16.12.2008

Texte der Kinder des Casa Legal

Unser Brasiliengottesdienst am 7.12. stand ja unter dem Motto: "Casa Legal - was braucht ein gutes Haus?". Unsere Freiwillige Maren hatte für den Gottesdienst einige Kinder im Casa Legal die Frage gestellt: Ist dein Zuhause ein Casa Legal (also ein gutes, tolles Zuhause) und was macht das Casa Legal zu einem casa legal - also zu einem gutem, tollen Haus. Für alle die nicht im Gottesdienst waren hier die Texte und einige Bilder der Kinder:

Thaína (12):

"Ich liebe mein Zuhause, weil es in unserem Haus alles gibt, was man zum Leben braucht. Ich wohne zusammen mit meinen beiden Schwestern in einem Zimmer mit einem Stockbett - ich schlafe unten alleine und die beiden anderen im oberen Bett. Wir haben sogar zwei Fernseher, einen DVD-Player und eine Musik-Anlage. Mich besuchen gerne meine Freundinnen, weil wir auch relativ viel Platz haben.

Am liebsten an meinem Haus mag ich die Küche und meine Oma.


Auch das Viertel in dem wir wohnen mag ich sehr gerne - hier kennt man jeden und hat viele Freunde.


Das Casa Legal ist für mich ein tolles Haus, weil ich hier sehr gerne an den Kursen teilnehme und auch das Essen schmeckt mir total gut. Das einzigste was mir hier fehlt ist ein Computer mit Internetanschluss, das wäre legal."


Poliana (12):

"Ich wohne in einem sehr kleinem Haus mit meiner Familie - wir haben nur zwei Zimmer, das heißt meine Eltern schlafen in einem und in dem anderen befinden sich das Wohnzimmer, die Küche und auch ein großes Bett für meinen Bruder, meine Schwester und mich.

Mir ist das ein bisschen eng und es gibt auch keine Spielsachen oder andere für mich interessante Dinge, deshalb mag ich mein Haus nicht so gern.


Was ich aber sehr gerne mag ist unser Wohnviertel - meine Freunde und Bekannten sind mir sehr wichtig und wenn mir mein Haus zu klein ist, kann ich immer meine Freunde besuchen.


Das Casa Legal ist für mich ein Super-Haus, weil man hier Spaß haben und mit vielen Freunden spielen kann und gleichzeitig was dabei lernt. Die Unterrichtsstunden sind nie die selben, man bekommt immer etwas neues beigebracht und lernt viele Dinge fürs Leben."


Renan (8):

"Ich wohne in einem kleinen Haus in Nova Esperança zusammen mit meiner Familie. Ich finde unser Haus sehr schön - wir haben alles was wir brauchen. Am tollsten finde ich den Fernseher und den DVD-Player. Wenn ich aber mal verreisen und Heimweh bekommen würde, würden mir von zu Hause am meisten meine Cousins fehlen.


Das Casa Legal finde ich super. Ich mag besonders gerne den Kunst-, Fussball- und Sportunterricht und bin sehr gerne in der Bibliothek. Hier gibt es tolle Lehrer und auch das Haus selber finde ich total schön. Am liebsten sind mir hier im CL meine Freunde."


Jocinara (11):

"Ein Traumhaus zum wohnen müsste viele tolle Dinge haben wie zum Beispiel Sofas und Musik. Und ich hätte auch sehr gerne ein eigenes Bett - ich teile mein Zimmer nämlich bisher mit meinen 4 Schwestern und wir haben nur 3 Betten. Am schönsten wäre es wenn jeder von uns 9 Kindern ein eigenes Zimmer hätte - da müsste das Haus aber recht groß sein.

Das Haus sollte auch einen neuen Kühlschrank haben, der keine kleinen Stromblitze macht, wenn es mal ins Haus durchnässt vom Regen - am besten sollte es in dem Haus gar nicht nass werden.

Am wichtigsten in einem schönen Haus ist aber, dass meine Familie mit drin wohnt und auch mein kleiner Baby-Hund. Ohne meine Mutter würde ich nicht wohnen wollen.


Das Casa Legal ist ein ganz tolles Haus und ich gehe auch schon 4 Jahre dorthin. Wenn ich nicht mehr ins CL gehen dürfte würde ich ganz viel weinen.

Ins CL zu gehen macht mich sehr glücklich, weil ich hier alle meine Freunde treffe und auch fast alle meine Geschwister dort sind. Außerdem gibt es immer viel und gutes Essen.

Was ich bei uns zu Hause und im Casa Legal gerne mag ist, dass immer alles geteilt wird, damit niemand zu wenig hat. Das ist auch bei meinen Freunden so und ich finde das ganz wichtig."

Gabriel (11):

"Ein schönes Super-Haus muss unbedingt viele Blumen und Bäume drum herum haben. Und es sollte bunt sein, das macht glücklich. ich hätte auch gerne Internetanschluss, damit ich mit meinem Onkel, der in den Vereinigten Staaten lebt, schreiben kann.

Und es müssen unbedingt meine Eltern und meine zwei Schwestern mit in diesem Haus wohnen - meine Eltern sind nämlich geschieden und ich wohne jetzt alleine mit meinem Vater. Ich wünsche mir, dass wir wieder alle zusammen wohnen.

Das Casa Legal mag ich sehr gerne, weil ich hier alle meine Freunde und Cousins treffe. Außerdem schmeckt mir das Essen und ich mag meine Lehrer sehr. Am liebsten zeichne ich Pica Pau und spiele Fußball."

Weverson (13):

"Ein schönes Haus, finde ich, sollte einen Garten oder einen Hof haben, worin wir Kinder spielen können. Außerdem ist frische Luft ganz wichtig, damit wir alle dort zusammen leben können. Blumen mag ich auch sehr gern, am liebsten Rosen.

Natürlich muss meine Familie mit dort wohnen, aber auch meine Freunde.

Ganz wichtig ist für mich auch Friede im Haus unter allen, die darin wohnen.


Das Casa Legal ist ganz toll - ein echtes Super-Haus: hier kann ich tolle Kurse machen, am besten finde ich Kunst und Fußball. Außerdem kann ich hier auch meine Freundin treffen.

Hier im Casa Legal gibt es sehr viel Liebe, weil die Lehrer so nett zu uns sind."

Adrielyson (9):

"Ein tolles Haus muss viele Blumen und frische Luft haben. Am besten auch Vögel, die singen. Bei mir zu Hause finde ich die Luft sehr stickig, weil wir so wenige Fenster haben. Das Haus sollte auch in schönen Farben angemalt sein, damit man sich darin wohlfühlt.

Am Casa Legal mag ich, dass die Lehrer nett sind und das Essen gut schmeckt. Außerdem zeichne ich gerne Mangas und hoffe es gibt bald einen Zeichenkurs. "


Tamires (13):

"Ein schönes Haus soll voll sein von Liebe, Fröhlichkeit, Leidenschaft, guter Luft zum atmen, Zärtlichkeit und bunten Farben.

Das Casa Legal ist für mich sehr wichtig und ich mag dort besonders meine Freunde zu treffen, zu spielen, lecker zu Essen zu bekommen und was von meinen Lehrern zu lernen.

Was das Casa Legal zu einem Super-Haus macht sind meine Freundschaften und dass man hier lieb zueinander ist ( muito carinho)."

11.12.2008

Wer hat die Kokosnuss....?

ER hat die Kokosnuss!!!

Diese kleine Episode muss ich euch einfach erzählen! Ich hab mich köstlich amüsiert, als gestern Abend plötzlich zwei junge Männer vor unserem Haus standen und mir erklärten sie würden jetzt die Kokosnüsse von unserer Palme herunterholen.
Das hätten sie mit den Leuten von der neuen Albergue ausgemacht, gut, dann fangt mal an Jungs...

Ich bin derweil ungefähr dreimal aus dem Haus und wieder rein. Jedesmal als ich angekommen bin wollte der Kokosmaestri mir zeigen wie viele Nüsse er schon vom Baum geschüttelt hat und mich in sein Haufen-System einführen und mir erklären dass ich jetzt seine Zeugin bin: die sind noch gut und die nimmer und die für ihn und die für die von der Albergue...

Ich hab zwar noch nicht so ganz verstanden warum er mich da jetzt als Zeugin braucht wie viele Nüsse er da gepflückt hat aber er hat nicht locker gelassen deshalb hab ich mich schliesslich auf ihn eingelassen und mir sein Haufensystem erklären lassen.

Für mich sahen die ganzen braunen, vertrockneten Bälle nämlich alle gleich aus aber jetzt weiss ichs besser. Wurde auch mal Zeit dass ich ne Einführung in das Mysterium Kokosnuss kriege, die sieht nämlich gar nicht so aus wie wir das in Deutschland kennen.

Im Prinzip gab es drei Haufen.


Haufen eins: Grüne Kokosnüsse, so wie sie auch immer Strand verkauft werden um das leckere Kokoswasser daraus zu trinken. Dafür sind sie auch gut solange sie noch grün sind wurde mir erklärt. Einfach oben ein Loch reinmachen und das Kokoswasser schlürfen. Wenn man ins Loch reinschaut dann sieht man das weisse Fleisch der Kokosnuss das wir kennen, es ist aber noch ganz dünn und weich.


