26.08.2006

Ein Geburtstag in der "Mittelschicht"

Hallo liebe Tagebuchleser!!

Nachdem Lena uns einen tollen Eintrag ueber die hiesige "Mittelschicht" praesentiert hat, wurde mir nun die Ehre zuteil selbst Gast auf so einer beruehmt - beruechtigten 15. Geburtstagsparty zu sein!!!
Meine Gastschwester Aline erhielt eine Einladung zu diesem Geburtstag und weil ich eben gerade bei ihr wohne, durfte ich mitkommen!
Da diese Partys wie wir nun wissen aeusserst exklusiv ablaufen musste fuer die Stylingzeit natuerlich genung Zeit eingeplant werden!Mit knappen 2,5 h sind wir ganz gut hingekommen...

Die Party fand in einem Club, einer Location statt die extra fuer solche Anlaesse gemietet werden kann.Am Eingang empfing uns ein Bodygard im Smoking der uns nur einliess da wir ihm unsere Einladungskaertchen gezeigt hatten.(Natuerlich sind auch die Einladungen bei solchen Festen dementsprechen rosa und pompoes)

Danach erblickten wir ein riesiges Portraitfoto der Gastgeberin das unseren Blick auf einen wunderschoen beleuchteten Pool lenkte, der allerdings nur zur "Dekoration" gedacht war!

Der Raum war sehr edel gestaltet, hauptsaechlich in rosa und weiss und an der Decke hingen Kronleuchter...aber mehr will ich nun auch nicht mehr schreiben!Schaut es euch selbst an...;-)

Hier ist das Geburtstagskind...


Und hier sehen sie das Ambiente...


Und natuerlich die Gaeste....meine Gastschwester, Ich und zwei Freundinnen!!!



Eure Carina

25.08.2006

Nos amamos Casa Legal!!!!! (Wir lieben das "tolle Haus"!)

Boa noite!

So, ich wage jetzt einmal das Unmoegliche, gehe auf Solokurs und berichte alleine von unseren gemeinsamen Erlebnissen vom Donnerstag, dem 24.August!!!
Nochmal kurz Mut ansammeln und Kraft fuer die sicherlich auf mich zukommende Kritik der anderen und los gehts! ;-)

Am Donnerstag morgen wurden Karin, Matze und Karina gleich mal von den anderen Jugendlichen getrennt, die noch auf die (mal wieder) verspaeteten Erwachsenen unserer Gruppe warten mussten, und von Unbekannten in einem Auto mitgenommen. Nach einer Irrfahrt durch die ihnen immer noch unbekannten Strassen Vitorias fanden sich die drei in einem kleinen, abgelegenen, armen Viertel wieder und wurden wieder in ein Projekt, diesmal der Stiftung Sementes (deutsch: "Samen"), gebracht. Vom Gruppen-Papa und Uebersetzer im Stich gelassen, bekamen sie eine portugiesische Fuehrung durch das Haus und mussten nun selbst versuchen, moeglichst viel der Erklaerungen und Ausfuehrungen zu verstehen und selbst Fragen zu stellen! Wer unsere Berichte ueber z.B. unsere Postaufsuchepisode gelesen hat, kann sich sicherlich gut vorstellen, wie das Ganze abgelaufen ist und wie froh die drei waren, als endlich der Rest der Gruppe eintraf!

Wieder vereint bekamen wir dann alle einen Vortrag ueber Kinderarbeit zu hoeren - der Leiter des Projekts hatte sich richtig Gedanken gemacht und ein paar Leute eingeladen, unter anderem Regierungsvertreter, die uns ueber die Umstaende zu diesem Thema in Brasilien informieren sollten. Wir hatten uns alle sehr auf dieses Gespraech gefreut, da wir uns einig sind, dass es ein sehr wichtiges und grosses Problem ist, ueber das wir gerne mehr erfahren wollten, doch leider wurden wir etwas enttaeuscht!
Uns wurden sehr viele Zahlen und Statistiken praesentiert, die uns allerdings sehr unglaubwuerdig erscheinen und die auch von Praesentation zu Praesentation sehr unterschiedlich waren! Die Vertreter der Regierung versuchten unserer Meinung nach, das Problem klein zu reden und uns davon zu ueberzeugen, dass sie (sprich die Regierung) alles im Griff haben und es bald so gut wie gar keine Kinderarbeit in Brasilien mehr geben wird.

