19.10.2010

Die neuen Freiwilligen & Semana da Crianca


so, jetzt wird es Zeit, dass wir uns endlich mal vorstellen. Wir, das sind Sarah und Linda, die neuen Freiwilligen im Casa Legal. Wir sind Mitte August hier angekommen und mittlerweile haben wir uns hier echt gut eingelebt. Auch mit der Sprache wird es langsam immer besser, und so konnten wir vor drei Wochen damit beginnen, Handballunterricht für die Kids zu geben. Das macht uns und den Kindern viel Spaß und wir sind froh, eine feste Aufgabe hier gefunden zu haben.


Vor zwei Wochen war die Semana da Crianca, während der viele verschiedene Aktionen gestartet wurden. So begann die Woche mit einem Völkerballtunier, bei dem auch wir Freiwilligen kurzerhand miteingebunden wurden. Am folgenden Tag fand die Miss-&Mister-Fé e Alegria-Wahl statt.


Dafür haben wir den Mädels die Haare geglättet, geflochten und frisiert, und sie geschminkt. Fast alle Kids machten mit und unsrer Meinung nach hätte echt jedes Kind gewinnen können ;)

Am Mittwoch fand für die Jungs dann ein Hallenfußballtunier statt. Für die Mädchen veranstalteten wir beide einen Tanzworkshop, bei dem wir ihnen einen Tanz auf 'Waka waka' von Shakira beibrachten. Am Ende konnten sogar die andern Mitarbeiter den Tanz und führten ihn mit uns bei anderen Gelegenheiten nochmal vor.

Bei der Talentshow zeigten die Mädels und Jungs ihr Können. Viele tanzten, sangen,zeigten Capoeira oder erzählten Witze, und wir Mitarbeiter sollten danach abstimmen, wer am besten war. Das fiel uns echt schwer!!
Die Woche wurde durch einen Maskenball krönend abgeschlossen. Wir schminkten die Kinder dafür, und veranstalteten eine Minidisco :)


Jetzt ist aber langsam der Alltag wieder eingekehrt. Wir machen wieder unseren Handballunterricht, was mit 30 Kindern ganz schön anstrengend sein kann ;) Außerdem besuchen wir jetzt öfters mal Kinder, die gerne Paten hätten.
Zur Zeit haben sich die Angebote für die Kids im Casa Legal ziemlich reduziert. Im Moment gibt es keinen Kunst- und Musikunterricht mehr, und auch der Informatikunterricht ist gerade erst weggefallen. Wir hoffen aber, dass diese Angebote bald wieder stattfinden können, da wir selbst miterlebt haben, wie gern die Kinder an diesen Workshops teilnahmen.

17.08.2010

Meine Eindruecke vom Casa Legal

Leider ist das Tagebuch etwas ins Stocken geraten, unter anderem wegen einer Fahrt ins Hinterland und dann hatten sich Christa und Ich, Stefan, leider eine Erkältung eingfangen (Im Hinterland war es sehr kalt für hiesige Verhältnisse) Darüber ein andermal mehr - zunächst noch mein versprochener Bericht über das Casa Legal.

Nun - wie Margret schon sagte, ist mir das Casa Legal ja schon gut bekannt. Aber ich habe mich über den Besuch in diesem Jahr sehr gefreut, den das Haus hinterlies diesmal einen sehr guten Eindruck. Es gab ja schon Jahre, das konnte sich unser Projekt nur durch die Patenspenden über Wasser halten und die Freiwilligen wurden gleich mit als Lehrer eingesetzt. Momentan ist das Casa Legal recht gut mit Personal bestückt. Es gibt neben den Workshops: Sport, Musik. Informatik, Malen und Werken, Körperlicher Ausdruck (Tanzen und Theater), 2 Sozialarbeiterinnen, die für den Werteunterricht sorgen. Und eine Kraft, die die Bibliothek betreut. Zu ihr werden auch immer wieder Kinder und Jugendliche geschickt, die mit dem Lesen und schreiben Schwierigkeiten haben und sie bekommen zu zweit oder dritt Nachhilfe.

Rudio, der schon früher hier gearbeitet hat, ist nun als Sozialarbeiter angestellt, um den Kontakt zu den Familien der Kinder herzustellen, und Ihnen weiter zu helfen.