Haufen zwei: Diesselbe Nuss nur ganz hart, braun und ausgetrocknet. Schon etwas älter aber dafür immer noch mit Wasser. Hört man plätschern wenn man sie schüttelt. Das Wasser sollte man jetzt nicht mehr trinken das ist nicht mehr gut, dafür ist aber das Fleisch jetzt schön dick und Hart wie wirs kennen. Um an die Kokosnuss so ranzukommen wie wir sie kennen, wendet der echte Kokosnussspezialist seine ganz eigene Technik an.

Wer schon mal versucht hat eine Kokosnuss zu öffnen der greift nach nem Messer oder nem Hammer oder schmeisst sie sogar auf den Boden...aber es geht doch auch so viel leichter, Leute!

Habt ihrs schon mal mit den Zähnen versucht? Der Meister zeigt euch wies geht!





Ich hoffe ihr habt euch genauso amüsiert wie ich und seid jetzt auch schlauer was Kokosnüsse betrift!

Das Video ist leider so dunkel weils ja schon Abends war. Der Kokosmestri erklärt dass sie noch Wasser hat aber des is eben schon nimmer so gut und das Fleisch wär auch schon etwas überreif. Und am Ende bedank ich mich noch für das Interviw (für alle nicht portugiesler...;-)


Haufen drei waren übrigends die gleichen braunen Dinger nur ohne Wassser und somit schon völlg ausgetrocknet und unbrauchbar.


Nussige Grüsse, Carina

07.12.2008

Botschaft aus Brasilien


Hallo,
heute feierten wir ja mal wieder hier in Odelzhausen den traditionellen Brasiliengottesdienst mit Eintopfessen.
Für alle die nicht dabei sein konnten, die sollen hier wenigstens die Texte aus Brasilien nachlesen können.
Zunächst die Botschaft der Partnerschaftsgruppe:
Uma Casa Legal – ein tolles Haus

Als wir im Jahr 1999 planten ein Projekt für die Kinder in Nova Esperanca zu gründen, war eine der Herausforderungen einen Namen für dieses Projekt zu finden. Die Idee der Arbeit dort war diesen Kindern einen Ort zu bieten, an dem sie einige Dinge antreffen können, die in dem Haus wo sie wohnten fehlten. Freizeitmöglichkeiten, Kulturangebote, Sport und das Erlernen von vielen Fähigkeiten und Kenntnissen, die in der normalen Schule hier nicht vermittelt werden.

Nach einigen Jahren bemerkten wir, dass das Projekt für die die Kinder ein angenehmer und schöner Ort ist, an dem sie sich gerne aufhalten. Wie sie selber sagen, ist es ein casa legal. Also ein tolles, super Haus. – Der Name könnte also nicht besser gewählt sein.

Unser Planet wurde von Gott geschaffen um für uns alle ein casa legal zu sein. Sicherlich ist es sein Wunsch, dass wir alle in Harmonie leben und glücklich sind. Unglücklicherweise ist es noch nicht so, denn in den Häusern von Vielen fehlt das Nötigste um zu überleben. In vielen Häusern gibt es auch Konflikte und die Leute können nicht in Frieden zusammenleben.

Deswegen sind Orte wie unser Casa Legal sehr wichtig. Dort lernen die Kinder wichtige Werte zur Orientierung in ihrem Leben. In der Zukunft können die Werte dazu beitragen, dass das Haus ihrer Familien auch ein casa legal wird.


Der Traum von einem würdigen Leben, wo alle ein casa legal haben ist immer noch eine Herausforderung für uns alle. Eure Hilfe sind Ziegelsteine die helfen dieses Haus zu bauen. Wir sind sehr dankbar für diese Zusammenarbeit. Seid sicher, dass das Casa Legal auch euer Haus ist. Die Türen stehen immer weit offen um euch zu empfangen. Wir hoffen ihr kommt uns bald besuchen.

Eine große kräftige Umarmung für alle
Fatima und die Partnerschaftsgruppe

27.11.2008

Wieder um eine Erfahrung reicher...

...diesmal allerdings nicht unbedingt eine schöne!

Gestern Nacht, halb zwölf, Jucutucuara (Stadtteil), ich kam gerade aus dem Kino. Hier findet nämlich diese Woche ein Filmfestival statt während dessen umsonst Kurzfilme gezeigt werden.
Eigentlich hatte ich mich mit einer Freundin und einem Freund verabredet aber keiner der beiden erschien. So sah ich mir die Filme alleine an. Als der letzte, ein Spielfilm mit normaler Länge, anfing dachte ich mir schon das könnte spät werden und dann muss ich noch nach Hause, alleine, aber ich blieb sitzen.
Als es dann allerdings zu schütten (regnen reicht hier nicht als Ausdruck ;-) anfing und durch das nicht ganz dichte Dach tropfte, liess ich den Film Film sein und machte mich in Anbetracht der schon recht späten Stunde mit meinem Schirm bewaffnet auf den Weg zur Bushaltestelle.

Ich wiegte mich in Sicherheit da ich bei diesem Regen niemanden auf der Strasse vermutete. Tatsächlich war ich auch die einzige Fussgängerin. Schnell liess der Regen nach und auf einmal wurde ich von hinten gepackt, jemand schrie "gib mir deine Tasche", entriess sie mir und rann davon!
Völlig verschreckt liess ich zwei Schrei von mir und konnte dem Dieb nur noch hinterherschauen wie er mit meiner Handtasche in die nächste Strasse verschwandt.

Ich konnte gar nicht glauben dass ich gerade überfallen wurde!!
Mein erster Gedanke: Wie komm ich jetzt nach Hause? Ich hab kein Geld mehr für den Bus!
Mein zweiter Gedanke: Scheisse, ich will jetzt überhaupt nicht alleine Bus fahren!
Mit zittrigen Knien ging ich 5 Meter weiter zu einer Bar vor der noch drei Typen sassen.
Ich bat darum kurz von einem ihrer Handys telefonieren zu dürfen.
Glücklicherweise wusste ich wenigstens die Nummer eines Freundes auswendig, der nur leider nicht dranging.

Ich brach endgültig in Tränen aus und die jungen Männer boten mir an mich nach Hause zu fahren. Vor meiner Haustüre fiel mir dann ein dass ich ja auch keinen Schlüssel mehr besass. So verbrachte ich die Nacht im Abriogo (wo wir ja auch schon mal gewohnt hatten).
Heute Morgen war die Leiterin des Abrigos dann ganz besorgt weil ich nicht einfach so zu drei jungen Männern ins Auto steigen könnte. Sie waren zwar schon hilfsbereit und kamen mir auch vertrauenswürdig vor aber natürlich hatte ich Glück.
Der Tipp der Leiterin, ein Taxi rufen und dann Zuhause zahlen.

Ja, jetzt weiss ich bescheid. Und daraus gelernt hab ich auch! Nicht mehr allein unterwegs nachts und am besten ohne Handtasche aus dem Haus. Geld und Handy am Körper tragen.

Diesesmal bin ich zum Glück noch mit einem schrecken davon gekommen und in Zukunft werde ich auf jedenfall vorsichtiger sein!

Liebe Grüsse Carina

24.11.2008

O grande chuva - Der grosse Regen

Brasilien im November...mit kurzen Shorts bekleidet, die Füsse in Flip Flops auf der Nase eine Sonnenbrille um uns vor der grellen Sonne zu schützen, so verlassen Maren und Ich das Haus auf dem Weg ins Casa Legal...Halt, Stop, Zurückspulen!!!!!
So hätten wir das vielleicht gerne aber die Realität sieht anders aus!!
Zumindest seit drei Wochen. It´s raining. Nur leider keine "man". Einfach nur stinknormales Wasser. Wie trist...
Angefangen hat alles an einem normalen Sonntag Abend vor drei Wochen. Es regnet. Na gut, das war jetzt auch mal wieder nötig. Niemand hier steht auf Regen aber man sieht ein dass die Natur ihn braucht.

Gerade stehen Maren und ich am Herd und bereiten unser Abendessen zu, ein zufälliger Blick aus der offenen Haustür auf die Strasse vor unserem Haus lässt uns erstarren.
Braune Fluten bahnen sich den Weg zwischen die Häuser, wo normalerweise Autos fahren. Abfalltüten schwimmen fröhlich vorbei, weil mal wieder jemand den Müll am falschen Tag rausgestellt hat und jetzt nehmen ihn die Fluten mit.



Man kann nur erahnen wie hoch das Wasser steht, zumindest ist von der Verkehrsinsel in der Mitte der Strasse nichts mehr zu sehen. Alles ist wie ausgestorben, nur die braunen Fluten strömen unter stetigem Regen an unserem Haus vorbei und ein Blick nach unten bestätigt, auch IN unser Haus, zumindest den Vorgarten.
Dass wir zu diesem Zeitpunkt noch keine nassen Füsse bekommen haben, liegt daran dass wir im ersten Stock wohnen und daher erstmal sicher sind.
Nachdem wir die erste Verwunderung überwunden haben entdecken wir, dass auch wir plötzlich irgendwie im nassen stehen. Die Ursache dafür war schnell gefunden. Das Abflussrohres unseres Balkons war verstopft und so bahnte sich das Wasser seinen Weg vom Balkon Richtung Haustür.