In Espirito Santo leben ungefaehr 600.000 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre und laut Regierungsstatistiken arbeiten ca. 50.000 davon illegal, die meisten als Landarbeiter, Hausangestellte oder eigenstaendige "Verkaeufer".
Laut Verfassung duerfen Jugendliche zwischen 14 und 16 nur in einer Ausbildung (sprich Lehrstelle) arbeiten und Kinder unter 14 Jahren gar nicht. In der Realitaet schaut das allerdings sehr anders aus! Wir haben nun schon so viele Kinder gesehen, die am Strand z.B. Getraenke verkaufen, im Stau zwischen den Autos umhergehen und versuchen, Kekse oder Zeitungen loszuwerden und ein paar Reais zu verdienen, oder aus dem Muell die Dosen raussuchen, um diese zu einem Recycleplatz zu bringen und dafuer einen kleinen Lohn zu bekommen. Kinder, die ganz sicher nicht in einer Lehrstelle arbeiten und von denen die meisten wohl auch noch nicht 16 Jahre alt waren! Die Politiker in unserem Gespraech wollen allerdings auch dafuer schon eine Loesung gefunden haben. Sie sagen, sie haetten Sozialarbeiter, die auf der Strasse beschaeftigt seien und sich um solche Kinder kuemmern wuerden. Dieses "kuemmern" schaut dann so aus, dass diese Streetworker an ihre Chefs weiterleiten, dass sie ein Strasenkind gesehen haben, das illegal arbeitet. Die versuchen dann, die betroffene Familie ausfindig zu machen und einem Gerichtsprozess zu unterziehen, um zu verhindern, dass das Kind weiterhin arbeiten muss. In der Theorie mag sich das ja nett anhoeren, doch ich denke uns ist allen klar, wie unrealistisch dieses Konzept in der Praxis ist!
Eine Forschung der Stiftung Sementes zeigt z.B., dass in dem Viertel, wo das Projekt stationiert ist, 96% der Befragten Kinderarbeit fuer vollkommen in Ordnung halten und das Durchschnittsalter, in dem die Erwachsenen dort zu arbeiten begonnen haben, liegt bei 8,2 Jahren!
Das zeigt doch wohl, dass dieses Problem noch lange nicht geloest ist und es wohl noch eine Menge Arbeit fuer Brasilien, aber auch fuer uns alle, gibt, um eine kinderarbeitfreie Welt zu schaffen!

Den Nachmittag verbrachten wir dann im uns inzwischen schon sehr ans Herz gewachsenen Casa legal! Diesmal war das ganze etwas organisierter und als wir ankamen empfangen uns gleich wieder ein paar suesse, froehliche Kinder, die uns umarmten und begeistert versuchten, sich mit uns zu unterhalten!
Nach dieser stuermischen Begruesung suchte Fatima unsere Patenkinder, damit wir uns ein bisschen mit ihnen unterhalten konnten! Inzwischen haben naemlich fast alle in unserer Gruppe ein Patenkind im Casa legal, manche schon laenger, andere erst seit dem "festa da cultura". Die einzige, die sich noch nicht dazu durchringen konnte, bin ich (Karina), da ich es einfach nicht uebers Herz gebracht habe, mir aus den vielen suessen Kindern nur eines auszuwaehlen...ich werde aber auch die monatliche Unterstuetzung ans Casa legal zahlen!
Die kleinen auserwaehlten Patenkinder waren total gluecklich und stolz, dass sie eine Patentante bzw. einen Patenonkel in Deutschland haben und liessen diese gar nicht mehr los! Im Gespraech erfuhren wir viel ueber ihre Hobbies, ihre Aktivitaeten zu Hause (bei den meisten Fern sehen) und im Casa legal (Capoeira, Theater, Basteln, malen...), aber auch ueber ihre Familiensituation (nur zwei der 7 Kinder leben mit beiden Eltern zusammen, viele kennen ihre Vaeter ueberhaupt nicht). Sie waren zwar etwas eingeschuechtert, aber total offen, nett und freundlich!

Anschliesend durften wir dann noch die Haeuser der Patenkinder besuchen und deren Familien kennenlernen. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir unsere Ansichten bezueglich arm und reich schon stark geaendert haben! Am Anfang unserer Reise waeren wir von den meisten der Haeuser sehr schockiert gewesen und haetten uns nicht vorstellen koennen, wie man unter diesen Umstaenden leben kann! Doch nun, da wir schon viel schlimmere Behausungen erlebt hatten, erschienen uns manche der Haeuser schon fast als exklusiv! Von exklusiv kann allerdings wirlich keine Rede sein! Meistens leben die Familien zu fuenft oder sechst in einer winzigen Wohnung mit nur einem, allerhoechstens zwei Schlafzimmer, einem Bad, einem winzigen Wohnzimmer und einer noch kleineren Kueche.

