(“Stiftung Hoffnung und Freude”) ist eine Stiftung der katholischen Kirche, von Jesuiten 1955 in Venezuela gegründet. In 15 Ländern Süd- und Mittelamerikas, in Chad und auch in Spanien wurden mit den Jahren verschiedene soziale Einrichtungen und Projekte gegründet, wie auch vor 19 Jahren ein Sitz der Stiftung hier bei uns im Staat Espirito Santo in Brasilien, der sich aus folgenden Einrichtungen aufbaut:
In Vitória werden in fünf verschiedenen Waisenhäusern Kinder und Jugendliche. In einem dieser Centros de Vivência oder auch abrigos haben Carina und ich auch, wie bereits erwähnt, eine kurze Zeit gewohnt.
Weiter gibt es, auf die armen Stadtviertel verteilt, neun sogenannte Cajuns (Caminhando Juntos = Gemeinsam Gehen). Dies sind Jugendzentren für die dortig wohnhaften Kinder, die in hohem sozialem Risiko aufwachsen.
In Laranja da Terra, einer Kleinstadt im Landesinneren, gibt es eine Technische Schule für die landwirtschaftliche Ausbildung.
Ausserdem gibt es noch drei Projekte in Nova Esperança, einem sehr armen und gewaltbelasteten Viertel der Stadt Cariacica.
Das Centro de Educação Infantil ist eine Art Kindergarten, der Betreuung und Unterricht für Kleinkinder auf Kosten der Stadt anbietet.
In der Biblioteca nebenan stehen die Türen für Kinder, Jugendliche und andere Gemeindemitglieder des Ortes offen. Hier sollen auch zukünftig Kurse für Jugendliche und Eltern abgehalten werden.




(Die Bibliothek) Das Hauptgebäude
Das dritte Projekt in Nova Esperança ist das Casa Legal, ein Kultur und Sportzentrum für Kinder und Jugendliche, das ebenfalls auf demselben Gelände liegt. Hier arbeiten Carina und ich als Freiwillige, in welcher Form werde ich später genauer beschreiben.
Es mag seltsam klingen, dass wir als Freiwillige der Evangelisch Lutherischen Kirche in einem Projekt der Katholischen Kirche tätig sind. Es besteht aber nun schon seit über zehn Jahren eine enge Partnerschaft zwischen der evangelisch-lutherischen Friedenskirche in Dachau und dem Projekt Casa Legal in Nova Esperança. Diese entstand durch eine Partnerschaft der Friedenkirche mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vitória, die zur selben Zeit die Unterstützung des Casa Legal beschloss.
Pfarrer Stefan Pickart aus Odelzhausen bei Dachau setzt sich schon seit Jahren für die Unterstützung des Projektes durch Spenden aus Deutschland und den kulturellen Austausch zwischen der deutschen Gemeinde und Brasilien ein. Das von ihm gegründete Patenschaftsprojekt besteht seit über drei Jahren und unterstützt das Casa Legal finanziell durch Spendengelder der mittlerweile 80 Paten. Seit nun schon vier Jahren kommen auch regelmässig deutsche Freiwillige, wie Carina und ich es sind, nach Brasilien, um im Casa Legal mitzuhelfen und das Patenschaftsprojekt zu leiten.
Seit diesem Jahr ist diese Freiwilligenstelle hier in Vitória Teil des Programmes der Organisation Mission- EineWelt geworden und wird von der evangelischen Kirche wie auch vom deutschen Staat im Namen des Weltwärts-Programmes finanziert. .

Hier habe ich Kunstunterricht gegeben Zeichenstunde (ausnahmsweise sehr ruhig)
Das Casa Legal und meine Arbeit
Die Bibliothek unten, darüber weitere Räume Das Hauptgebäude (Kindergarten,Leitung,
(Capoeira, Tanz und Ergänzungsunterricht) Küche und Essraum)
Das Casa Legal (= “Super Haus”) ist, wie bereits erwähnt, ein Kultur- und Sportzentrum für Kinder und Jugendliche in Nova Esperança, einem Armenviertel weit ausserhalb vom Rande der Stadt Cariacica.
Hier gibt es für Schulkinder bis 16 Jahre Freizeitangebote ausserhalb der jeweiligen Schulzeiten. Das heisst die Hälfte der Kinder geht Vormittags in die Schule und hat Nachmittags frei, während die andere Hälfte erst Nachmittags Unterricht hat. So werden dort Räumlichkeiten der Schule und Lehrkräfte gespart.
Neben den Kursstunden im Casa Legal gibt es auch noch die Möglichkeit in der Bibliothek Brettspiele zu spielen oder den Computer zu benutzen, der leider noch keinen Internetanschluss hat. Für all die Kinder, bzw. schon Jugendlichen, die über 16 Jahre alt sind, heißt es mithelfen. Freiwillige werden immer gebraucht. Sie helfen mit das Essen auszuteilen und die Kinder zu beschäftigen, wie auch sie oft nur unter Kontrolle zu halten. Freitag nachmittags gibt es ein spezielles Angebot für die fleißigen Jovens.