Also Maren raus in den Regen, Abfluss leergeräumt und schon ergoss sich ein gewaltiger Strahl Wasser aus dem Rohr. Ich muss nicht erwähnen, dass Maren danach einem begossenen Pudel glich. Mir blieb der Wasserkontakt dank meinem Gipsbein glücklicherweise erspart. Das war aber auch das einzige Mal dass mir dieses Teil was genützt hat...grrr.
(Für alle dies nicht wussten. Ich hab mir vor nem Monat das Aussenband am Fuss verletzt und wurde in einen Gips gesteckt. Der ist jetzt zum Glück wieder ab und ich schon wieder am durch die Gegend humpeln)
Von dieser aussergewöhnlichen Situation etwas überrrumpelt fiel mir dann plötzlich ein dass im Erdgeschoss ja Leute wohnen. Uppss, die sitzen wohl im Nassen. Im selben Moment kam dann auch eine aufgeregte Bahianerin (aus Bahia) zu uns hoch und bat um Asyl im ersten Stock.
Natürlich gewährten wir jenes und so kamen nach und nach immer mehr Personen nach oben.

Normalerweise wohnen wir ja alleine. Das Erdgeschoss wird seit dem Umzug in die neue Albergue nicht mehr genuzt. Nur am Wochenende sind dort einige Patienten und ihre Begleitpersonen einquartiert, da die neue Albergue am WE nicht geöffnet ist und alle Patienten heimfahren. Diese Frauen kamen jedoch von so weit weg, dass eine Heimfahrt nicht möglich ist.
Glücklicherweise waren aus dem alten Bestand noch genug Betten und Matratzen im grossen Saal neben unserer Wohnung vorhanden, sodass jeder in dieser Nacht ein trockenes Bett hatte.
Am nächsten Tag berichteten die Medien gross über diesen, angeblich nur 40 min. dauernden, Regen und seine Folgen und Schäden die er in der ganzen Stadt verursacht hatte.
Im Erdgeschoss stand das Wasser immer noch, zwar nicht mehr 50cm hoch, wie die Markierung an der Wand zeigte, aber ganz ablaufen konnte es nicht.
So wartete man auf den Abpumpwagen der Stadt, der in dieser Woche mehr als ausgebucht war. Leider war sein Kommen am Donnerstag darauf ziemlich umsonst, da dasselbe am nächsten Freitag wieder passierte. Überflutete Strassen, Verkehrschaos und wieder Wasser im Erdgeschoss....da es seitdem fast jeden Tag regnet ist man an seine Begleiterscheinungen schon gewohnt.




Unser Viertel scheint im übrigen besonders prädestiniert für Überschwemmungen zu sein. Mich hat das bis jetzt noch nicht so berührt da ich aufgrund meines Beines immer im Haus war aber Maren musste schon oft durch das kniehohe Wasser waten und laut ihrer Aussage sind ihre Füsse seit drei Wochen dauernass. Natürlich zieht man Fliupflops an, da hat man dann wenigstens die Chance auf Trocknung wenn mal kurz die Sonne rauskommt, ausserdem werden ja alle anderen Schuhe komplett nass.

Auch hat sich Maren schon daran gewöhnt überall klitschnass anzukommen, man hat zwar keine Wahl, denn wer wartet bis der Regen aufhört um dann erst das Haus zu verlassen der wartet lange aber man muss trotzdem dazu sagen, dass sich unsere Liebe bis jetzt immer noch keinen Regenschirm gekauft hat. Warum eigentlich nicht? Das hab ich mich auch gefragt. Und da ich jetzt mit gipsfreiem Bein auch wieder dem Regen ausgesetzt bin werde ich heute endlich mal zwei kaufen! Auf dem Weg zum Laden werd ich wohl allerdings nass...;-(
Ja, soviel zum sonnigen Brasilien. Geniesst euren gefrorenen Regen und eure Weihnachtsstimmung, die mir hier völlig fremd ist...

Nasse Grüsse, Carina


21.11.2008

Zwischenbericht

Hallo ihr Lieben,

hier mal wieder ein schriftstellerisches Schmankerl...;-)
Da ich ja von Mission eine Welt aus gezwungen bin regelmässige Unterstützerbriefe und Zwischenberichte zu schreiben, möchte ich euch diese natürlich nicht vorenthalten.
Ich denke der Bericht ist durchaus interessant für euch auch wenn er eher sachlich verfasst ist.
Da stehn jetzt eher so Informationen drin, die ich sonst vielleicht nicht unbedingt hier erwähnen würde. Viel Spass!


Hallo Mission Eine Welt,

meine Arbeitsstelle ist das Casa Legal, ein Kulturzentrum für Kinder, der Fundação Fé a Alegria in Nova Esperança, Caraicica. Mir war das Casa Legal, durch den Besuch in unserer evangelischen Partnergemeinde in Vitória 2006, schon bekannt.
Aufgrund dieser Reise und der nun schon fast 9 jährigen Partnerschaft der Friedenskirchengemeinde Dachau - Odelzhausen mit dem Projekt Casa Legal, entstand die Idee dort ein einjähriges Praktikum zu absolvieren.
Da meine Stelle hier in Vitória erst dieses Jahr ins Freiwilligenprogram von Mission Eine Welt aufgenommen wurde, gab es noch keine festen Strukturen, im Bezug auf Freiwillige aus Deutschland, innerhalb der Fundação.
Das mit meinem Gemeindepfarrer Stefan Pickart eng befreundete Ehepaar Fátima und Vilmar Burzlaff, aus der Partnergemeinde, arbeiten für die Stiftung Fé e Alegria, die das Projekt betreut. Vilmar Burzlaff ist Leiter der Fundação im Bundesstaat Espírito Santo, Fatima Burzlaff ist als Koordinatorin für das Kinderkulturzentrum „Espaço Casa Legal“ zuständig.

Sowohl als gute Freundin Stefan Pickarts, als auch als Betreuerin der Freiwilligen, hat Fatima mich im Namen der Fundação mit offenen Armen empfangen und steht mir bis heute mit Rat und Tat zur Seite.

Meine Arbeit hier:
Das Projekt Casa Legal musste bei meiner Ankunft bereits eineinhalb Jahre auf zugesagte Gelder des brasilianischen Kulturministeriums warten. Aufgrund der der dadurch erstandenen finanziellen Notlage des Casa Legals, welches sich aus diesen Projektgeldern der brasilianischen Regierung und Spenden aus Deutschland finanziert, gab es zur Zeit unserer Ankunft nur zwei Lehrer dort. Somit wurde ich ebenfalls so­gleich als vollwertige Lehrerin beschäftigt. Aufgrund meiner Vorlieben und Er­fah­rung gebe ich dort zweimal die Woche ganztags Tanz- und Turnunterricht, sowie jeden Frei­tag zusammen mit Maren Manz Englischunterricht für die Jugendlichen, die aus dem Projekt bereits herausgewachsen sind.
Die anderen zwei Tage der Woche betreue ich das Patenprojekt, das seit drei Jahren zwischen Kindern des Casa Legal und Paten der Friedensinsel Odelzhausen besteht.
Ins Leben gerufen von Stefan Pickart, sichert dieses Projekt mithilfe der monatlichen Spenden von mittlerweile über 70 Paten das Bestehen des Casa Legals. Meine Aufgaben hierbei sind: Übersetzen von Briefen, Verfassen von Briefen mit Kindern des Projekts, neue Patenkinder auswählen und interviewen.

Eine wirkliche Einführung in meine Aufgaben hier gab es leider nicht. Der Tagesablauf des Projekts hat sich schnell von selbst erklärt und bei meinen Stunden konnte mir nicht viel geholfen werden. Die grundsätzlichen Aufgaben im Bereich des Patenprojekts wurden mir schon in Deutschland von Stefan Pickart erklärt, der mich auch per Internet von Deutschland aus dabei unterstützt. Da es bisher in dem Paten-Projekt keinen festen Ansprechpartner vor Ort gab und keine kontinuierlichen Freiwilligenstellen fand ich hier allerdings einiges Durcheinander vor, in dem ich mich allein zurechtfinden musste.
Diese bisherige Umstrukturiertet in meiner Arbeit schiebe ich aber auf die Tatsache, dass bisher einfach noch keine Erfahrung, Routine und feste Arbeitsbereiche für die Freiwilligen existieren. Daher bin ich zusammen mit Fátima Burzlaff sehr damit beschäftigt meinen Einsatz hier sinnvoll zu gestalten und klar gegliederte Arbeitsbereiche auch im Hinblick auf zukünftige Freiwillige auszusuchen.
Auch soll die Betreuung der Freiwilligen in Zukunft besser organisiert und auf mehrere Schultern verteilt werden.