Allerdings benannte das neue Casa Legal-Team bei unserem Gespräch auch zwei Probleme: Zum einen wird zum Beispiel das momentane große Team - neben Spenden- und Patengeldern - auch über ein Projekt des Kulturministeriums finanziert. Alle diese Projekte, die Vilmar beim Land, Staat und Stadt beantragt, sind immer befristet: Ein - maximal zwei Jahre. Das erschwert leider die Kontinuität. (Ohne unsere Spenden und Patengelder hätte das Casa ja schon mindestens zweimal schliessen müssen.)

Das zweite Problem, das das Team benannte, ist das Fé e Alegria leider nur relativ wenig für seine MitarbeiterInnen bezahlen kann. So schauen sich viele immer wieder auch nach anderen Jobs um. Wie aber alle selbst bestätigten: Für die Kinder ist Kontinuität der MitarbeiterInnen wichtig, den nur so können sie Vertrauen aufbauen.

Für mich heisst dass, wir müssen weiter versuchen noch moeglichst viele PatInnen und UnterstützerInnen für das "Tolle Haus" zu finden, den das schafft am besten Kontinuität.

Übrigens sind uns dort ständig Kinder hinter her gelaufen, die sich auch Padrinhos oder Madrinhas wünschen, um sich Briefe zu schreiben... Wer also ein Patenkind moechte, einfach an brasil.ag@googlemail.com oder casalegal@online.de schreiben ;).

Tja das war nun der Werbeblock, aber ich kann es halt nicht lassen - "unser" Haus liegt mir halt nach wie vor sehr am Herzen.

Liebe Grüße Stefan

12.08.2010

Ein Tag im Casa Legal

Casa Legal - Wie oft ist in den letzten Jahren dieser Name gefallen! Berichte, Dias, Briefe, die hin und her gingen…

Und heute ist es wahr geworden: Außer Stefan und Fatima, denen dieses Haus ja schon lange vertraut ist, waren auf einmal auch Margarete und Christa mitten im Geschehen: Ein lebhaftes, buntes Treiben empfing uns, das von vielen kleinen, ganz reizenden Kindern ausging, die uns mit ihren großen, meist samtbraunen Augen erwartungsvoll anblickten.

Im Kleinkinderbereich durften wir in alle Altersgruppen zwischen 2 und 6 hinein schnuppern und uns über die motivierten Kinder in den überaus fröhlich angemalten Räumen freuen.

Wir konnten uns gar nicht sattsehen an diesen Kindern, die von ihren Betreuerinnen so liebevoll und engagiert angeleitet wurden. Sie zeigten uns voller Stolz ihre kleinen Kunstwerke aus Papier und Perlen.

Es wurde gepuzzelt, gesungen und getanzt, aber auch etwas über die Tier und Pflanzenwelt und das Zusammenleben gelernt.

Anschließend ging es in das eigentliche „Casa Legal“ den Bereich für die 6-16 jährigen. In der Sporthalle liefen gerade die Jugendlichen im Kreis, um sich für den Ballsport aufzuwärmen, in einem Saal konnten wir Kunsthandwerk bewundern, das von eifrigen Händen gebastelt wurde. Im Saal nebenan waren Jugendliche gerade dabei, ein selbst erstelltes Video über das Viertel zu analysieren. Aus dem Musikraum tönten uns Snare und Bassdrum entgegen. Zwei kleine Schlagzeuger bekamen gerade Einzelunterricht.


Im Lehrerzimmer erfuhren wir in der Mittagpause von den Betreuern dann Manches über die Situation der Einrichtung: Z.B. dass man gar keine langfristigen Pläne machen könne, da die Gelder der Kommune und des Staates immer nur befristet zugesagt wird. Nur das Geld von den Patenschaften und Spenden aus Deutschland bringt etwas Kontinuität.

Nach einem leckeren Mittagessen ging es zu Christas Patenkind, das ganz in der Nähe zusammen mit Eltern und 8 Geschwistern (!) in einem ganz einfachen relativ kleinen Haus wohnt.

Joysineide stand schon erwartungsvoll neben zwei Geschwistern vor der Tür und strahlte ihre „Madrinha“ Christa an, umarmte sie und wollte sie gar nicht mehr loslassen.