Bei Matze's Patenkind war nur die Mutter zu Hause, die einen sehr labilen und psychisch angeschlagenen Eindruck machte! Wie sie uns auch bald erzaehlte, ist ihr Mann Alkoholiker und im Suff sehr brutal. Er schlaegt sie und ihre Kinder; sie berichtete, dass sie einmal Geld gespart hatte, um ihrer Tochter ein Handy kaufen zu koennen, doch er habe dieses Geld dann selbst ausgegeben und vor lauter Zorn den Vorhang im Zimmer ihrer Tochter angezuendet und das Fenster dort eingeschlagen...wir selbst haben das zerbrochene Fenster gesehen! Die zehnjaehrige Ranielle und ihr kleiner Bruder sind daher nicht sehr oft zu Hause, oft schlafen sie bei ihrer Oma. "Manchmal habe ich auch gar keine Lust sie zu sehen, aber dann vermisse ich sie schon oefter", so die an Panikattacken und Angstanfaellen leidende Mutter, die sehr zurueckgezogen in ihrem winzigen Haeuschen lebt.

Bei Karin's Patenkind, einem achtjaehrigen, schuechternen Jungen, dessen Namen mir leider gerade entfallen ist (die Namen hier sind aber auch nicht leicht zu merken!) trafen wir die Eltern erst gar nicht an, sondern nur ein junges Maedchen, dass sich um den Haushalt und die drei kleinen Kinder kuemmert. Die Eltern des Jungen arbeiten beide den ganzen Tag in der Stadt und wir wissen nicht, wie oft er und seine zwei suessen Brueder sie zu sehen bekommen!

Lena's Patenkind ist die juengste, die schuechternste und wohl auch die aermste unter den von uns angenommenen Kindern. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater (ihren eigenen Vater kennt sie nicht), ihrer kleinen Schwester und der Familie ihrer Mutter in einem winzigen Haus an einem Abhang. Wir sind nicht hinein gegangen, ihre Mutter war fast genauso verschuechtert wie die Kleine und wir wollten nicht unhoeflich erscheinen, aber das Haus kann wohl nicht viel groesser als ein einziges Zimmer bei uns gewesen sein und es ist mir ein Raetsel, wie sie dort mindestens zu sechst leben koennen!

So haben wir nun schon mehrere Schicksals- und Lebensgeschichten gehoert und es ist uns immer bewusster geworden, wie wichtig das Casa legal in diesem Viertel ist und was fuer eine tolle Arbeit die Leute dort leisten! Egal, ob es um kleine Kinder geht, die dort in den Kindergarten gehen koennen und geistlich und paedagogisch gefoerdert werden; um die 6-16 Jaehrigen (die wir in Odelzhausen mit den Patenschaften unterstuetzen), die tolle Workshopangebote und Freizeitbeschaeftigungen geboten bekommen und daher nicht mehr den ganzen Tag nur auf der Strasse herumhaengen und auf bloede Gedanken kommen koennen; oder die aelteren Jugendlichen, die jetzt auch dort eine Ausbildung machen koennen, um bessere Chancen auf einen Beruf zu erhalten, das Casa legal bietet fuer jeden etwas!!! Und hier moechte ich auch noch einmal ein Lob an Sabine und Patrick aussprechen, die in ihrer Zeit hier wirklich viel geleistet haben und die alle noch in sehr schoener Erinnerung haben!

Und das Casa legal waechst und waechst immer noch! Es ist schon ein Neubau in Planung und neue Leute sollen eingestellt werden, damit noch mehr Kinder noch oefter (bis jetzt koennen die 6-16 Jaehrigen nur ein- bis viermal pro Woche kommen) Spass im Casa legal haben koennen und damit auf den rechten Weg geleitet werden koennen!

Wir sind jedenfalls total begeistert von diesem Projekt (nos amamos Casa legal!!!) und hoffen, dass sich in Deutschland noch viele Paten finden werden, damit es auch weiterhin am Leben erhalten und noch ausgebaut werden kann!

Den Abend liesen wir dann bei einem Churrasco (einer Grillfeier) mit den Mitgliedern unserer Partnergemeinde mit einem kleinen Vortrag ueber unsere Arbeit in Deutschland, einem Gespraech ueber unseren Aufenthalt hier und Forro (der Volkstanz hier) ausklingen!

Ganz liebe Gruesse, vor allem auch an die Paten in Deutschland,
Karina

Neuer Eintrag - Unbedingt anschaun!!!

Halli - Hallo!!!