Veränderungen im Casa:
Zusammen mit mir arbeitet noch Maren Manz im Projekt und an den Patenschaften.
Die Mitarbeiter im Projekt haben uns freundlich aufgenommen, stehen mit Rat und Tat zur Seite und behandeln uns respektvoll und als vollwertige Teammitglieder.
Die Arbeitsatmosphäre im Projekt Casa Legal ist sehr stressig. Das Projekt ist aufgrund des derzeit herrschenden Mangels an Fachkräften noch schlecht organisiert.
Ein weiteres Problem stellt auch die große Fluktuation im Elends-Viertel dar, in welchem das Projekt liegt. Es ist von vielen Zu- und Wegzügen geprägt.
So ist es schwer feste Gruppen zu bilden, da man sich nicht auf das regelmäßige Kommen aller Kinder verlassen kann.

Das Projekt möchte allen Kindern die Möglichkeit geben an den angebotenen Kursen teilzunehmen, daher können sich neue Kinder täglich immatrikulieren und zur schon bestehenden Gruppe stoßen, was eine kontinuierliche Arbeit natürlich erschwert.
Glücklicherweise ist vor wenigen Tagen das schon lang ersehnte Geld des Kulturministeriums eingetroffen, mit welchem bereits ab Dezember neue Lehrer für Tanz, Theater, Musik und Kunst eingestellt werden sollen.
Somit werden Maren und Ich von unserer Verantwortung als Lehrerinnen befreit und können uns anderen, bisher noch nicht definierten Tätigkeiten, widmen. Diese Entwicklung empfinden wir beide als absolut positiv, da wir uns teilweise überfordert gefühlt haben.

Unsere Wohnsituation:
Auch unsere Wohnsituation, die sich mittlerweile mithilfe eines von der Kirche zur Verfügung gestellten Apartments gelöst hat, sorgt weiterhin für Probleme.
Auch hier ist zu sagen, dass vor unserer Ankunft noch keine feste Unterkunft für Freiwillige bestanden hat. Daher wurde beschlossen ein Apartment im Gebäude der alten Albergue* zu renovieren. Maren und ich sind mit unserem Apartment und den Freiheiten, die jenes mit sich bringt sehr zufrieden, leider sorgt das alte Gebäude jedoch immer wieder für Probleme. Außerdem wird ein Teil des Hauses am Wochenende noch genutzt und es bestehen Überlegungen eines eventuellen Abrisses.
Laut Fátima Burzlaff sei unsere Wohnsituation noch bis zu unserer Abreise gesichert, danach müsse man sich aber wohl eine andere Möglichkeit überlegen

Kontakt zur Umgebung:
Nun aber zu erfreulicheren Dingen. Mit der Sprache komme ich mittlerweile sehr gut zurecht. Ich hatte keine Probleme mich daran zu gewöhnen und ich werde immer wieder für meine schon sehr guten Sprachkenntnisse gelobt. Dazu beigetragen hat auf jeden Fall der Kontakt zu Einheimischen außerhalb des Projekts. Welche ich in einigen der vielen kostenlosen Angebote für Jugendliche hier kennengelernt habe.
Kontakt zu anderen Freiwilligen von MEW habe ich teilweise über E-Mail. Natürlich habe ich Kontakt zu Maren (wir teilen eine Wohnung;-), außerdem arbeitet hier in Vitória noch Kaja Knöpfle als Freiwillige in einem Projekt der Fundação, sie stammt aus Augsburg und ist über Stefan Pickart privat für ein Jahr hier.
Größtenteils habe ich aber Kontakt zu nicht deutsch sprechenden Menschen, was meinen Sprachkenntnissen sehr zum Vorteil kommt.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich hier sehr gut aufgehoben fühle und mir die Arbeit nach diversen Veränderungen demnächst sicher mehr Spaß machen wird. Als ich ankam war vieles nicht so, wie es sein sollte. Aber schon einiges hat sich gebessert und ich arbeite immer noch daran, hier für die Zukunft einen festen Standort der Freiwilligenarbeit zu schaffen. Ich hoffe mit meinem ehrlichen Bericht nicht erschrocken oder gar verunsichert zu haben, schließlich war die Aufnahme unseres Projekts ein gewisses Risiko.
Ich bin allerdings der Meinung, dass die Fundação, das Casa Legal und Vitória, im Grunde ideale Voraussetzungen bieten, um hier auch in Zukunft Freiwillige aufzunehmen.
Zum anderen spielt natürlich die langjährige Partnerschaft zwischen meiner Gemeinde und den Menschen hier eine große Rolle in dieser Verbindung. So bereiten sich im Landkreis Dachau bereits wieder zwei neue Freiwillige mit Stefan Pickart auf einen Freiwilligendienst hier vor.

Mit ganz lieben Grüßen,

Carina Rosenstein

09.11.2008

Der 1. Unterstützerbrief

Hallo liebe Bloggerleser!
Hab mich ja schon länger nicht mehr gemeldet, dafür gibt´s jetzt aber umso mehr zu lesen. Und zwar in Form eines Unterstützerbriefes, der die nächsten Tage an meine lieben Unterstützer rausgeht. Wer sich jetzt fragt was es mit der ganzen Unterstützung auf sich hat dem seis nochmal schnell erklärt. Von Seiten meiner Organisation Mission Eine Welt waren alle Freiwilligen verpflichtet sich 10 Unterstützer zu suchen, die sie mit einem Betrag von monatlich 10 Euro unterstützen. Als Gegenleistung muss ich mindestens 5 Briefe im Jahr an sie schreiben.
Und da ich diesen Brief allen nicht Unterstützern natürlich nicht vorenthalten will bekommt ihr ihn hier schon mal vorab zu lesen.

Liebe Unterstützer,

Hier kommt mein erster offizieller Brief an euch. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass es mir gut geht. Ich bin nun seit über zwei Monaten hier in Vitória, im schönen Brasilien.
Was zwei Monate schon? Das überrascht mich ja selber! Ich muss zugeben, dass die ersten Wochen etwas schwierig für mich waren und sich die Zeit dementsprechend auch länger hingezogen hat aber jetzt vergeht sie wirklich wie im Flug..

Die ersten Wochen - verschiedene Wohnungen
Aber nun nochmal von vorne. Als wir hier am 26. August ankamen, wohnten wir erstmal bei derselben Gastfamile die mich schon damals, als ich 2006 mit der Brasiliengruppe unserer Gemeinde hier war, aufgenommen hatte. Eigentlich sollten wir ja in einer eigenen Wohnung wohnen, die uns die Kirche hier zur Verfügung stellen sollte. Das Problem lag nur darin, dass diese Wohnung zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch nicht renoviert war. Daher verbrachten wir die ersten 6 Wochen mit einigen Umzügen. Das hat uns zwar auf der einen Seite sehr belastet und teilweise auch genervt, immer auf dem Sprung zu sein, nicht wirklich ankommen zu können aber andererseits haben wir so tolle Erfahrungen gemacht. Wir haben drei völlig verschiedene Wohnverhältnisse kennengelernt.

Zuerst meine “alte” Gastfamilie in Vitoria, dort hatten wir allerlei Annehmlichkeiten und Gasteltern mit einem Herzen aus Gold. Danach zogen wir nach Vila Velha, in eine andere Stadt. Das gab uns die Möglichkeit uns auch hier umzusehen, den Horizont und unseren Orientierungssinn in diesem riesen Konglomerat aus 5 Millionenstädten zu erweitern. Soll heissen, die fünf Städte Vitoria, Vila Velha, Cariacica, Serra und Viana gehen zum Teil ohne sichtbare Grenze ineinander über.

Obwohl die Entfernungen teilweise wirklich enorm sind werden die Städte von den Menschen hier nicht separat gesehen sondern gelten irgendwie als eins. So ist es zum Beispiel normal in Vitória zu wohnen aber in Cariacica zu arbeiten, wie wir zum Beispiel. Die Menschen pendeln hier von Stadt zu Stadt, was hier dank Unmengen an Busverbindungen auch gut möglich ist. Nur bedeutet das im Normalfall, dass ein Weg von anderthalb Stunden zur Arbeitsstelle als völlig normal betrachtet wird. Ganz anders als in Deutschland.


Unsere dritte Station war das Abrigo der Fundaçao Fé e Alegria in Vitoria. Dort haben auch schon andere Freiwillige vor uns gewohnt. Abrigo bedeutet soviel wie Unterschlupf. Das Abrigo ist ein Haus das zwölf, 6 bis 12 jährigen, Jungen eine Familie bietet. Diese Jungen kommen aus Problemfamilien, die sich nicht um sie kümmern können oder wollen. Hier leben sie alle zusammen. Gehen in die Schule, ins CaJun lernen wie es ist in einer Familie zu leben, noch dazu in einer ziemlich grossen. Richtige “Eltern” gibt es hier nicht. Tag und Nacht wechseln sich verschiedene Erzieher und Erzieherinnen mit der Pflege der Kinder ab.
Dort zu wohnen war ebenfalls eine sehr schöne Erfahrung für mich. Von Ruhe und Privatsphäre kann zwar keine Rede sein aber das vergibt man den kleinen Rackern sofort wieder, sobald man mit ihnen am Essenstisch sitzt oder sie einfach nur knuddelt.