Als sie dann eine Tasche mit bayrischen Motiven in der Hand hielt und die darin enthaltenen Geschenke ausgepackt hatte, leuchteten die Augen noch mehr – und der Stolz , eine so nette Patentante zu haben, war ihr deutlich anzuspüren.

Alles in allen ein sehr bewegender Besuch in diesem „tollen, bunten Haus“, der noch lange nachklingen wird und neue Perspektiven mit sich bringen wird.

Vielleicht schreibt Stefan noch ein wenig über den Nachmittag, der u.a. auch vom Wiedersehen mit seinen Patenkindern geprägt war

Um abraco

Margarete

11.08.2010

Töpfermarkt, Aussicht und Moqueca


Heute, am 11. 8., fuhren wir zusammen mit Fatima zum Töpfermarkt . Dort bewunderten wir die Frauen, die ohne Töpferscheibe mit großer Geschicklichkeit die tradionellen Kochgefäße herstellen. Fatima und Christa gefielen die Produkte so gut, dass sie jeweils eines als Küchengeschirr und eines als Andenken erwarben.

Anschließend fuhren wir zum Aussichtspunkt "Da Fonte Grande" und bewunderten unterwegs das bunte Leben und Treiben vor den Häusern und auf den Straßen. Ab und zu kam ein Pferdegespann vorbei oder Fahrradfahrer, die Lautsprecher mit sich führten, über die in beträchtlicher Lautstärke Werbung für ein Produkt oder zu unserer Belustigung lauthals für einen Gottesdienst geworben wurde, der ihnen viel Gutes für ihr Seelenheil bringen würde.


Oben angekommen, marschierten wir über einen wundervollen Weg durch den dichten urwüchsigen Wald zum Aussichtspunkt, von dem man einen atemberaubenden Blick auf Vitoria mit seinen Inseln, Bergen und das weite Meer mit den vorbeiziehenden Schiffen hat. Natürlich wurden da die Fotoapparate gezückt....
Auf dem Weg hinunter machten wir noch bei einem zweiten Aussichtspunkt halt, von den man einen schönen Blick nach Cariacica und ins Hinterland hat. Wir bekamen schon eine Ahnung davon, wo ungefähr das Casa Legal liegt, das wir Morgen besuchen werden.

Dann machten wir uns wieder auf den Weg hinunter in das Viertel St. Antonio. Dies war früher eine Favela, doch inzwischen wurde es urbanisiert. Die Stadt hat dabei geholfen, dass die Straßen geteert und die Häuser befestigt wurden. Momentan wird - wie in ganz Vitória - eine (neue) Kanalisation verlegt. St. Antonio liegt direkt an eine Bucht bzw. Flußdelta in der sich Salz und Süßwasser mischen. Die Menschen leben dort z.T. vom Fischfang bzw. von der Verarbeitung des gefangenen Fisches. In einigen Restaurants mit toller Aussicht auf das Flussdelta kann man eine leckere Moqueca essen kann, was wir natürlich auch taten.
Erfüllt vom leckeren Essen und den vielen Eindrücken fuhren wir durchs Centro wieder in unsere Quartiere zurück, wo wir uns ein Ruheschläfchen gönnten, bevor der Wirbelwind Letícia wieder zurückkommt ;-).
Liebe Grüße an alle in Deutschland
Margareta und Stefano


10.08.2010

Zu letztem mal offiziell

Hallo,
jetzt bin ich, Stefan Pickart, mal wieder in Vitória. Mein letzte Reise hierher als Pfarrer der Partnergemeinde - in Zukunft komme ich dann nur noch als guter Freund hierher.

Sooft ich schon hier war - diese Reise ist doch wieder etwas besonderes. Denn sie begann ja zum einen schon völlig anders als alle bisherigen - dadurch, dass Familie Burzlaff vorher bei mir war und ich die Reise dadurch mit Ihnen zusammen antrat - so war ich schon von Anfang an Gedanklich in Brasilien
Außerdem ist diesmal meine Mutter dabei - sie ist zum zweiten Mal in Brasilien - da erste mal war Anfang 1993, als ich ein Jahr im Hinterland von Espírito Santo war.