Es freut mich ja echt total, dass so viele Leute so begeistert unser Tagebuch lesen!Darum bemuehen wir uns natuerlich immer um tolle Eintraege und versuchen alles erlebte moeglichst schnell ins Netz zu stellen!

Beim Eintrag ueber das Casa Legal hat das leider nicht so gut geklappt!Wegen diversen Schwierigkeiten konnte diser Eintrag leider erst heut veroeffentlicht werden!

Damit ihn aber trotzdem alle lesen schreibe ich hier jetzt nochmal eine Erinnerung!

Also ihr findet den Blog unter dem Eintrag mit den Kaffeblueten ;-)
Einfach bisschen runterscrolen dann seht ihr ihn schon!!

Und immer fleissig Kommentare schreiben!!

P.S.: Sybille, schoen dass du dich uns vorgestellt hast, wir freun uns schon darauf dich kennen zu lernen

18.08.2006

Kurzer Gruss vom Reiseleiter!

Hallo,
wollte nur mal mitteilen, dass es mich auch noch gibt und es mir gut geht.
Ich halte mich nur hier im Blogger etwas zueruck, da die Jugendlichen mit ihren frischen Eindruecken das viel besser machen, als ich als alter Brasilien-Hase.

Ich freu mich heute Vormittag mal ueber einen freien Vormittag im Hause Burzlaff, da wir erst heute nachmittag ins Casa Legal fahren.

Ubrigens freuen sich die Jugendlichen immer sehr ueber jeden Comment zu den Eintraegen (einfach auf Comment klicken - und dann z.B. Anonymous auswaehlen so muss man sich nicht einloggen) oder ueber Eintraege ins Gaestebuch - auf der linken Seite nach unten scrollen - da motiviert zum weiter schreiben!
Herzliche Gruesse vom "Guia Touristica" , Dolmetscher und Gruppen-Papa
Stefan

16.08.2006

Privatschulen vs. oeffentliche Schulen

Oi nos amoros!

Heute ging unsere Schulentour weiter. Auf dem Programm standen die oeffentliche Universitaet und eine privater als Privatschule. Der Treffpunkt vor der Uni war eigentlich halb 10, Mazinho wurde allerdings schon um halb neun (Anruf viertel nach acht), von unserer Kirchenvorstandsfreundin (siehe Stecknadeljagd mit Karina), der Spitzdeckenoma (Name von der Redaktion geaendert) abgeholt und bekam eine individuelle Sightseeingtour durch die Strasen und Parks Vitòrias. Waehrenddessen versuchte Stefan verzweifelt, sich in der brasilianischen Strasenordnung zurechtzufinden, was in barschen Auseinandersetzungen mit der Polizei endete. Bei Karin und Lena hingegen lies sich weder die Polizei, noch die Spitzdeckenoma blicken und auch der Fahrer musste erst organisiert werden (Abfahrt 10 Uhr).

Soweit, sogut. Als wir also mit einer Stunde Verspaetung die Besichtigungstour antraten, waren die Nerven unserer Teilnehmer schon etwas strapaziert. Es wurde dann aber doch noch zu einem beeindruckenden Ausflug, auch wenn Mazinho staendig Unterlagen fuer den Bau einer Atombombe witterte und Spionagetouren startete - was auf endlosem Videomaterial hinterlegt ist und bald an ZDF und ARD weitergeleitet werden wird ;-) . Das Unigelaende ist ungefaehr so gros wie ganz Odelzhausen, es gibt eine eigene Bank, Post und eine sehr "delikate" Mensa. UFES ist eine der schoensten und besten Universitaeten im Land und daher sehr begehrt. Im Studiengang Jura, in dem wir eine Klasse besucht haben, wurden von 3000 Bewerbern nur die besten 120 ausgewaehlt. Die meisten Schueler, die die Aufnahmepruefung bestehen kommen daher zu 80% aus privaten Schulen.

Eine dieser Schulen stand dann nach einem sehr koestlichen Mittagessen (unserer taeglichen Mahlzeit: Fischeintopf) auf dem Programm. Der Unterschied zu den oeffentlichen Schulen, die wir bereits besucht haben, war mal wieder bemerkenswert. Die Meinungen ueber diese Schule gehen in der Gruppe und auch in den einzelnen Personen etwas auseinander.
Einerseits war das Konzept sehr durchdacht, es gab viele anschauliche Lehrmittel (Leseecken, Videoverleih, Beamer, paedagogische Spiele, konservierte Tiere (lecker...), grose Computerraeume usw.) und das Schulgelaende war sehr schoen gestaltet und gepflegt (riesiger Park, Spielplatz, toller Sportplatz, Tierkaefig, Kirchengebaeude usw.).
Vieles war sehr faszinierend fuer uns, aber im Nachhinein haben wir uns gefragt, ob das alles wirklich notwendig ist (Mikrofone in den Klassenzimmer, eigene Marketingabteilung, Tanzstudio, Kinoraum) .