Stiftung Fe e Alegriadie Projekte

Nun zur Fundaçao Fè e Alegria. Diese Stiftung hat hier in Vitoria mehrere Projekte. Es gibt insgesamt 5 Abrigos. Die Kinder kommen dort teilweise schon als Baby hin und können dort bleiben bis sie 18 Jahre alt sind. Die 5 Abrigos sind unterteil nach Altersgruppen. 0 bis 5 Jahre, 6 bis 12 Jahre und 13 bis 18 Jahre.

Dann gibt es noch 13 CaJuns (CaJun= Caminhamos Juntos = Wir gehen zusammen), das sind Projekte in denen die Kinder nach der Schule an verschieden Kursen teilnehmen können. Wie zum Beispiel Sport, Capoeira, Kunst, Tanz, Musik…jedes CaJun hat etwas andere Angebote, und natürlich müssen die Kinder dafür nichts zahlen.

Das Projekt in dem ich arbeite gehoert auch zur Fundaçao und ist den CaJuns ziemlich ähnlich, nur dass es nicht in Vitoria sondern in Cariacica liegt. Es heißt Casa Legal (übersetzt: das tolle Haus).

Wir arbeiten dort dreimal die Woche. Momentan gibt es nur einen Capoeira- und einen Sportlehrer, die festangestellt sind, und Maren und mich.
Maren gibt Kunstunterricht und Ich Tanz- und Turnstunden. Außerdem geben wir an einem Tag der Woche noch Englischunterricht für die Jugendlichen im Viertel, die schon älter sind als 16 Jahre und das Projekt nicht mehr besuchen.

Viertel Nova Esperanca


Das Viertel Nova Esperança

Das Projekt unterscheidet sich insofern von den CaJuns, da es sich nicht direkt in der Stadt befindet. Nova Esperança (neue Hoffnung), so heisst das Viertel in dem das Casa Legal liegt, ist ein Teil der Stadt Cariacica aber als Stadtteil im typischen Sinne ist Nova Esperança eigentlich nicht zu betrachten.

Auf unserem Weg dorthin durchfahren wir mit dem Bus ganz unterschiedliche Gegenden. Wir starten in Vitoria, einer Grossstadt wie man sie sich vorstellt. Fahren ueber die Segunda Ponte, die zweite Bruecke, die einen Ausblick ueber die Insel Vitoria, die wir hinter uns lassen und ueber die ersten Haueseransammlungen von Vilha Velha zur Linken und Cariacica zur Rechten bietet. Als wir die Bruecke in Cariacica verlassen, erleben wir schon einen ganz anderen Eindruck. Obwohl nur durch eine Bruecke ueber das Meer getrennt, erscheint uns die Umgebung ploetzlich gar nicht mehr so grossstaedtisch wie Vitoria. Das liegt wohl daran, dass man mit Vitoria auch alle Hochhaeuser hinter sich gelassen hat, die der Stadt ein so maechtiges Aussehen verschaffen.


Am Busterminal steigen wir in einen Bus, der uns direkt nach Nova Esperança faehrt.
Auf dem Weg dorthin wird alles immer kleiner, die Hochhaeuser machen normalen Gebaeuden platz, die riesen Shoppingcenter normalen Geschaeften und die dreispurigen Strassen verjuengen sich zu nur mehr einer Spur in jede Richtug.
Immer weiter entfernen wir uns von der laermenden, hektischen, monstroesen Grossstadt. Und immer deutlicher sehen wir die ersten Anzeichen der Armut.
Obwohl einige der Menschen in diesen Vierteln bestimmt ein besseres Leben fuehren als die, die sich in den Favelas in Vitoria niedergelassen haben, nimmt man doch ihre einfachen Lebensumstaende eher wahr, weil die Armut in der Grossstadt auf den ersten Blick einfach von deren Monumentalitaet ueberschattet wird.

Bisher habe ich von Cariacica noch nicht viel kennengelernt. Vitoria kann ich langsam einschätzen als Stadt aber von Cariacica kenn ich nur den Teil durch den unser Bus immer fährt und es fällt mir schwer in Cariacica eine richtige Stadt zu sehen, verglichen mit Vitoria.
Vor allem da die Gegend immer ländlicher wird umso näher wir unserem Ziel kommen. Plötzlich sieht man hinter den Häusern links und rechts Natur. Man sieht hohe Berge, Täler, weite Wiesen und Felder und zwischendrin an einem Hang immer wieder Behausungen, deren Farbe sich vom grau des Betons nun zum rot der unverputzten Ziegel gewandelt hat.


Die Gegend hier weißt nicht mehr die Enge einer Stadt auf. Ich weis nicht was das für die Menschen, die hier leben für ein Gefühl ist. Wie es sich anfühlt hier zu leben. Gerade weil die Fahrt nach Nova Esperança anderthalb Stunden dauert kommt man sich wirklich weit von der Zivilisation entfernt vor.


Wie ist es hier zu leben? In einer ziemlich großen Nachbarschaft. Mit so vielen Häusern, dass es fast schon wieder anonym werden könnte aber doch kennt man seinen Nachbarn, der auf der anderen Seite des Zauns wohnt.


Das Viertel, die Ansiedlungen hier sind zu groß um als ländliche Ansiedlungen durchzugehen aber trotzdem gibt es hier außer Privathäusern fast nichts.


Ein paar Bars um Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im Alkohol zu ertränken, ein Geschäfft das gebrauchte Kleidung verkauft und ein paar winzige Lebensmittelläden.
Und natürlich die Kirchen, die wahrscheinlich auch deshalb so voll sind weil es hier sonst einfach nichts gibt wo man hingehen könnte.

Dieses Viertel, von dem ich immer noch nicht einschätzen kann wie groß es eigentlich ist, kommt mir vielleicht auch deshalb so hoffnungslos vor, weil allein schon Odelzhausen, das mindestens genauso groß ist wie Nova Esperança so viele Geschäfte und soviel Treiben hat und trotzdem nur als Kaff betrachtet wird.

Dabei weiß ich erst jetzt was es heißen muss, in einer Gegend zu wohnen, in der wirklich nichts ist.

Wenn ich am Busterminal in den Bus steige, dann frag ich mich immer warum alle anderen Leute wohl in diesem Bus sitzen? Ich komme regelmäßig zu dem Schluss dass sie wohl in Nova Esperança wohnen müssen und von einem Ausflug zurück kehren, denn was sollte man dort sonst wollen. Auch habe ich immer das Gefühl etwas komisch angesehen zu werden wenn ich den Bus an der Haltestelle verlasse.
Vielleicht wird mir meine Nationalität nicht unbedingt angesehen aber doch falle ich auf, sei es allein durch meine Kleidung. Und ich habe immer das Gefühl als fragen sich die Leute, was will so eine, die nicht so aussieht als würde sie hier wohnen, denn hier?


Meine Arbeit
Nun ja, ich arbeite hier. In einem Projekt, dass wenn ich so darüber nachdenke wirklich wichtig für das Viertel zu sein scheint.
Steht man vor dem Gebäude, dann sticht es schon ziemlich heraus. Es ist wahrscheinlich das einzige Haus, das zum einen verputzt was man noch ab und zu sieht, zum anderen bunt gestrichen ist.

Gegenüber des großen Gebäudes steht seit drei Jahren ein kleineres, zweistöckiges Haus, das eine Bibliothek, eine Küche, ein Spielzimmer und zwei große Räume im ersten Stock beherbergt.
In diesem Haus halte ich mich die meiste Zeit auf, denn dort gebe ich meine Tanz- und Turnstunden.

Wenn ich morgens im Casa Legal ankomme dann warten meine Schüler meist schon auf der Strasse. Gemeinsam erklimmen wir die Stufen der Außentreppe um zu den Saelen im ersten Stock zu gelangen. Auf dem Weg schließen sich uns immer mehr Kinder an und sobald ich die Tür zum Tanzsaal öffne huschen auch schon 20 Kinder rein, schmeißen sich begeistert auf die, für die Gymnastikstunde vorgesehenen Matten und fazem bagunça – machen Quatsch!

Während meine älteren Schüler schon anfangen völlig unbeeindruckt die Hüften kreisen zu lassen, kämpfe ich wie jeden Morgen damit, die kleinen Rotzlöffel rauszuschmeißen, die anderorts gerade vermisst werden. Dann geht die Suche nach dem CD Player los, was mittlerweile schon fast ein Ritual geworden ist. Einmal den Kopf in alle Räume stecken und fragen ob jemand den CD Player gesehen hat, bis sich dann rausstellt er war die ganze Zeit in der Bibliothek nur hat man sich an ihn nicht erinnert.

Und so vergeht der Vormittag, bis Nachmittags eine neue Schaar Kinder kommt. Die ebenfalls unterhalten, in ihre Schranken gewiesen und beachtet werden will.

Unterhalten – Ja, so bin ich mir manchmal wirklich vorgekommen, vor allem am Anfang, als wäre ich hier einfach nur der Unterhalter. Warum?

Weil die Kinder in meine Stunde kommen und den Ersten bis ich, bisher von ohrenbetäubendem Geschrei zurückgehalten, anfangen kann schon wieder langweilig ist. Gerade will ich was erklären als die Konzentration schon wieder flöten ist und die Möglichkeit Streit mit deinem Nachbar anzufangen viel verlockender erscheint als mir zuzuhören.