Schauen wir mal, was wir diesmal alles hier erleben. Einiges liegt ja vor uns: Das 10 jährige Jubiläum des Casa Legal, die Ankunft der nächsten Freiwilligen...

An einigen Erlebnissen lasse ich die treuen Leser diese Blogs gerne wieder teilhaben.

Unser erstes Erlebnis hatten wir gleich gestern beim Anflug: Leider verzögerte sich unser Weiterflug in Lissabon. Im Flugzeug wurde dann durchgesagt, dass wir noch auf Gepäck warten - dass ließ schon Ungutes ahnen..

Wir kamen dann leider auch um einiges zu spät in Belo Horizonte an. Und dort merkten wir bald, dass der Koffer meiner Mutter fehlt... Den direkten Weiterflug von dort nach Vitória verpassten wir damit alle - die meisten flogen dann über Brasilia nach Vitória. Während meine Mutter, Vilmar und ich uns erst noch um den Koffer kümmerten. Für uns hieß der Flug dann: Belo Horizonte - Rio - Vitória. (Insgesamt wär das so als wär man in Frankfurt und würde von dort über Berlin nach München fliegen). Aber wir wurden auch für diese Sondertour entschädigt: Der Ausblick beim Anflug auf Rio und später beim Anflug auf Vitória bei recht klarem Nachthimmel waren phantastisch...

Nach fast 24 Stunden Reise kamen wir dann hier an - in der schönen neuen Wohnung der Burzlaffs - die um einiges Größer ist als die bisherige.

Nach einem köstlichen Mahl von Vilmars und Fatimas Mutter zubereitet, fielen wir dann erschöpft ins Bett.

Heute sind wir frisch und erholt - jetzt hoffen wir nur noch, dass der Koffer meiner Mutter morgen hier eintrifft....

Liebe Grüße
Stefan


23.06.2010

Let´s lern english!

Liebe Bloggerleser,

heute habe ich einen kleinen Ausschnitt aus unserem Alltag hier in Brasilien für euch.
Nachdem wir zwei Freiwilligen uns hier eingewöhnt hatten, die Namen der Kinder und die portugiesisch brasilianisch Sprache so einigermaßen beherrschten, begannen wir im zweiten Halbjahr damit, den Kindern Englischunterricht zu geben.

Montags sind wir dabei den kleineren Kindern einfache englische Begriffe spielerisch näherzubringen.
Mittwochs wiederholen und ergänzen wir mit den Größeren, das was sie auch schon in der Schule gelernt haben. Leider ist das nicht besonders viel mehr als bei den Kleinen - in einem Großteil der Schulen hier wird Englisch als nicht so elementar angesehen wie in Europa und in meinen Augen ziemlich vernachlässigt.

Jede Stunde beginnen wir mit einem kleinen Begrüßungsritual, die Kinder stellen sich in zwei Reihen auf und werden von uns per Handschlag willkommen geheißen, das hört sich dann so an:
"Hello" - "Hello"
"How are you?" - "I´m fine."
"What is your name?" - "My name is....."



Danach gibts dann meistens "was kreatives" um mit den Schülern spielerisch neue Wörter zu lernen oder das Gelernte nocheinmal zu wiederholen.
Auf dem Bild oben sind wir beim Obstraten abgebildet: Die Kinder müssen die Augen verbinden, ein Klassenkamerad steckt ihnen eine Frucht in den Mund und dann muss herausgefunden werden um welche Frucht es sich handelt, das Ergebnis wird laut gesagt (auf Englisch natürlich!) und die anderen Kids verraten obs richtig war.



Danach gibts meistens was zu schreiben oder zu malen um das soeben Erlernte zu festigen.
So werden auch die Schreibfähigkeit und Feinmotorik der Kinder trainiert, die oft von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ist - die Einen schreiben und zeichen wie die Weltmeister während es bei den anderen dann doch noch etwas länger dauert und ein bisschen krakeliger ausfällt.
Hier seht ihr die Jungs eifig am Werk.


Und falls es doch mal zu Kommunikations-, Organisations- oder Autoritätsproblemen kommen sollte, haben wir immer die Klassenbetreuerin dabei, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite steht.