In Deutschland haetten wir so eine Schule wahrscheinlich sehr gut geheisen, da viele Lehr- und Lernmoeglichkeiten vorhanden sind. Hier in Brasilien allerdings, nachdem wir nun schon desoefteren in Elendsvierteln waren und gesehen haben, in was fuer Schulen die Kinder dort lernen muessen (wenn sie ueberhaupt diese Chance haben), ist es fuer uns etwas makaber, zu sehen, wie die reicheren Kinder fuer 500 Real pro Monat (mehr als viele Brasilianer pro Monat verdienen) ausgebildet werden.

Der Direktor hat uns zwar versichert, dass die Schule ein Sozialprojekt unterstuetzt, damit auch Kinder aus sozial schwaecheren Familien an diese Schule gehen koennen - allerdings nur ca. 5%. Wie unsere schlauen Mathematikkoepfchen gerade ausgerechnet haben, verdient die Schule
1 700 000 Real pro Monat - koennten da nicht noch mehr Stipendien ausgeteilt werden?

Ein Problem, dass hier in Brasilien wohl sehr viele Leute beschaeftigt und leider nicht so leicht zu loesen ist - versuchen werden wirs jedenfalls trotzdem!

Hoffen wir haben euch wieder etwas Stoff zum Nachdenken liefern koennen. Wir merken hier erst so wirklich, wie gut wir es zu Hause haben, und dass es viel zu viele Menschen gibt, denen nicht die Moeglichkeiten zur Verfuegung stehen, ueber die wir uns leider viel zu oft beschweren (Politik, Wirtschaft, Bildung ...). Ein Appell von uns aus dem immer noch sonnigen Brasilien:
Seid mit dem zufrieden was ihr habt, es ist sowieso mehr als Menschen brauchen!

Viele liebe Gruese,
die Hobbyphilosophen

P.S.: Bilder werden mal wieder nachgereicht.

12.08.2006

Rio mal anders!








Oi!

Wir sind hier jetzt im casa na praia, so na praia ises auch nicht, aber trotzdem schoen, sind ca. 200m bis zum Strand. Die letzten Tage waren wir ja in Rio und da haben wir so allerhand gesehen und erlebt. Wir haben gemerkt: wer in Rio war, den kann nichts mehr erschuettern. Aber nun mal der Reihe nach:

Als wir am Montag in Rio gelandet und mit dem Taxi zu unserer Unterkunft gefahren sind haben wir gleich die sogenannten "favelas" (Elendsviertel) gesehen und konnten es kaum glauben! Selbst wenn man mit dem Auto an den aufeinandergestapelten Bruchbuden vorbeifaehrt, kann man sich noch nicht wirklich vorstellen, unter welchen Umstaenden die Menschen dort leben muessen (siehe Foto)!
Selbst ohne die staendigen Drogenkriege und Schiesereien waere das Leben dort hart genug, da den Familien entweder kein oder nur ein geringes Einkommen zur Verfuegung steht. Der Staat bietet zwar eine kleine Unterstuetzung, jedoch reicht diese fuer die grosen Familien nie aus! Sie wohnen dort Wand und Wand und haben meist nur ein oder zwei Zimmer (siehe Foto), in denen die mehrkoepfigen Familien kochen, essen und schlafen muessen.
Die Miete fuer ein paar dieser oft sogar dachlosen Lehmhuetten, denen der Name "Haus" fast nicht wuerdig ist, betraegt umgerechnet ca. 150 Euro - sogar mehr als der momentane Mindestlohn in Brasilien.

All das merkt man den Leuten, die dort leben allerdings ueberhaupt nicht an - jeder ist einwandfrei angezogen, sie geben teilweise mehr Geld fuer Kleidung als fuer Essen aus.