So fühlte ich mich irgendwann einfach total überfordert mit dieser Meute, die zwar irgendwie was machen will mir aber nicht die Möglichkeit gibt etwas zu erklären und auch nicht auf Streit schlichtende Eingriffe reagiert. So entstand schnell das Gefühl hier hergekommen zu sein um sich auf der Nase herumtanzen zu lasen.

Aber wie so vieles hat sich auch dieses Gefühl mit der Zeit geändert.

Zwar kann ich nicht behaupten, dass die Kinder an Disziplin gewonnen hätten, aber allein meine Sprachfähigkeit reicht mittlerweile dazu mich eindrucksvoll bemerkbar zu machen und auch mal den Ein oder Anderen einfach rauszuschmeißen, wenn´s gar nicht mehr anders geht.

Sie in ihre Schranken weisen – Das ist leider ein sehr großes Thema, das fast die meiste Zeit der Unterrichtsstunden und des Tages in Anspruch nimmt.
So sehr die Kinder hier unsere deutschen in Lebensfreude, Impulsivität und Power übertreffen, so sehr fehlt ihnen Disziplin, Respekt und Pazifismus.

Es ist unmöglich mehrere Kinder zur selben Zeit an einem Ort zu versammeln ohne das innerhalb von fünf Minuten Streit ausbricht. Und dazu braucht es nicht mal Gegenstände, um die man streiten könnte.

Es reicht ein provokantes Wort und schon hat der Anstifter eine sitzen. Das geht meistens so schnell und an mehreren Orten gleichzeitig, dass man gar nicht weiß wo man zuerst dazwischen gehen soll.

Streit wird auch oft dadurch ausgelöst, dass es einfach an grundlegender Erziehung mangelt. Ganz einfache Sachen wie zuhören, wenn jemand spricht, ausreden lassen, sich in einer Reihe aufstellen und kapieren dass es völlig egal ist wer Erster, wer Zweiter und wer Dritter ist!!!

Sowas hat mich schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Eigentlich sehe ich den Sinn meiner Unterrichtsstunden gar nicht so sehr darin, den Kinder einen Tanz oder Kunststücke beizubringen, sondern einfach Unterricht zu halten und ihnen beizubringen was es heißt an einer Unterrichtsstunde teilzunehmen. Wie ich mich meiner Professora und meinen Mitschülern gegenüber zu verhalten habe. Dass ich nicht immer sofort mit den Fäusten zuschlagen muss, sondern Gott mir einen Mund zum reden gegeben hat.

Aufmerksamkeit – Das ist vielleicht ein Grund für die viel Streitereien. Oft kommen die Kinder in einem Streit zu mir und beklagen sich, der hätte angefangen und zwar deshalb…oder es wird sich drum geprügelt wer zuerst drankommt und ihrer Meinung nach ist das entweder der Stärkste oder der Lauteste.

Ich denke vielen Kindern fehlt es an Aufmerksamkeit und Zuwendung Zuhause. Sei es weil sie unter den ganzen anderen Geschwistern, die Zahl ist hier nach oben offen, ich hab sogar schon von 20 gehört, einfach untergehen oder von den Eltern einfach nicht die Liebe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen. wie Kinder für die man sich als Elternteil bewusst entschieden hat.

Sexualität und ungewollte Schwangerschaften

Ungewollte und meist viel zu frühe Schwangerschaft ist hier definitiv ein Problem.

Ich habe letztens ein Theaterstück gelesen, dass einige der älteren Kinder (11 bis 14) gerade Proben. Darin geht es genau um dieses Thema. Ein Mädchen wird schwanger und traut sich nicht sich ihrer Mutter anzuvertrauen. Als sie ihrem Freund davon erzählt, macht der sich natürlich aus dem Staub. (Wie das hier halt so ist). Im Grunde sagt das Stück am Ende, dass sich die Mütter mehr um ihre Töchter kümmern und sie über Sexualität und Schwangerschaft aufklären sollen. Aber wie soll das Jemand, der genau dieselbe Vorgeschichte hat?

Sexualität – Hier überhaupt ein sehr kompliziertes Thema mit zwei Gesichtern. Zum einen die Freizügigkeit, wie man sie von den weltberühmten Sambatänzerinnen kennt, riesige Ausschnitte, die in Deutschland mehr als Aufsehen erregen würden, Funke, ein durch und durch sexueller Tanz zu Musik deren Texte sich um dasselbe Thema drehen. Aber auf der anderen Seite dürfen Pärchen egal welchen Alters vor der Ehe nicht beieinander übernachten, große Ausschnitte sind erlaubt aber untenrum zu kurz verpönt und zu viel turteln in der Öffentlichkeit wird auch nicht gerade gerne gesehen.

Und das ist nur ein Teil einer Kultur, die uns auf den ersten Blick gar nicht so anders als die unsere vorkommt und doch stoße ich jeden Tag auf kleine Details, die mich überraschen aber auch verunsichern. Wie sol lich damit am besten umgehen? Verhalte ich mich gerade richtig?
Noch bin ich erst zwei Monate hier obwohl mir das schon echt lange vorkommt. Aber ich verspüre keine Trauer, sondern eher große Freude, dass ich noch weitere 10 Monate hier bleiben darf um immer weiter in diese Kultur, diese Sprache und dieses Lebensgefühl einzutauchen.
Danke für eure Unterstützung, die all diese Erfahrungen möglich machen!

Ich grüsse alle meine Leser, denn gerne dürft ihr meine Briefe an alle weiterleiten, die mich kennen und sich dafür interessieren.
Bis zum nächsten Mal,

Eure Carina

28.10.2008

Tolle Geburtstagsfeier!

Ulisses Rocha_26.10.08


Mal wieder Nachrichten aus Deutschland - das muss ich einfach loswerden!:

Das Konzert mit Ulisses Rocha zum 10 jährigen Geburtstag unserer Partnerschaft war einfach fantastisch, der gesamte Abend wunderschön und ein toller Erfolg in vielfacher Hinsicht: Volles Haus, viele begeisterte Besucher, Veronikas und Déboras Film kam endlich zu ehren, es gab leckerste Caipis und Salgadinhos, mindestens 2 neue Paten - und dann: Musik, die jeden in ihren Bann zog.

Ulisses konnte nicht gehen, bevor er noch eine 3. unvorbereitete Zugabe spielte.

Und natürlich war es schön, dann noch live die Stimmen unserer Freunde aus Brasilien zu hören.

Und 700 Euro Gewinn für das Casa Legal sind natürlich auch ein mehr als erfreulicher "Nebeneffekt" dieses Abends.

Aber klickt euch doch einfach mal durchs Fotoalbum - denn Bilder sagen oft mehr als Worte.

Volta rapidinho - komm schnell zurück! so sang Ulisses Rocha am Abend - uns bleibt nur ihm diesen Wunsch mit auf dem Weg zu geben.

Stefan Pickart

30.09.2008

Die Herzen sind angekommen!

Hallo ihr Lieben!

Nachdem der letzte Eintrag etwas niedergeschlagen war, möchte ich euch nun mitteilen, dass unser Leben hier von Tag zu Tag reicher wird. Wie bereits die Überschrift verrät, ist zumindest mein Herz hier endlich angekommen.
Was zum Grossteil daran liegt, dass wir endlich die ersten Freunde gefunden haben. Und diese Leute, die wir teilweise ganz unabhängig voneinander kennengelernt haben sich auch noch alle irgendwie kennen. Das ist lustig!
Beispielsweise haben wir Kontakt zu Leuten aus einem Jugendzentrum und einer Schule in Vitoria geknüpft. Dadurch haben wir auch gleich die Möglichkeit an vielen hauptsächlich sportlichen Angeboten teilzunehmen, die dort angeboten werden. Wie z.b. Forro (Brasilianischer Standartanz), Breakdance, Capoeira, Turnen. Das ist schon sehr cool auch weil diese Angebote hier alle umsonst sind und wir hier durch unsere tollen "connenctions" überall mitmachen dürfen was sonst nur für Schüler der Schule ist oder so.

Die Arbeit im Casa wird auch immer besser. Langsam kann man sich mit den Kindern besser verständigen und ihnen klar machen was man gerne von ihnen hätte.
Ausserdem gab es die letzten Wochen einen Graffiti Kurs dort, in dem die älteren Kinder und Jugendlichen die eintönig grauen Betonwände der Sporthalle (quadra) bemalt haben. Maren und ich haben auch eine Wand dort besprayt! Hat richtig Spass gemacht! Wer von euch hat in Deutschland schon mal n richtiges Graffiti gesprayt...? Hier ist das nämlich nicht illegal und man fühlt sich wahnsinnig cool dabei...:-)), sag ich euch.