Hier seht ihr mich noch mit den Kids bei der Stunde der Körperteile, es wurden fleißig Plakate erstellt, verziert und auf Englisch beschriftet.

So, und das wars auch schon wieder mit den neuesten News aus Brasilien, hier laufen übrigens die Vorbereitungen für das Junifest schon auf Hochtouren......aber mehr dazu dann beim nächsten Mal! ;)

Machts gut und até logo!

23.05.2010

Cariacica in Aktion

Liebe Bloggerleser,


heute habe ich wiedereinmal das Vergnuegen euch von einem weiteren Highlight hier vor Ort berichten zu duerfen.


Diesen Samstag waren wir ausnahmsweise auch im Casa Legal. Schon auf dem Weg dorthin im Bus ging die Party los. Vollgestopft mit ratschenden, lachenden und Witze reissenden Fahrgaesten machte sich der Onibus "703 Porto Belo" auf den Weg nach Nova Esperança.



Finanziert von der Stadt Cariacia sollte dort ein Event der ganz besonderen Art steigen, fuer das das Casa Legal die optimalen Raeumlichkeiten bot. Es nannte sich: "Cariacica in Aktion".























Fuer alle Bewohner der umliegenden Stadtviertel wurde hier die Moeglichkeit geboten umsonst wichtige medizinische Untersuchungen wie z. B. frauenaerztliche Vorsorge und Mammografie aber auch die Impfung gegen die Schweinegrippe zu erhalten. Ausserdem liess eine ganze Reihe von Friseuren gratis die Scheren tanzen.
























Auch Passfotos, Personalausweis, Arbeitsurkunden und Kopien saemtlicher Dokumente wurden kostenfrei erstellt.


Fuer Gross und Klein gab es zudem ein vielfaeltiges Erlebnisprogramm mit Kletterturm, Trampolin, Bastel- und Maltischen, Fantasieschmiktisch, Poppkorn- und Zuckerwattestaenden und und und......























Als wir also aus dem Bus ausstiegen, erwartete uns eine Riesenschar von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern vor und im Casa Legal. Der Portier, die Aerzte und Helfer vor Ort hatten also alle Haende voll zu tun, das Ganze zu managen, doch mit Erfolg....schon kurze Zeit spaeter hatten sich ueberall laaaaange Schlangen gebildet.


Das Einzige, das absolut nicht so lief wie es sollte, war (mal wieder) das Wetter.
Eine halbe Stunde nach Beginn fing es an in Stroemen zu schuetten!! Gottseidank waren alle Staende unter Pavillions vor den Wassermassen sicher, doch der Grossteil der Besucher wurde pitschnass.....
Besonders unpraktisch vorallem im Umgang mit den Dokumenten!!
Doch gottseidank hielt der Regenguss nicht allzulange an und alle, die tapfer im Regen aussgeharrt hatten konnten ihre Klamotten und Haare bei wesentlich waermeren Temperaturen trocknen lassen.

Das einzige was zurueckblieb war der Matsch. Da in Nova Esperança eigentlich nur die Hauptstrasse geteert ist, verwandelten sich alle restlichen Strassen in riesige Schlammpfuetzen. Die grosse Besucherzahl tat ihr uebriges und bedeckte saemtliche Boeden und Flure im Casa Legal mit einer dicken Matschmasse....

Das gesamte Aussmass habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen.....morgen (Montag) Vormittag wird das Casa Legal fuer Unterricht geschlossen sein, alle Lehrer und Angestellten werden jedoch zum Dienst erwartet.....benoetigtes Arbeitsmaterial: Flip-Flops (=brasilianische Gummistiefel) und Schrubber........ihr koennt euch sicher denken wozu.....

11.05.2010

Dia das mães











Mama, heute ist dein Tag.


Darum bin ich hier, um dir zu sagen, dass ich dich liebe
und dich brauche.
Nur du, Mama, gibst diese einzigartige Liebe.
Meine Mama.
Oh Mama, du lehrst mich zu leben und gluecklich zu sein.
Meine Mama.
Oh Mama, du bist das Geschenk, das mir der gute Gott
gegeben hat.




Mit diesem und vielen anderen Lieder, Theaterauftritten und einstudierten Tanzschritten wurden am vergangenen Sonntag alle Muetter der Kinder im Casa Legal geehrt.




