24.04.2006

Der erste Schritt zum "Zirkus" Casa Legal!!!

Hallo Alemanha,
wie ja in meinem letzten Post schon berichtet, haben Patrick und ich vor, die Kinder des Casa Legals in die grosse bunte Jonglierwelt einzufuhren und nun gibt es schon das erste, allerdings mehr weisse als bunte, feedback. Mittwoch und Donnerstag haben wir mit den Kindern versucht Jonglierballe herzustellen, jedoch noch auf sehr experimenteller Ebene.... dafur war es aber meine Meinung nach so unglaublich lustig, dass ich euch daran teilhaben lassen will.
Unsere erste Idee bestand darin, Luftballons mit Mehl zu fullen, weil das so eine schon Konsistenz ergibt und die Balle einem nicht so leicht aus der Hand rutschen konnen. Allerdings klingt die Theorie viel leichter als die Praxis... Denn wie bekommt man mehr Mehl in einen Luftaballon als er im unaufgeblasenem Zustand gross ist???
Aufblasen und gleichzeitig Mehl hineinfullen geht ja nicht, also irgendwie hinein stopfen. Zuerst versuchten wir es mit trichterartig geformten Papieren, was jedoch nur ein klaglicher Erfolg war, kaum mehr als einLoffelchen wollte in den Ballon hinein und wenn man mit etwas Druck nachhalf ist sofort das Papier gerissen oder eingedruckt worden. Es musste etwas stabieleres her, also schnitten wir dicke Pappe in Streifen, die wir dann zu kleinen Rohren bogen und in die Offnung des Luftballons quetschten, die damit auf ein erhebliches vielversprechendes Mass grosser wurde. Allerdings hatte auch das viele Luftballons zum Opfer...
Aber nun konnten wir mit allem was gerade zur Hand war, Stifte, Holtzklotze oder Loffel das Mehl halbwegs erfolgreich in den Luftballon stopfen.
Die Schwierigkeit bestand nun nur noch darin, nur so viel zu stopfen, dass der Luftballon heilbleibt, den Luftballon mit einer Hand auf der Pappe zu sichern, damit er nicht runterrutscht und das Mehl so hinein stopfen, dass auch wirklich ein Ball und keine Wurst oder sonst etwas entsteht....
Besonders fatal war es immer wenn einem der kinder ein schon ordentlich grosser Ballon von der Pappe gerutsch ist, den das gab jedes Mal eine unglaubliche Staubexplosion, was dann zur Folge einen kaputten Luftballon, ein komplett weisses Kind und zwei bis drei mit weiss angehauchte Kinder hatte. Zum Gluck hat den Kindern dass aber nichts ausgemacht, sie fanden das stattdessen lustig und mehr als einmal wurden meine Portugiesischkenntnisse stark herausgefordert, eine Mehlschlacht, oder ein weisses Casa Legal zu verhindern.
An diesem ersten Tag war unsere stolzes Resultat, 4 fertige Balle, ca. 8 komplett weisse Kinder, 35 kaputte Luftballons, Ich und mein Rucksack komplett weiss und ein schon geweisselter Platz vor der Bibliothek! Aber wir waren alle zufrieden und den Kindern hat es unglaublich Spass gemacht, nur ich glaube die Mutter haben sich nicht allzu sehr uber ihre weissen Kinder gefreut....
Der zweite Tag war dann schon sehr viel erfolgreicher, da wir ja schliesslich aus unseren Fehlern gelernt hatten. Es war jetzt nicht mehr, Mehl sondern Farinha, dass wir benutzten, da es grobkorniger ist. Und siehe da, neues Resultat: ca 8 fertige Balle, nur noch 12 weissliche Kinder und schon einige die ihre ersten Versuch mit dem Jonglieren gemacht haben.
Morgen wird es dann endlich weiter gehen, da wir hier ein verlangertes Wochenende hatten, Freitag und Montag waren Feiertag. Quase kleine Ferien, war auch mal sehr schon, zum ausspannen. Ich habe zwar nichts besonderes gemacht, ausser relaxen, shopping, einer Party, aber das ist auch mal schon. Gestern war ich noch an einem wunderschonem Strand, 80 km von hier, Praia dos Padres, traumhaft!!
Liebe Grusse an alle!

