17.08.2010

Meine Eindruecke vom Casa Legal

Leider ist das Tagebuch etwas ins Stocken geraten, unter anderem wegen einer Fahrt ins Hinterland und dann hatten sich Christa und Ich, Stefan, leider eine Erkältung eingfangen (Im Hinterland war es sehr kalt für hiesige Verhältnisse) Darüber ein andermal mehr - zunächst noch mein versprochener Bericht über das Casa Legal.

Nun - wie Margret schon sagte, ist mir das Casa Legal ja schon gut bekannt. Aber ich habe mich über den Besuch in diesem Jahr sehr gefreut, den das Haus hinterlies diesmal einen sehr guten Eindruck. Es gab ja schon Jahre, das konnte sich unser Projekt nur durch die Patenspenden über Wasser halten und die Freiwilligen wurden gleich mit als Lehrer eingesetzt. Momentan ist das Casa Legal recht gut mit Personal bestückt. Es gibt neben den Workshops: Sport, Musik. Informatik, Malen und Werken, Körperlicher Ausdruck (Tanzen und Theater), 2 Sozialarbeiterinnen, die für den Werteunterricht sorgen. Und eine Kraft, die die Bibliothek betreut. Zu ihr werden auch immer wieder Kinder und Jugendliche geschickt, die mit dem Lesen und schreiben Schwierigkeiten haben und sie bekommen zu zweit oder dritt Nachhilfe.

Rudio, der schon früher hier gearbeitet hat, ist nun als Sozialarbeiter angestellt, um den Kontakt zu den Familien der Kinder herzustellen, und Ihnen weiter zu helfen.

Allerdings benannte das neue Casa Legal-Team bei unserem Gespräch auch zwei Probleme: Zum einen wird zum Beispiel das momentane große Team - neben Spenden- und Patengeldern - auch über ein Projekt des Kulturministeriums finanziert. Alle diese Projekte, die Vilmar beim Land, Staat und Stadt beantragt, sind immer befristet: Ein - maximal zwei Jahre. Das erschwert leider die Kontinuität. (Ohne unsere Spenden und Patengelder hätte das Casa ja schon mindestens zweimal schliessen müssen.)

Das zweite Problem, das das Team benannte, ist das Fé e Alegria leider nur relativ wenig für seine MitarbeiterInnen bezahlen kann. So schauen sich viele immer wieder auch nach anderen Jobs um. Wie aber alle selbst bestätigten: Für die Kinder ist Kontinuität der MitarbeiterInnen wichtig, den nur so können sie Vertrauen aufbauen.

Für mich heisst dass, wir müssen weiter versuchen noch moeglichst viele PatInnen und UnterstützerInnen für das "Tolle Haus" zu finden, den das schafft am besten Kontinuität.

Übrigens sind uns dort ständig Kinder hinter her gelaufen, die sich auch Padrinhos oder Madrinhas wünschen, um sich Briefe zu schreiben... Wer also ein Patenkind moechte, einfach an brasil.ag@googlemail.com oder casalegal@online.de schreiben ;).

Tja das war nun der Werbeblock, aber ich kann es halt nicht lassen - "unser" Haus liegt mir halt nach wie vor sehr am Herzen.

Liebe Grüße Stefan

12.08.2010

Ein Tag im Casa Legal

Casa Legal - Wie oft ist in den letzten Jahren dieser Name gefallen! Berichte, Dias, Briefe, die hin und her gingen…

Und heute ist es wahr geworden: Außer Stefan und Fatima, denen dieses Haus ja schon lange vertraut ist, waren auf einmal auch Margarete und Christa mitten im Geschehen: Ein lebhaftes, buntes Treiben empfing uns, das von vielen kleinen, ganz reizenden Kindern ausging, die uns mit ihren großen, meist samtbraunen Augen erwartungsvoll anblickten.

Im Kleinkinderbereich durften wir in alle Altersgruppen zwischen 2 und 6 hinein schnuppern und uns über die motivierten Kinder in den überaus fröhlich angemalten Räumen freuen.