Die Aula war brechenend voll von stolzen Eltern, ueber deren Wangen bei so manchem Auftritt ein Traenchen rollte. Und auch fuer einige Kinder, war der Tag sehr bewegend. Hier in Brasilien wird die Familie und deren Zusammenhalt in den meisten Faellen als oberste Prioritaet angesehen. Dadurch bekommt auch der Muttertag eine ganz grosse Bedeutung und wird eigentlich nur durch Weihnachten und Ostern uebertrumpft.

26.04.2010

Der Osterhase im Casa

Ostern wie wir es hier in Brasilien kennengelernt haben, ist vorallem auf Konsum beschränkt. Schon Wochen vor Ostern waren sämtliche Supermärkte vollgestopft mit riesigen, in buntes Plastikglanzpapier verpackten und mit Spielzeug gefüllten Ostereiern für Kinder. Das Eier ausblasen, anmalen und suchen hat hier leider nur sehr wenig Tradition. Am Ostersonntag wird der Gottesdienst besucht, aber das wars dann auch schon. Es geht dann nur noch darum wer die größten und meisten Schokoeier geschenkt bekommt. Schade eigentlich....

Schade vorallem für die Kinder aus Nova Esperanca, deren Eltern es sich normalerweise nicht leisten können auch nur ein solches Ei für ihre Sprösslinge zu kaufen. Da bekommt das Freudenfest zur Auferstehung Christi in so manchen Kinderaugen einen bitteren Beigeschmack.



Das konnten und wollten wir nicht zulassen!!!
Wenn schon kein Geld für all die teuren "Markeneier" (von Ferrero Rocher, Garoto, Kinder) da war, dann wollten wir sie uns halt selber machen. Im Süßigkeitengroßhandel bekommt man all die Zutaten zu wesentlich weniger wettbewerbsbeeinflussten Preisen.












Und los gings: Die Kinder durften in kleinen Gruppen an mehreren Tagen ihre Ostereier selbst herstellen. Zuerst wurden die riesigen Schokoladenblöcke geraspelt und dann im heißen Wasserbad geschmolzen.






















Die flüssige Schokolade wurde in die Plastikformen
gegossen und mit einem Löffel dünn verstrichen.
Die fertigen Formen kamen ins Gefrierfach und
nach 15 min erkalten konnte das Schokoei aus der Form gelöst und mit Pralinen gefüllt werden.
Fehlte nur noch die zweite Eihälfte und die bunte Zellopanverpackung und.....












TAAADAAAAAAAAA




fertig das Osterei!!!!!!=)











Die Kinder hatten einen riesen Spaß dabei
und die Betreuer einen Haufen Arbei
all die flinken Kinderfinger vom naschen der superleckeren (!!!) Schokolade fernzuhalten.








Nachdem die Kinder fertig waren, wurde die Küche jedoch noch lange nicht geschlossen.
Jetzt waren alle Angestellten im Casa Legal an der Reihe. Mit genau soviel Begeisterung durften die Mamis/Papis, Ehefrauen und -männer für jedes ihrer Kinder bzw. ihren Lebensgefährten zu Hause auch ein Schokoei machen. Einige der Betreuer/innen, Lehrer/innen, Putzfrauen uswusw kommen oder kamen aus ähnlichen Verhältnissen wie die Kinder im Casa Legal, es war also auch für sie eine große Erleichterung auf diese Weise die Ostergeschenke für ihre Söhne und Töchter selbst zu machen.

25.03.2010

Es blitzte und donnerte


Letztes Wochenende, als wir gerade gemuetlich auf unserer Dachterrasse in der Haengematte schaukelten, bemerkten wir wie sich der Himmel verdunkelte, kurz darauf gab es einen kleinen Regenschauer und es blitzte den ganzen Nachmittag am Horizont, doch wir dachten uns nichts dabei...