Die letzte Woche hab ich mich hier wirklich sehr wohl gefühlt und hatte öfters den Gedanken, dass ich von all diesen Türen die mir hier geöffnet werden gar nicht mehr weg möchte. Aber andererseits wird dieses Gefühl, sich hier vielleicht doch schon eingelebt zu haben, schon wieder von einer bestimmten Sache getrübt!
Unsere letzten zwei Wochen, die wir ja hier in Vila Velha bei dieser sehr netten Familie verbracht haben, waren für mich sehr schön. Ich hatte den Umzug in die Albergue schon fast vergessen als gestern ein Anruf kam dass es heute soweit sein sollte. Das hat mich gar nicht so gefreut, da ich hier gerne noch etwas länger bleiben würde.
Jetzt haben wir jedoch gerade erfahren, dass die Albergue eigentlich immer noch vorne und hinten nicht fertig ist und wir dann halt heute Abend zur Elisa ziehen, ins Abrigo, das Haus für die "Waisenkinder".
Unser dritter Umzug wird damit fällig. Natürlich sind wir darüber nicht erfreut!

Aber was anderes tun als warten können wir eh nicht. Zumnidest kann ich die Arbeit im Casa mittlerweile mit Humor sehen, wenn mal wieder was nicht so klappt wie es sollte und auch die Wochenenden versprechen gute Aussichten, sogar die Sonne lässt sich nach zweieinhalb Wochen wieder blicken. Also alles halb so wild! Wir scheinen hier anscheinend unser Los als Nomaden gezogen zu haben aber das hat den Vorteil, dass wir uns mittlerweile in Vitoria und Vila Velha schon recht gut auskennen. Die Stadt ist mittlerweile meine und ich habe kein Problem auch mal ohne Maren wo hinzufahren oder Freunde zu besuchen. Hier dauert nur alles viel länger. Die Busfahrten, die Unterrichtsstunden, die Stunden am Tag an denen es keine Sonne gibt (geht hier ja schon um 6 unter), die Zeit die man auf seine Wohnung wartet....aber so ist das nunmal.

Macht euch keine Sorgen, ganz liebe Grüsse
Carina

09.09.2008

Die ersten Fotos...:-)

Hallo!

Diesmal melde ich mich aus dem Escritorio. Wir sind dort jeden Di und Do und verwalten das Patenprojekt zw. Friedensinsel und Casa Legal.

Nachdem ich ja das letzte Mal nicht wirklich vorbereitet war auf meine Tanzstunden hab ich mir am WE einen Tanz ueberlegt. Ich hatte erst den Anfang und dachte das wuerde reichen fuer eine Stunde aber die Kinder waren ganz schoen gut und konnten die Schritte bereits in einer knappen halben Stunde. Es ist wirklich schwer die ganze Zeit alle Kinder bei der Stange zu halten! Es passiert leider immer dass ein paar dann keine Lust mehr haben und sich einfach nur an Rand hocken, der andere Teil moechte aber tanzen...das ist schwer.

Ich hab dann mit ein paar Maedels die schon Tanzerfahrung hatten weitergetanzt und sie haben sogar noch ein paar Schritte dazu erfunden!
Spaeter hatte ich dann noch eine Gruppe die allerdings ein bisschen juenger waren und daher die fuer sie fast schon zu schwierigen Schritte schnell langweilig fanden...
Gelangweilt hab ich mich jedoch ganz und gar nicht. Im Gegensatz zu den Kindern, die Bewegung in der Hitze anscheinend gewoeht sind, war ich schon nach der ersten Stunde komplett durcheschwitzt und fertig! Leider ist das mit unseren Stunden noch ein kleines Durcheinander und jedes mal kommen wieder andere Kinder oder gar keine...

Naja, die Turnstunde ist wieder ausgefallen weil um die Uhrzeit naemlich schon alle Zuhause sind...

Wie mir die Arbeit dort wirklich gefaellt kann ich eg. noch gar nicht richtig sagen, da ich nach der ersten Stunde einfach nur total groggy durch die Gegend lauf und mich ausgehungert auf das Mittagessen stuerze. Entweder ich gewoehne mich da noch dran (obwohl der Sommer ja erst noch kommt) oder ich gebe einfach weniger Tanzstunden an einem Tag.

Jetzt waren wir grad Mittagessen in einem Pflegefamilienprojekt fuer 11 Jungs im Alter von 6 bis 12. Die waren total suess und ham uns gleich ihr Haus gezeigt...:-)

Dieses Projekt und das Escritorio und die alte Albergue in der wir hoffentlich bald wohnen, liegen alle ganz nah beieinander in einem Viertel das Maruipe heisst. Im Moment muessen wir noch ueber ne halbe Stunde mim Bus fahren um dahin zu kommen.
Ich hab die Maren grad losgeschickt um ein Foto von der alten Albergue zu machen. Damit ihr euch das mal vorstellen koennt. Sieht nich sooo toll aus aber das Aeussere stoert ja nicht. Momentan siehts innen zwar nicht besser aus aber das soll ja auch alles noch renoviert werden.
Obwohl ich sagen muss dass sie auf diesem Foto gar nicht mal so schlecht aussieht...und hier nochmal ein Foto von dem Teil wenn man zu diesem kleinen Tor reingeht. Und da wos rechts die Treppe hochgeht, gehts zu unserem zukuenftigen Apartment.


Jetzt noch ein paar andere Fotos! Ich entschuldige mich fuer die komische Anordnung und so aber irgendwie is das schwer so zu machen dass das toll aussieht!!

Trotzdem Viel Spass Damit!


Die Funk Tanzgruppe am Festa da Cultura (-> siehe vorheriger Eintrag)


Ich in unserem schoenen Zimmer.Ich schlafe gut behuetet von 100 Kuscheltieren...:-)



Eine typische "Strasse" in Nova Esperanca, dem Viertel in dem das Casa Legal steht.
















Ich mit meinen Patenkind Tais aufm Schoss und anderen Kindern am Festa da Cultura.

03.09.2008

Unser 1. Arbeitstag im Casa Legal

Oi!!

Jetzt meld ich mich mal wieder. Hab gesehen, der Stafan hat Fotos von mir und der Maren hochgeladen...Also dass wir noch keine fotos hochgeladen ham liegt hauptsaechlich daran, dass wir noch nicht wirklich welche gemacht haben...sind irgendwie nicht so die Fotografierer aber vielleicht schau ich sie jetzt doch mal durch ob was dabei is...

Ausserdem hat die Maren eher ein Problem mit Fotos von ihr im Internet daher werdet ihr auf sie eher verzichten muessen...ausser ich kann sie mal ueberreden...:-)

Gestern warn wir so ab 2 bei der Fatima und haben mit ihr unsere Woche geplant bis naechstes Wochenende, da sie morgen verreist.
Die Fatima kuemmert sich naemlich wirklich ganz toll um uns. Verbringt viel Zeit mit uns obwohl sie eigentlich wirklich viel zu tun hat, das rechne ich ihr wirklich an!
Wir sind bzw. werden hier sowieso sehr, sehr nett und aufmerksam aufgenommen!

Am Sonntag Abend beispielsweise waren wir im Gottesdienst unserer Partnerkirchengemeinde. Das war schoen. Dort waren viele Leute, die ich schon von unserer ersten Reise kenne. Joao Paulo, Nivaldo, Fam. Burtzlaf, Gabriella, Gertraude fuer alle dene diese Namen etwas sagen...:-)

Im Gegensatz zu den Gottesdiensten die ich vor zwei Jahren erlebt habe war dieser nicht zu lang und nicht zu arg langweilig...(koennte natuerlich ach daran gelegen haben dass ich einiges verstehen konnte...:-)
Am Ende hat uns die Fatima dann ploetzlich aus der Kirche geholt weil die anderen drinnen eine Ueberraschung vorbereitet haben und als wir dann wieder reinkamen stand sich die ganze Gemeinde in zwei Reihen gegenueber und wir sind an ihnen vorbeiggegangangen und wurden von jedem mit einer Umarmung Willkommen geheissen!
Das war schoen! Danach hat Gertraude Stafans Brief vorgelesen, den er an die Gemeinde geschrieben hat und wir wurden offiziel in diese Gemeinde aufgenommen!

Aber auch in anderen Projekten von Fe e Alegria wurden wir freundlich begruesst und herumgefuehrt. Natuerlich auch im Casa Legal, in dem wir heute unsere ersten Unterrichtsstunden mehr oder weniger gegeben haben, es gab naemlich einige Probleme...

Da wir erst gestern wirklich festgelegt hatten was wir fuer Kurse geben, naemlich Maren Artes (quasi Basteln) und mithelfen beim Capoeira Unterricht und ich Tanzstunden und Turn-und Akrobatikstunden, hatten wir keine Zeit mehr uns fuer heute vorzubereiten.

Maren hat sich noch schnell Elefanten aus Papel mache (Pappmasche) basteln ausgedacht und ich...naja, nix...?
Das stellte sich dann auch als Problem heraus...
Eigentlich wollte ich von den Kindern wissen ob sie schon einen bestimmten Tanz gelernt hatten oder Bewegungen koennten, die sie mir zeigen koennten aber irgendwie konnten sie nur so bisschen Salsa und mit ihren Hintern wackeln...das war also kein besonders erfolgreicher Weg.

Also wollte ich dass jeder eine Bewegung vormacht und wir anderen machen sie nach...hat natuerlich auch nicht geklappt...