Wir konnten uns gar nicht sattsehen an diesen Kindern, die von ihren Betreuerinnen so liebevoll und engagiert angeleitet wurden. Sie zeigten uns voller Stolz ihre kleinen Kunstwerke aus Papier und Perlen.

Es wurde gepuzzelt, gesungen und getanzt, aber auch etwas über die Tier und Pflanzenwelt und das Zusammenleben gelernt.

Anschließend ging es in das eigentliche „Casa Legal“ den Bereich für die 6-16 jährigen. In der Sporthalle liefen gerade die Jugendlichen im Kreis, um sich für den Ballsport aufzuwärmen, in einem Saal konnten wir Kunsthandwerk bewundern, das von eifrigen Händen gebastelt wurde. Im Saal nebenan waren Jugendliche gerade dabei, ein selbst erstelltes Video über das Viertel zu analysieren. Aus dem Musikraum tönten uns Snare und Bassdrum entgegen. Zwei kleine Schlagzeuger bekamen gerade Einzelunterricht.


Im Lehrerzimmer erfuhren wir in der Mittagpause von den Betreuern dann Manches über die Situation der Einrichtung: Z.B. dass man gar keine langfristigen Pläne machen könne, da die Gelder der Kommune und des Staates immer nur befristet zugesagt wird. Nur das Geld von den Patenschaften und Spenden aus Deutschland bringt etwas Kontinuität.

Nach einem leckeren Mittagessen ging es zu Christas Patenkind, das ganz in der Nähe zusammen mit Eltern und 8 Geschwistern (!) in einem ganz einfachen relativ kleinen Haus wohnt.

Joysineide stand schon erwartungsvoll neben zwei Geschwistern vor der Tür und strahlte ihre „Madrinha“ Christa an, umarmte sie und wollte sie gar nicht mehr loslassen.

Als sie dann eine Tasche mit bayrischen Motiven in der Hand hielt und die darin enthaltenen Geschenke ausgepackt hatte, leuchteten die Augen noch mehr – und der Stolz , eine so nette Patentante zu haben, war ihr deutlich anzuspüren.

Alles in allen ein sehr bewegender Besuch in diesem „tollen, bunten Haus“, der noch lange nachklingen wird und neue Perspektiven mit sich bringen wird.

Vielleicht schreibt Stefan noch ein wenig über den Nachmittag, der u.a. auch vom Wiedersehen mit seinen Patenkindern geprägt war

Um abraco

Margarete

11.08.2010

Töpfermarkt, Aussicht und Moqueca


Heute, am 11. 8., fuhren wir zusammen mit Fatima zum Töpfermarkt . Dort bewunderten wir die Frauen, die ohne Töpferscheibe mit großer Geschicklichkeit die tradionellen Kochgefäße herstellen. Fatima und Christa gefielen die Produkte so gut, dass sie jeweils eines als Küchengeschirr und eines als Andenken erwarben.

Anschließend fuhren wir zum Aussichtspunkt "Da Fonte Grande" und bewunderten unterwegs das bunte Leben und Treiben vor den Häusern und auf den Straßen. Ab und zu kam ein Pferdegespann vorbei oder Fahrradfahrer, die Lautsprecher mit sich führten, über die in beträchtlicher Lautstärke Werbung für ein Produkt oder zu unserer Belustigung lauthals für einen Gottesdienst geworben wurde, der ihnen viel Gutes für ihr Seelenheil bringen würde.


Oben angekommen, marschierten wir über einen wundervollen Weg durch den dichten urwüchsigen Wald zum Aussichtspunkt, von dem man einen atemberaubenden Blick auf Vitoria mit seinen Inseln, Bergen und das weite Meer mit den vorbeiziehenden Schiffen hat. Natürlich wurden da die Fotoapparate gezückt....
Auf dem Weg hinunter machten wir noch bei einem zweiten Aussichtspunkt halt, von den man einen schönen Blick nach Cariacica und ins Hinterland hat. Wir bekamen schon eine Ahnung davon, wo ungefähr das Casa Legal liegt, das wir Morgen besuchen werden.