In einem Gespraech mit dem Pfarrer Mozart (siehe Foto), der genau neben einer favela ein sehr erfolgreiches Projekt fuer kleine Kinder, die dort aufwachsen muessen, aufgebaut hat, haben wir auch viel ueber die politische Situation erfahren. Die Partei, die momentan an der Macht ist, war die grosse Hoffnung der Brasilianer, da sie bereits in der Opposition sehr erfolgreich waren und sich stark fuer die Arbeiter eingesetzt haben.
Die Leute, die dem Praesidenten Lula ihre Stimme gegeben haben, wurden jedoch stark enttaeuscht. Sobald dieser an die Macht kam, aenderte er seine Strategie von "Brasilien wieder nach oben bringen" in "So lange wie moeglich an der Macht bleiben".
Und diese Strategie verfolgen sie nun mit allen Mitteln. Da bald wieder Wahlen anstehen, statten die Politiker den Bewohnern in den favelas und den aermeren Gegenden wieder regelmaesige Besuche ab, veranstalten Grillfeste und verteilen Schnaps und andere Geschenke.
Eine ihrer vielen Maschen ist es z.B. zahnlosen Menschen vor der Wahl eine Haelfte des Gebisses zu geben, die zweite jedoch bis nach der Wahl einzubehalten.
Nach 20 Jahren Militaerdiktatur sind die Menschen hier politisch so resigniert geworden, dass solche Korruptionen leider moeglich sind. Da die Menschen sowieso schon so viele Probleme haben ist es ihnen egal, was langfristig passiert, so lange es ihnen kurzfristig besser geht.

Doch so aussichtslos das alles fuer uns klingt - die Menschen sind nicht hoffnungslos. Als wir etwas auserhalb von Rio zwei Familien besucht haben waren diese sehr stolz auf ihre winzigen Haeuser und das was sie haben (Schweine, Huehner, Tauben), sie denken nicht an das was sie haben koennten.
Fuer uns war es sehr schlimm zu sehen wie diese Menschen dort gewohnt haben, doch als wir eine Frau fragten, ob sie gerne dort lebe, bejahte sie dies zufrieden.

Wir haben schon so viele Eindruecke gesammelt und das ist so ein endloses Thema, dass wir hier noch 10 Seiten schreiben koennten - wir haben uns vorgenommen in Deutschland viele informative Vortraege ueber diese Erlebnisse zu halten, aber wir freuen uns natuerlich jetzt schon auf eure Kommentare und Fragen und beantworten diese gerne!

Aber wir hatten nicht nur so viele ernste und erschreckende Erlebnisse, sondern auch jede Menge Spass und Touri-Program.

Zuerst konnten wir vom corcovado (der grosse Jesus, der Rio beschuetzt) eine Hammeraussicht ueber Rio bei Tag geniesen (siehe Foto) und dann vom Zuckerhut aus bei Nacht!

Die Wellen hier sind der absolute Wahnsinn, sehr beliebt bei Karina: das Eintauchen in eine Welle, herumgewirbelt werden und dann prustend ca. 30 m vom Eintauchort entfernt wieder aufzutauchen... :-) Sie hat schon saemtliche Schuerfwunden davon getragen.

Uns wird taeglich wieder aufs Neue bewusst, wie wenig portugiesisch wir koennen. Am Dienstag haben wir z.B. versucht, fuer unsere Massen von Postkarten Briefmarken zu kaufen. Da wir uns leider nur noch vage an den Weg erinnern konnten (aufgrund der etwas spektakulaeren Busfahrt. Da die Strassen hier so schlecht sind und die Verkehrsregeln so gut wie gar nicht eingehalten werden, wird jede Bus- oder Taxifahrt zu einer ruckelnden und huepfenden Achterbahnfahrt.) aehm...ja, langer Einschub, wenig Sinn, als wir die "correios" nach stundenlangen Verirrungen und muehsamen Nach-den-Weg-Fragungen erschoepft erreichten, war das Grauen noch lange nicht zu Ende. Es kostete uns viel Kraft, nervliche Anstrengung und eine hohe Kommunikationskompetenz, um herauszufinden, dass es in Brasilien keine internationalen Briefmarken, sondern nur Stempel gibt.

Aber Ausstrahlung sagt oft mehr als viele Worte, wie wir bei unserem ersten Besuch in einem Kinderprojekt feststellen konnten (siehe Foto). Vor allem bei Karin kann hier keiner widerstehen. Dort verfielen sogar gleich zwei Brasiliander ihrem deutschen Charme ganz und gar. Sie konnte sich vor Komplimenten und Handkuessen kaum noch retten - wir konnten gerade noch auf polizeilichen Beistand verzichten, mussten sie dann aber mit vereinten Kraeften gewaltsam abfuehren. :-)

Ach ja uebrigens: heute waren wir den ganzen Tag bei 30ºC und Sonne am Strand - kommt bei euch das Wasser immer noch von oben? ;-)

In diesem Sinne verabschieden wir uns und freuen uns auf unsere Austauschpartner, die wir heute noch kennenlernen werden.

Bis zum naechsten Mal, die fuenf MoechtegernbrasilianerInnen!

11.08.2006

Hier ein paar Bilder....