Am Montag traf uns fast der Schlag. Nichtsahnend waren wir nach Cariacica zur Arbeit gefahren und als wir dort aus dem Bus ausstiegen und ins Viertel einbogen, trauten wir unseren Augen kaum: Saemtliche Baeume hatten haufenweise Fruechte und Aeste verloren oder waren teilweise komplett umgefallen.
Im Casa Legal tropfte das Wasser durch die Buerodecke und in der Aula unten stand das Wasser. Doch gluecklicherweise waren diese Schaeden schnell behoben. Als die Kinder kamen erzaehlten uns einige, dass die Daecher ihrer Haeuser unter dem Hagel eingestuerzt waren. Hagel?? Wir trauten unseren Ohren kaum, doch waehrend es bei uns in Vitória nur leicht geplaetschert hatte, war in Cariacica wohl "Weltuntergansstimmung" gewesen.
Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, die meisten Haeuser sind repariert und das Leben geht seinen Gang. Sie haben es wieder einmal bewiesen: Die Bewohner von Nova Esperança sind Katastrophenerprobt.

Backe backe Kuchen...





Haende waschen, superschicke Hauben und Handschuhe anziehen, Eier aufschlagen, Mehl unterruehren und dann kneten, kneten, kneten....das hiess es fuer die Kinder im Casa Legal diese Woche.


Die Koechin Nilza, die vor ein paar Monaten ein Baby bekommen hat, ist schon wieder mit von der Partie. Da es hier immer genuegend Haende gibt die sich gerne um die kleine suesse Bianca kuemmerten, konnte ihre Mutter den Schuelern des Casas beibringen wie man suesses Brot aus Hefeteig backt.










Die Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache und formten Schnecken und kleine Brote oder sogar Herzen aus der Masse.






Die Belohnung fuer ihre Muehe gabs dann Tags darauf: anstatt Kekse stand das selbstgebackene (und uebrigens suuuperleckere!!) Brot auf dem Speiseplan.




Jedes Kind bekam noch ein Rezept in die Hand gedrueckt....
zu Hause nachmachen erwuenscht!!





Und damit auch ihr auf diesen Genuss nicht verzichten muesst,
hier kommt das Rezept:





Pão Caseiro
Zutaten:
2 Eier
2 Tassen Zucker
1 Tasse Oel
1 Prise Salz
1 Packung Trockenhefe
4 Tassen lauwarmes Wasser
2 Kg Mehl (mehr oder weniger)


(Mit dieser Menge bekommt man einen grossen Haufen Kinder satt....wenn ihr also nicht gerade eine Familienfeier plant, reicht auch die Haelfte der Zutaten.)

So gehts:

Das Wasser aufsetzen und erhitzen. Eine Backform einfetten.
Eier, Oel, Zucker, Salz und Hefe in einer grossen Schuessel gut mischen.
Das Wasser unterruehren. Dann das Mehl hinzugeben. Wenn der Teig zu fest wird, aus der Schuessel nehmen und das restliche Mehl hineinkneten. VORSICHT: Nicht alles auf einmal, sondern Stueck fuer Stueck, bis der Teig nicht mehr an den Haenden klebt - es muss nicht das komplette Mehl verbraucht werden!!

Nun vom Teig faustgrosse Stuecke abtrennen und zu Schnecken einrollen, diese in die gefettete Form geben. Zum Schluss die Form abdecken und an einem warmen Ort (das war hier bei uns kein Problem :D) ca. 40 min gehen lassen. Danach im Ofen bei mittlerer Hitze 30-40 min backen bis sie goldbraun sind.

Wahlweise koennen die Broetchen auch mit Schokostueckchen oder kristallisiertem Obst gefuellt werden.



Guten Appetit!!

23.03.2010

Haesslicher Alltag

Neben all den besonderen Aktionen hier im Casa Legal kommt es leider hin und wieder auch zu weniger schoenen Ereignissen in unmittelbarer Naehe, die ich hier nicht verschweigen will, da sie zum Leben in Nova Esperanca dazugehoeren.

Vor einigen Tagen gab es in der Bar/Kiosk der sich in der selben Strasse wie das Casa Legal befindet einen Streit zwischen zwei Maennern. Die Auseinandersetzung eskalierte und es entstand eine Pruegelei auf der Strasse vor dem Casa. Im Sozialprojekt wurden schnell alle Kinder reingebracht und die Tueren verriegelt. Als bekannt wurde, dass einer der Maenner nach Hause wolle um seine Pistole zu holen, wurde die Polizei alarmiert, die kurz darauf eintraf und die komplette Strasse abschirmte, keiner durfte mehr aus dem Haus.
Als nach ein paar Stunden nichts weiter passiert war, wurde die Sperre aufgehoben und alle kamen wohlbehalten, wenn auch mit einem flauen Gefuehl im Magen, zu Hause an.