Ursprünglich gab es verschiedene Unterrichtsangebote für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Kunst, Capoeira, Tanz, Musik und Sport. Leider sind bis Ende des Jahres 2008 alle staatlichen Gelder für das Casa Legal vom Kultusministerium Brasiliens für eineinhalb Jahre ausgefallen. Daher mussten spontan alle Lehrkräfte bis auf vier (Capoeira, Sport, Fussball und Bibliothek) entlassen werden. Das Projekt hat sich mit Hilfe von Spendengeldern, vor allem die der deutschen Paten, knapp über Wasser gehalten.
Die letzten deutschen Freiwilligen, also auch Carina und ich, haben daher eine wichtige Rolle eingenommen: Lehrkräfte ersetzen. Das ist leichter gesagt als getan – allein die vielen wirklich nicht zu braven Kinder bei der Stange zu halten, zu beschäftigen und ihnen am besten noch was beizubringen, ohne, dass sie sich die Köpfe einschlagen, knappes Arbeitsmaterial unnötig verschwenden oder es gar essen, auf der Strasse rumhängen und Blödsinn machen oder an Bäumen und Häusern hochklettern und herunterfallen. All die Verantwortung zusammen mit dem Kampf von den Kindern respektiert zu werden ist am Anfang wirklich schwierig.
Gefallen hat mir die Freiheit, dass wir uns, als wir ankamen, selbst aussuchen durften, welche Art von Unterricht wir denn gerne geben möchten.
Carina entschied sich für Tanzunterricht und ich mich dafür Kunstunterricht zu geben und in den Capoeirastunden mitzuhelfen. Zusammen haben wir auch eine Turnstunde pro Tag und Freitags Englischstunden für die Jugendlichen gegeben.
In meiner ersten Kunststunde wurde ich gleich deftig begrüsst:
Ich hatte geplant mit den Kindern Elefanten aus Papp-Maché zu machen. Es kamen zu Beginn der Stunde nur drei Jungs im Alter von acht bis zwölf Jahren, voll Vorfreude und Ungeduld, als sie die grosse Schüssel mit Leim zu Gesicht bekamen. Gleich wurde ich als neue Person uninteressant und die glibbernde Masse zum Objekt der Stunde. Währrend ich versuchte zu erklären, was ein Elefant ist, bemerkte ich, dass nicht alle Kinder dieses Tier kennen. Die Konzentration war schnell dahin, da ich auch oft schon allein aus Wortschatzgründen beim sprechen überlegen musste.
Es wurde zu Anfang versucht meinen Anleitungen zu folgen, doch schon nach zehn Minuten war es für die Kinder spannender den Kleber auf dem Boden zu verteilen, bereits gebaute Kugeln mit voller Wucht an die Wand zu schmeißen, Kleber oder Zeitungspapier zu essen oder auf das Gegenüber zu schleudern. Der Lärm und offensichtliche Spaß rief schnell andere Kinder herbei und das Chaos war vorprogrammiert. Schnell gab ich meinen Unterrichtsplan auf, rettete das übrige Material und improvisierte mit dem Besen einen Limbo-Wettbewerb, um schlimmeres zu vermeiden.
Verglichen mit den Kindern im deutschen Kindergarten, in dem ich ein vorbereitendes Praktikum gemacht hatte sind meine Kunstschüler doch sehr anders: Respekt und Autorität spielen hier kaum eine Rolle, weder mir noch Mitschülern gegenüber. Ermahnungen werden nicht ernst genommen und Konzentration, wie auch langfristige Begeisterung für eine Aktivität sind schwer zu erzeugen und zu halten. Es hieß für mich also: meinen Wortschatz und den Unterricht besser vorbereiten, Regeln einführen, einen kühlen Kopf bewahren und tief durchatmen, wenn mal was nicht klappt oder man schon mit wilden Beschimpfungen begrüsst wird. Zumindest habe ich mir Mühe gegeben.

Elefanten malen Ein Teil der Weihnachtsaustellung
Und siehe da: nach ein paar Wochen gab es Kinder, die anfingen mir zu helfen ihre Kollegen im Zaum zu halten, indem sie selbst mit eingreifen oder einfach nur ein Vorbild sind. Ich begann auch schnell zu verstehen, welche Kinder besser getrennt bleiben und wer wie behandelt werden muss, damit eine Katastrophe vermieden wird. Es ging bergauf, bis dahin, dass hin und wieder mal eine Stunde glatt lief. Sich mit den Kindern beim Malen über wichtige und interessante Themen wie Respekt, Drogen oder sogar auch Sex zu unterhalten oder sie zu bitten ein Lied zu singen, ist einerseits wichtig und hilft andererseits die Aufmerksamkeit zu bündeln.
Die Ergebnisse der dreieinhalb Monate Kunstunterricht können sich vereinzelt sogar sehen lassen, so dass ich am 20. Dezember des vergangenen Jahres eine kleine Kunstaustellung zum Weihnachtsfest des Casa Legals vorbereiten konnte.