Dann machten wir uns wieder auf den Weg hinunter in das Viertel St. Antonio. Dies war früher eine Favela, doch inzwischen wurde es urbanisiert. Die Stadt hat dabei geholfen, dass die Straßen geteert und die Häuser befestigt wurden. Momentan wird - wie in ganz Vitória - eine (neue) Kanalisation verlegt. St. Antonio liegt direkt an eine Bucht bzw. Flußdelta in der sich Salz und Süßwasser mischen. Die Menschen leben dort z.T. vom Fischfang bzw. von der Verarbeitung des gefangenen Fisches. In einigen Restaurants mit toller Aussicht auf das Flussdelta kann man eine leckere Moqueca essen kann, was wir natürlich auch taten.
Erfüllt vom leckeren Essen und den vielen Eindrücken fuhren wir durchs Centro wieder in unsere Quartiere zurück, wo wir uns ein Ruheschläfchen gönnten, bevor der Wirbelwind Letícia wieder zurückkommt ;-).
Liebe Grüße an alle in Deutschland
Margareta und Stefano


10.08.2010

Zu letztem mal offiziell

Hallo,
jetzt bin ich, Stefan Pickart, mal wieder in Vitória. Mein letzte Reise hierher als Pfarrer der Partnergemeinde - in Zukunft komme ich dann nur noch als guter Freund hierher.

Sooft ich schon hier war - diese Reise ist doch wieder etwas besonderes. Denn sie begann ja zum einen schon völlig anders als alle bisherigen - dadurch, dass Familie Burzlaff vorher bei mir war und ich die Reise dadurch mit Ihnen zusammen antrat - so war ich schon von Anfang an Gedanklich in Brasilien
Außerdem ist diesmal meine Mutter dabei - sie ist zum zweiten Mal in Brasilien - da erste mal war Anfang 1993, als ich ein Jahr im Hinterland von Espírito Santo war.

Schauen wir mal, was wir diesmal alles hier erleben. Einiges liegt ja vor uns: Das 10 jährige Jubiläum des Casa Legal, die Ankunft der nächsten Freiwilligen...

An einigen Erlebnissen lasse ich die treuen Leser diese Blogs gerne wieder teilhaben.

Unser erstes Erlebnis hatten wir gleich gestern beim Anflug: Leider verzögerte sich unser Weiterflug in Lissabon. Im Flugzeug wurde dann durchgesagt, dass wir noch auf Gepäck warten - dass ließ schon Ungutes ahnen..

Wir kamen dann leider auch um einiges zu spät in Belo Horizonte an. Und dort merkten wir bald, dass der Koffer meiner Mutter fehlt... Den direkten Weiterflug von dort nach Vitória verpassten wir damit alle - die meisten flogen dann über Brasilia nach Vitória. Während meine Mutter, Vilmar und ich uns erst noch um den Koffer kümmerten. Für uns hieß der Flug dann: Belo Horizonte - Rio - Vitória. (Insgesamt wär das so als wär man in Frankfurt und würde von dort über Berlin nach München fliegen). Aber wir wurden auch für diese Sondertour entschädigt: Der Ausblick beim Anflug auf Rio und später beim Anflug auf Vitória bei recht klarem Nachthimmel waren phantastisch...

Nach fast 24 Stunden Reise kamen wir dann hier an - in der schönen neuen Wohnung der Burzlaffs - die um einiges Größer ist als die bisherige.

Nach einem köstlichen Mahl von Vilmars und Fatimas Mutter zubereitet, fielen wir dann erschöpft ins Bett.

Heute sind wir frisch und erholt - jetzt hoffen wir nur noch, dass der Koffer meiner Mutter morgen hier eintrifft....

Liebe Grüße
Stefan