19.02.2010

Neu: Break Dance im Casa Legal

Anfang Februar, freuten sich die Kinder im Casa Legal ueber ein ganz besoneres Schmankerl. Der neue Break Dance Lehrer hatte seine Freunde eingeladen um den Kids ein bisschen von ihrem Koennen zu zeigen.

Sie wurden mit Begeisterung und grossen Augen beobachtet und angefeuert - doch nicht nur die Jungs waren beeindruckt auch die Maedels vorallem zwischen 12 und 15 waren ganz hin und weg....;)

Hier ein kleiner Ausschnitt...

Genilson lebe hoch!

Vor einigen Wochen kam die Grossmutter von Genilson, einem Jungen, der das Casa Legal sehr oft besucht, zu uns und bat um Hilfe.
Sie wollte den 15. Geburtstag ihres Enkels ganz gross feiern. (Eigentlich sollte die Feier erst zum 18. Lebensjahr stattfinden, doch sie war sich nicht sicher, wie lange es ihr gesundheitlich noch so gut geht wie jetzt.)

Mit Hilfe von Stefan Pickart und dem Geld, dass er als DJ bei einem Fest verdient hatte, konnte dieser Geburtstag stattfinden. Von Fest zu Fest sozusagen =).

Die Feier sollte am 17.02 im Haus der Oma von Genilson stattfinden.


Am Freitag davor trafen wir uns mit ihr um die Einkaeufe zu erledigen. Wir fuhren morgens gemeinsam in die Stadt zum Supermarkt und kauften unteranderem auch 22 Packungen Toastbrot ein!! Auf unsere Frage, wozu man diesen Berg Brot wohl verwendet, meinte sie: "Fuer die Torte"...



Als wir am Mittwochabend dann
(voller Neugier auf die Torte) am Festort eintrafen, waren die meisten schon da:
Die Familie von Genilson und viele, viele Kinder.
















Es ging erst um 20 Uhr los....wie wir uns sagen liessen, war das noch frueh fuer eine Party....davor ist es einfach zu heiss zum feiern.


Los gings mit einem einstuendigen Gottesdienst. Zuerst waren wir ziemlich ueberrascht....er war so ganz anders als wir es gewoehnt sind. Da braucht man weder Pfarrer noch eine grosse Kirche. Man stellt einfach ein paar Baenke und einen Riesenlautsprecher vor das Haus auf die Strasse. Jeder der etwas beitragen will, kann nach vorne treten und ins Mikro plaerren. Es wurden auch sehr viele Lieder gesungen. Die Familie von Genilson ist sehr glaeubig und man hat richtig gemerkt, dass sie mit Herz und Seele voll dabei waren. Die Grossmutter ist auch vorgetreten und hat Gott fuer ihren Enkel - der fuer sie wie ein Sohn ist und ihr hilft wo er nur kann - gedankt.







Alle zusammen haben "Zum Geburtstag viel Glueck" auf portugiesisch gesungen und danach gabs Limo, HotDog, salzige Torte und Geburtstagskuchen fuer alle.








Die Kinder sprangen aufgeregt und gut gelaunt durch die Gegend und bewunderten mit grossen Augen die Torte.


























Leider mussten wir bald wieder gehen, da wir noch einen langen Heimweg (eineinhalb Stunden Busfahrt) vor uns hatten. Ausserdem ist Nova Esperança nachts nicht unbedingt der sicherste Ort um sich aufzuhalten. Schon gar nicht fuer deutsche Voluntárias. Gottseidank hatten wir sicheres Geleit von zwei Lehrern aus dem Casa Legal. Genilson brachte uns noch zur Bushaltestelle und wartete mit uns bis der Bus kam. Er ist ein sehr lieber, humorvoller Junge, der sehr gerne lacht und Theater spielt und seine Grossmutter unterstuetzt wo er nur kann. Er hatte diese Feier wirklich verdient.