Wir ham leider grad keine Zeit hier gross Text zu schreiben!Dafuer gibts ein paar Fotos!!!!

08.08.2006

Estamos no Rio!

Hallo ihr Lieben!

Also nach 10 anstrengenden Stunden Flug sind wir endlich in Rio angekommen! Wir sind alle total beeindruckt von dem Flair der Stadt! Alles ist unglaublich riesig, wir verstehen kein Wort, aber die vitamias (Milchshakes) sind superlecker! ;-)

Was uns gleich aufgefallen ist: Alle Menschen hier sind total herzlich und nett, uns wird ueberall geholfen und sich um uns gekuemmert!

Wir sind jetzt gerade in einem Internetcafe im Zentrum von Rio, weil wir hier Geld gewechselt haben und werden heute Nachmittag etwas Sightseeing betreiben und uns den Zuckerhut anschauen... spaeter ist dann vielleicht auch noch etwas Zeit fuer den Strand, bei den angenehmen 30° C, die es hier hat! :-)

Até logo!

C/Karin/a & Matze & Lena

P.S.: Heute morgen haben wir vor unserer Unterkunft schon kleine Aeffchen beobachten koennen, die hier auf den Baeumen leben und sich Bananen geklaut haben...voll suess!!!

P.P.S.: Fotos gibts so bald wie moeglich, ist im Internetcafe leider nicht so einfach...

06.08.2006

1. Etappe geschafft!


Hallo,
jetzt sollte ich mich auch mal zu Wort melden - zumal ich gerade begeistert festgestellt habe, dass ich hier im Hotel Roma in Lissabon freien Internetzugang habe.
Heute 14.10 gings tatscächlich los mit unserem Flug in Richtung Brasilien - d.h. erst um ca 14.50 hob der Flieger nach einigem Wartendann wirklich in Richtung Lissabon ab! Nach kräftigen Regen in Deutschland zum Abschied
erwarteten uns Sonnenschein und 35 Grad!

Und wir haben im Ortsteil Belem an der Mündung des Flusses Teijo ins Meer in einem netten Dachterrassen Restaurant zu Abend gegessen. Die Stimmung ist sehr positiv und alle sind gespannt, was auf uns die nächste Tagen zukommt!

Für mich ist nach Brasilien fliegen natürlich schon fast Routine - und doch bin ich etwas aufgeregt, ich spüre die Verantwortung für die Gruppe. Aber ich freue mich auch sehr, weitere 6 Menschen an meiner Brasil-Leidenschaft teilhaben zu lassen und zu zeigen was mir dort wichtig ist. Ich habe das Gefühl das wird sicher ein weiterer wichtiger Schub in dieser Partnerschaft!

Also ich grüße euch erst mal ganz herzlich - auch im Namen der anderen.

Mal schauen, wann wir das nächste mal einen Internet Zugang finden!

In Rio wird sicher nicht ganz so einfach - vielleich schreiben wir mal von einem Internetcafe aus, aber wenn wir dann ab Sonntag in den Gastfamilien sind, gibt´s hier auf jeden Fall regelmäßig was zu lesen.

Stefan Pickart

04.08.2006

Vorstellung Natascha Sauerwein


Guten Morgen und hallo hier und
oi, queridos amigos no Brasil!

Sonntag, 6.8.06 gehts endlich über Lissabon nach Rio, wo wir einige Tage bleiben, dann weiter nach Vitoria, wo wir unsere Partnergemeinde der Friedenskirche Dachau bzw. der Friedensinsel Odelzhausen besuchen!
Mit dabei sind Stefan Pickart, unser evangelischer Pfarrer aus Odelzhausen, Lena, Karina, Carina, Karin und Matthias und ich.
Wir alle sind in der evangelischen Kirche engagiert, sei es in Form von Gestalten der Kindergottesdienste / Gottesdienste, Festaktivitäten, Kinder- und Jugendarbeit wie Theatergruppe und Tanz, Erstellen der jährlichen Brasilienaustellung, Vorträge und Infos über unsere Partnergemeinde oder eben auch als Botschafter des Kinder-und Jugendprojektes "www.casa-legal.com", das wir unterstützen und bald besuchen werden.

Herzliche Grüße Natascha

Vorstellung von der andern Carina...;)


Also, an dieser Stelle auch erst mal Hallo!!

Damit ihr wisst wen ihr hier überhaupt, in eurem Namen und im Namen der Friedenskirche/insel, nach Brasilien schickt möchten wir uns natürlich alle ersteinmal vorstellen!