Ausserdem wollte ich wissen auf welche Musik sie tanzen wollen und welche Art von Tanz(schritten) sie gerne lernen wuerden...ja, da kam dann raus dass sie Funke (sprich: Fanki zu deutsch Funk) lieben, was wie mir gesagt wurde gaaaanz schrecklich sein soll UND, jetzt kommts, sie wollen eine bestimmte Art von Tanz lernen, die in unseren deutschen Agen aeusserst obszoen ist, naemlich...die hauptsaechlich maennlichen Taenzer stehen breitbeinig etwas in den Knien da und klappenstossen ihre Hueften vor und zurueck, was naja...ihr koennt euch denken wie das aussieht...

Wir haben bereits eine auesserst eindringliche Vorfuehrung dieses Funke Tanzes bekommen. Naemlich beim Festa da Cultura, letztes WE, da war naemlich eine Gruppe von 5 jungen Maennern die zeigten wie eindrucksvoll sie ihre Becken zum Rythmus der Musik "bewegen" koennen...ja, wir warn erstmal etwas geschockt, dass so eine Gruppe auf einem Fest fuer Kinder auftreten darf...naja...
Am allerstollsten ist uenrigendsa der, der diese Stossbewegungen am schnellsten ausfuehren kann, deutsche Frau denkt sich da ihren Teil zu brasilianischen Maennern...(und dem Geschmack kreischender Brasilianerinnen)

Naja..Maran hatte heut auch nicht mehr Glueck mit ihrem Papel-mache Zeugs, der Kleister hat nicht wirklich gehalten und anstatt ein Tier zu werden wurde er natuerlich fuer alles andere verwendet...

Obwohl dann nicht mal mehr unsere Turnstunde stattfand war ich um 4 Uhr schon dermassen von Kindern und HITZE erledigt, dass ich froh war heimfahren zu duerfen!

Ganz ohne ungewolte Stadtrundfahrt hat auch das nicht funktioniert, da wir in den falschen Bus gestiegen sind.
Das ist hier aber auch wirklich nicht leicht, da es weder Busplaene mit Uhrzeiten oder Streckennetz, noch gut sichtbare Bushaltestellen gibt, wenn es welche gibt steht natuerlich nicht da wie sie heisst und man erwartet auch zuviel wenn man nach den Nummern der Busse sucht die dort halten.

Aber gluecklicherweise werden wir der portugiesischen Sprache mittlerweile immer maechtiger und konnten die Ratschlaege des Busfahrers, mit welchem Bus wir jetzt doch noch nach Hause kommen,verstehen.

Jetz hat grad der Papa von der Aline ein Gespraech mit mir angefangen und jetzt muss ich leider Schluss machen@!

Beijo pra voces!!

Ciao Carina

02.09.2008

Video über das Casa Legal und Nova Esperanca

Hallo,
noch mal eine Meldung aus Deutschland.
Unsere Freiwillige Veronika (Oni) brachte bei ihrer Rückkehr ein Video über das Casa Legal und das Leben im Bairro (Wohnviertel) Nova Esperanca mit, dass sie mit Débora Nunes zusammen gedreht hat. Es gibt einige gute Einblicke in das Leben der Menschen dort. Leider ist die Bild und Tonqualität nicht immer optimal, da mit einer recht simplen Fotokamera aufgenommen, aber dass anschauen lohnt sich für alle die ein bisschen mehr über das Leben dort erfahren wollen!

Bei Gelegenheit werde ich es noch in einzelne Kapitel unterteilen, denn so dauert das ganze 38 Minuten.

Zum Betrachten einfach auf das Bild oder den Link darunter klicken:


Nochmal ganz herzlichen Dank an Veronika (Oni) und Débora für diese Einblicke!

Liebe Grüße Stefan Pickart

29.08.2008

Fotos von Carina und Maren

Hallo,
eine kurze Meldung aus Deutschland.
Bis die beiden an ihren Foto denken, schon mal ein paar Fotos von ihrer Abreise aus Deutschland.

Beim Klicken auf das Foto, öffnet sich ein Album!

Liebe Grüße
Stefan Pickart

Carina und Maren

Erste Erlebnisse

Wie die Ueberschrift schon verraet, ist hier endlich mal was passiert!
Gestern Nachmittag hat uns die Fatima (Leiterin des Casa Legal) abgeholt und uns auf ihre Erledigungstour mitgenommen. Das war voll nett von ihr dass sie uns einfach mitnimmt, damit wir mal bissl rauskommen.

Zuerst sind wir in ein Projekt in der Stadt gefahren das sich CaJun nennt. Ist im Primzip das gleiche wies CL nur ist der Traeger die Stadt. Dort haben wir eine kleine Fuehrung von einem sehr netten Brasileiro bekommen der etwa in unserem Alter war und dort arbeitet.

Anschliessend gabs dort was richtig cooles, naemlich einen riesen Geburtstagskuchen fuer alle. In dieser Tagestaette wird naemlich an jedem Monatsende der Geburtstag aller Kinder, die in diesem Monat hatten, gefeiert. Und jeder bekommt ein Stueck pappigen Schockoladenkuchen, auch wir. Dazu gabs Trauben Limo das wie Karamalz geschmeckt hat.

In diesem CaJun hats uns schon mal ziemlich gut gefallen und hat unsere Vorfreude auf die Arbeit im Casa Legal ziemlich erhoeht!

Anschliessend sind wir ins Centro gefahren und ham uns um ein paar Bankangelegenheiten gekuemmert.
Als wir im Centro aus m Auto gestiegen sind, wars fuer mich schon erst mal krass! Hier gibts durch die ganze Stadt, die groesser ist als Muenchen, drei spurige Fahrbahnen in beide Richtungen und die Autos, Busse und Motorraeder brausen teilweise mit Tempo 80 durch die Gegend. Hier ist wirklich Vorsicht angebracht!
Ausserdem fuehlt man sich nach kuerzester Zeit richtig schmutzig wenn man da rumlaeuft. Ich hatte das Gefuehl ueberall an mir kleben Abgase!

Das ist hier wirklich ziemlich krass fuer so ein Landei wie mich aber auch fuer Leute die bei uns in der Stadt wohnen waer das bestimmt nochmal ne Stufe verschmutzter!
Was mir auch aufgefallen ist, als wir mit Alines Mutter und deren Hund raus gegangen sind, dass es zwar vereinzelt Baeume gibt die aus dem Beton hervorragen aber quasi keinen Rasen, von Gruenflaechen ganz zu schweigen. Das war irgendwie krass zu sehen wie der Hund an den einbetonierten Baum pinkeln musste...

Nach unseren Besorgungen in der stadt sind wir dann weiter nach Cariacica gefahren weil wir noch etwas im Casa Legal abladen mussten.
Fatima hat uns das mit den Staedtyen erklaert. Hier in der Gegend gibt es 5 grosse Staedte, Vitoria, Cariacica, Serra, Vila Velha und noch eine.

Cariacica und Serra sind die groesseten aber Vitoria ist die Hauptstadt des Bundesstaates. Und alles diese 5 Grossstaedte liegen ganz nah beieinander und gehen Teilweise sogar ineinander ueber sodass man sich hier eigentlich in einer Megastadt befindet!

Leider ham wirs bisher immer verplant unsern Foto mitzunehmen aber ich liefer euch schon noch ein Grossstadtfoto!!

Als wir schlieslich im CL ankamen war schon keiner mehr da, es war schon 7 oder so. Generell war in Nova Esperanca nix los, fast niemand auf der Strasse. War irgendwie ziemlich komisch dort zu sein wenns dunkel ist....dasdas Viertel ja eher immer als armes, gefaehrliches Viertel beschrieben wird und man sich da nachts sowieso nicht aufhalten sollte...aber irgendwie erschien mir das ganze ziemlich friedlich...naja, Angst hatte ich jedenfalls keine!!

Wegen gefaehrlichem Viertel: Gefaehrlich isses da nicht. Es gibt natuerlich Kriminalitaet aber eher Nachts wo wir dann sowieso in unseren sicheren Bettchen sind...:-)
Und die Mitarbeiter des CL werden sowieso geachtet und beschuetzt, also eg. alles unter Kontrolle!! (wir werden natuerlich trotzdemm vorsichtig sein)

Das war eigentlich unser Tag. Ham uns noch viel mit Fatima unterhalten. Sie hat eine traumhafte Ausprache, ich versteh quasi alles was sie sagt, was man von den uebrigen Leuten eher nicht behaupten kann!

Sie hat uns Ausserdem gesagt dass wir bestimmte Kurse an der Uni umsonst besuchen koennten. Z.B Capoeira fuer die Maren und ich koennte vielleicht einen Kunst kurs besuchen der sicher gut waere fuer meine Mappe! Aber das muss man noch auf sich zukommen lassen!

So jetzt gibts dann gleich Mittagessen und dann fahrn wir wieder ins CL und treffen uns dort mit Jugedlichen denen wir Deutsch und Englisch Unterricht geben sollen...da freu ich mich schon drauf!!

Und heut Abend gibts Mega Churrasco (Grillfest) mit 10kg Flrisch was wir grad gekauft ham...

jetzt gibts wirklich Eseen!

Also erstmal Tschuess, ich hoffe ich hab viele Leser!

xiau, beijo Carina