und natürlich zahlreiche Stände mit Bebidas und Comidas.

Wir bekamen die Live-Show von der Lokalgröße "Manimal" geboten.

So ich denke das wär dann das wichtigste zu Silvester. Im nächsten Eintrag berichte ich dann von Neuigkeiten aus Nova Esperança und dem Casa Legal.
Denn dahin will ich morgen aufbrechen!

Vielen Dank übrigens für die netten Kommentare und E-Mails!

Stefan Pickart