Ich heiße Carina Rosenstein, bin 17 Jahre alt und wohne in Odelzhausen.Wie fast alle von uns, bin auch ich erstmals über die Kindertage mit der Friedensinsel in Berührung gekommen.Als ich Anfang der dritten Klasse hier her zog, hab ich das erste Mal, damals noch als "Grüppling" ;), am Kindertag teilgenommen.Von da an gab es kein Halten mehr, jedem Kindertag wurde begeistert entgegengefiebert!Nur leider stand ich ziemlich schnell vor dem Problem zu alt zu sein.Denn beim Kindertag darf man ja nur bis zur vierten Klasse mitmachen.Aber auch für mich fand sich eine Lösung weiter aktiv am Kindertag teilhaben zu können, nämlich als Mitarbeiter!So bin ich nun schon seit neun Jahren aktiv dabei und leite mittlerweile sogar schon meine eigene Gruppe.

So nun genug vom Kindertag, wie sich das so gehört, kam natürlich auch für mich die Zeit als Konfi, in der ich noch mehr über unsere Arbeit in der Gemeinde und auch über unsere Brasilien Partnerschaft erfuhr.

Mit der Zeit betreuten wir Konfigruppen, engagierten uns begeistert in der Theatergruppe und wurden so zu Stefans neuen Hoffnungsträgern für die Friedensinsel.Die neue Generation eben!Spontane Thaeteraufführungen im Gottesdienst, gehörten genauso dazu wie die Betreuung 60 wildgewordener Halbwüchsiger auf den Konfifreizeiten!

Wie ich nun eigentlich wirklich dazu gekommen bin mit nach Brasilien zu fahn, weiß wohl keiner mehr.Plötzlich stand das Thema eben im Raum und dann warn wir auch schon mitten in der Vorbereitung auf unsere große Reise!

Natürlich freu ich mich riesig mit dieser Gruppe nach Brasilien reisen zu dürfen und dort unsere Kirche zu vertreten!

Ich erwarte mir von dieser Reise vorallem viele Eindrücke und hoffe den Menschen dort auch ein Bild von userer Arbeit hier in Deutschland vermitteln zu können. Da ich die Brasilienarbeit hier in Deutschland auf jeden Fall fortführen möchte, ist es glaub ich sehr wichtig, das alles einmal mit eigen Augen gesehen zu haben und natürlich soll mich dieser Besuch in meiner Überlegung , nach der Schule für ein Jahr ins Casa legal zu geh, um dort aktiv zu helfen, unterstüzen!

Ich bedanke mich bei allen, die uns diese tolle Reise ermöglicht haben und hoffe euch mit unserem virtuellen Reisetagebuch immer auf dem Laufenden zu halten!

Adios!!

Carina

Vorstellung von Karina

Oi!
Ich werde am Sonntag mit dem Stefan und den anderen in unserer Austauschgruppe nach Vitoria fahren und würde mich gerne noch kurz vorstellen. Ich heiße Karina Stanglmayr, bin 17 Jahre alt und wohne in Odelzhausen. Ich bin seit ungefähr 5 Jahren in der Friedensinsel engagiert, habe angefangen bei Kindertagen mitzuhelfen, dann die Konfigruppe mitzuleiten und dann eine Jugendgruppe mitzugründen. Letztes Jahr habe ich dann das Angebot bekommen, mit nach Brasilien zu fahren und als eine Art Botschafter zu fungieren und habe natürlich sofort zugesagt. Es fasziniert mich, in andere Länder zu reisen und ich bin der Meinung, dass viele Jugendliche hier in Deutschland, mich eingeschlossen, sich nicht wirklich vorstellen können wie es ist, in einem ärmeren Land unter den einfachsten Lebensbedingungen zu leben. Deshalb erhoffe ich mir von dieser Reise, meinen Blickwinkel zu erweitern. Ich möchte mir eine Vorstellung verschaffen von den enormen Klassenunterschieden, die in Brasilien herrschen und überlegen, was man dagegen tun kann. Es interessiert mich aber auch zu erfahren, wie z.B. die Menschen in den Elendsvierteln mit ihrer eigenen Situation umgehen, ob sie vielleicht manchmal sogar mit ihrem Leben zufrieden sind und sich keine Gedanken über Geld und andere von den europäischen Ländern eingeführten Werte machen. Ich bin jedenfalls schon total gespannt auch unsere tolle brasilianische Austauschgruppe kennenzulernen und unser Abenteuer anzutreten! Wir werden ja dann laufend berichten wie es uns mit unseren kläglichen Portugiesischkenntnissen und den anderen Hürden die auf uns zukommen werden ergeht!
Bis zum nächsten Mal und dann ja schon von Brasilien aus, ganz liebe Grüße, Karina