In den Turnstunden mit Carina lief es ähnlich ab, nur, dass es eher körperlich als materialtechnisch gefährlich werden konnte. Hier fehlte keinerlei Motivation: man musste die Kinder eher bremsen, damit nicht alle gleichzeitig Räder schlagen und sich dabei verletzen. Ich lernte in dem hallenden Raum also ungeahnte Kreischlautstärken kennen.
In den Capoeira-Stunden konnte ich mich meist ein bisschen mental entspannen. Ich spielte und trainierte mehr zusammen mit den Kindern anstatt selbst Lehrerin zu sein, da der Unterricht schon festere Strukturen hatte. Zum Weihnachtsfest plante und organisierte ich zusammen mit dem Capoeira-Lehrer Welder eine recht umfangreiche Gürteltaufe, die sogenannte Batizado, für alle Schüler.
Es waren alle Eltern der Kinder, Schüler eines weiteren Capoeira-Projektes und Capoeiralehrer, sogar von auswärts wie zum Beispiel São Paulo, eingeladen.
Es wurde eine bunte Runde für alle, mit der traditionell live-gespielten Musik und stolz grinsenden Kindergesichtern, sobald die neue “corda”(Gürtel) erhalten wurde.
Die Verleihung eines Gürtels, im Sinne einer Auszeichnung für die Leistungen des Kindes, genauso wie eine Ausstellung dessen Kunstwerke, um den Eltern sein Können zu präsentieren, halte ich für sehr gut. Die Kinder lernen stolz auf eine gute Leistung zu sein, werden selbst eifriger und animieren vielleicht andere Kinder das selbe zu tun. Stolz und Ehrgeiz , wie auch das Durchhaltevermögen der Kinder zu fördern ist in diesem Projekt ein wichtige Aufgabe. Diese Eigenschaften sollen sich möglichst auch auf schulische Leistungen und auf das Verhalten ausserhalb des Projektes auswirken.
Batizado: Ich im Spiel mit einem Schüler(links), Mutter legt ihrem Sohn die neue corda um (rechts)
Das Patenschaftsprojekt
Zwei Tage in der Woche fahren Carina und ich nicht ins Casa Legal, sondern arbeiten im escritório (Büro) der Fundação Fé e Alegria am Computer. Wir sind dafür zuständig das Patenschaftsprojekt zu leiten. Es gibt mittlerweile ca 80 Paten aus Deutschland, die einen monatlichen Spendenbetrag an das Casa Legal zahlen und mit einem Kind eine Brieffreundschaft pflegen.
Unsere Aufgabe ist es diese Briefe zu übersetzen, auszuhändigen oder per E-Mail zu verschicken, Familien zu interviewen und patenlose Kinder zu vermitteln. Zu Beginn jedoch mussten wir uns erst einmal in das System einfinden und versuchen Kontakt zu den Familien und Kindern aufzubauen.
Zu Weihnachten habe ich mit Unterstützung von Carina mit meinen Kunstschülern Weihnachtskarten für die Paten angefertigt, wobei beim Weihnachtsstern-Schneiden gleichzeitig für uns selbstverständliche Dinge gelernt wurden, z.B. wie man eine Schere richtig benutzt oder wie man ein Papier in der Mitte teilt.
Carina im Escritório Kinder beim Murmelspiel im Casa Legal
Schön ist, dass wir durch diese Arbeit nochmal einen ganz anderen Einblick in das Leben der Kinder und Familien bekommen können und auch verstehen lernen wie es dazu kommt, dass die Kinder und deren Alltag oft so anders sind, als wir es kennen. In meinen folgenden Briefen habe ich vor gelegentlich ein paar Profile von Familien oder Kindern einzubauen, um euch tiefer in das Leben in einem brasilianischen Armenviertel hineinblicken zu lassen.
Kurzer Blick in die Zukunft des Casa Legals:
Glücklicherweise sind zu Beginn dieses neuen Jahres 2009 die lang ersehnten staatlichen Gelder für das Projekt eingetroffen und werden auch gleich in die Tat umgesetzt. Seit Anfang Januar sind neue Lehrkräfte eingestellt worden für die Fächer Musik, Theater, Kunst und Tanz, wodurch Carinas und mein Unterricht vorerst überflüssig wird. Wie genau wir beide in Zukunft im Projekt außerhalb der Englischstunden und dem Patenschaftsprojekt tätig sein werden wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. An nützlichen Aufgaben fehlt es jedenfalls nicht.
Ich habe euch nun von meiner Ankunft und Arbeit berichtet, aber natürlich ist das nicht einmal ein Viertel von dem, was ich bisher erlebt habe. Ich hoffe euch einen Einstiegs-Einblick geliefert zu haben und werde recht bald von mir hören lassen mit Berichten über die Menschen und die Kultur, die ich bisher kennenlernen durfte, Reisen die ich gemacht habe und Probleme die mir in diesem Land tagtäglich ins Auge stechen.
Viele liebe Grüsse von eurer Maren aus Brasilien,
dem Land wo man Spontanität und Geduld nie zu viel dabei haben kann.