17.04.2006

Frohe Ostern und Kulturmesse in São Paulo

Hallo alle zusammen!
Endlich mal wieder ein Eintrag, tut mir leid dass es langer gedauert hat, aber ich war viel unterwegs in letzter Zeit und dann habe ich mich auch noch mit dem Computer gestritten und er wollte mich nicht mehr ins Internet lassen....Aber inzwischen mogen wir uns wieder!
Ich hoffe in Deutschland war es aunahmsweise mal schones Wetter zu Ostern. Hier war es sehr heiss und zum Gluck mal kein Regen, nur der Osterhase hatte ein paar Probleme, da er die ganzen Eier nur im Kuhlschrank verstecken konnte, weil sie sonst geschmolzen waren....und da habe ich sie naturlcih gleich gefunden, sehr lecker!
Mit Ausnahme des Wetters ist hier Ostern aber fast genauso wie in Deutschland, die meisten fahren uber die Feiertage zu ihren Familie, am Karfreitag wird Fisch gegessen und die Kinder durfen Eier suchen. Die Kinder im Casa-Legal haben auch alle ein kleines Korbchen mit Hase und Eiern bekommen.
Meine Ostern habe ich zusammen mit Rúdio dem Koordinator des Casa Legals und einigen Freunden von Freitag bis Sonntag Zelten in Matilde verbracht, bei einem riesigen, atemberaubenden Wasserfall. Dort waren sehr viele Familien, die so ihre Osterferien verbracht haben und ich musste mir mal wieder eingestehen, dass die brasilianische Natur einfach unubertrefflich ist! Nicht mal eine Stunde von Vitória entfernt in hugeliger, gruner Regenwaldlandschaft, trifft man plotzlich auf diese wunderschone Oase wo das Wasser eines Flusses uber 40 Meter in die Tiefe sturzt. Dort wo das Wasser auftritt tragt der Wind den hochgewirbelten feinen Wasserstaub in alle Richtung und man kann uberall Regenbogen schimmern sehen!
Ein Paradies kann ich dazu nur sagen! Und um es richtig geniesserisch und aufregend zu machen, sind wir sogar hinter dem Wasserfall, wo bestimmt mehrer Tonnen Wasser pro Minute runtersausen, hindurchgeklettert. So etwas kannte ich bisher nur aus Filmen, hinter einem gigantischem Wasservorhang zu stehen, das Tosen des Wasserfalls zu horen und ganz leicht das grun des Regenwaldes durch den Vorhang schimmern sehen....
Der Bruder von Rúdio hat auch noch eine andere Leidenschaft, die sehr viel Spass und Abenteuer mit sich gebracht hat. Wir haben uns direkt neben dem Wasserfall abgeseilt, erst am Felsen und die letzten 20 Meter frei in der Luft! Naturlich mit richtiger Ausrustung, Helm, Klettergurt und professioneller Einweisung. Es war unbeschreiblich toll und aufregend! Leider habe ich auf diesem Ausflug meine Kamera vergessen und habe deswegen keine Fotos, aber wenn ich die Fotos von den anderen bekomme, werden diese naturlich nachtraglich eingefugt!

So, das waren meine Ostern in Brasilien, mal etwas anders! Aber jetzt endlich zu São Paulo, wo Patrick, Rúdio, Wyller (Theaterlehrer im Casa Legal), Wilmar und ich vor einer Woche waren. Wir haben dort die Bienal, eine Art Kulturmesse, die alle zwei Jahre stattfindet besucht. Es war ein ungkaublich interessantes, unterhaltendes und sehr informatives Ereignis, dass sich uber vier Tage hingezogen hat. Um das ganze etwas ubersichtlich zu gestalten, teile ich die Messe mal in vier Bereiche ein. Da gab es zum einem im ganzen Messebereich verteilt Stande, von jedem Bereich in Brasilien einen. Es gab den Nordwesten, das Amazonasgebiet, den Suden usw. und dort wurden Produkte der jewils dort herrschenden Kultur vorgestellt und auch verkauft. Hauptsachlich war das indianischer Schmuck, Klamotten oder typisches Essen der Region (Ich habe naturlich jede Menge eingekauft...).
Zusatzlich gab es noch Vorstellungen aus jedem Kulturbereich, das konnte Theater, Konzerte, Zirkusvorstellungen oder auch indianische Rituale, wie auf diesem Bild, und Tanze mit meistens sehr viel Getrommel sein. Alles davon war sehr beeindruckend, wir haben versucht alles mitzunehmend, aber es gab so viele verschieden Dinge, dass das fast unmoglich war.
Dann gab es noch jede Menge Workshops, bei denen man teilnehmen konnte um etwas zu lernen, wie z B das Bauen von Instrumenten, Schmuckbasteln oder auch Jonglieren.
Und zu guter letzt den etwas ernsteren Teil mit Filmen Vortragen und Diskussionsrunden uber die Kultur, die Erhaltung der Kultur, die Leitung und Organisation von Kultureinrichtungen usw..
Insgesamt gesehen war die Bienal fur uns eine super Kombination aus Unterhaltung, Informationsaustausch und auch Inspiration, was davon man mit ins Casa Legal nehmen kann. Zum Beispiel wollen Patrick und ich das Pois basteln und Spielen nun auf die gesamte Jonglierkunst ausweiten, da wir jetzt wissen, wie man die Dinge herstellen kann und den Kindern das bestimmt Spass macht.
Zwei besonders tolle Ereignisse muss ich nun noch dazufugen, das war zum einen, dass man dort beim Essen zusammen mit richtigen Indianern sitzen konnte, die dort auch ihren Stand hatten und wirklich noch bemalt waren und indianische kleidung trugen. Und zum anderen ein Stand, der Wein verkaufte, dieser Wein jedoch war fur mich und Patrick etwas ganz besonderes, denn der Verkaufer und Hersteller des Weines, hatte 2 Jahre in Deutschland in Einer Weinerei verbracht und dort Herstellungsverfahren gelernt. Demnach war dieser Wein fast deutsch, namlich trocken und gechmacksstark, und vor allendingen nicht so suss, wie sonst alles hier..... Ein Flaschchen dieses Weines haben wir uns naturlich dann an einem Abend genehmigt und genossen!
Gewohnt haben Patrick, Vilmar und ich in einem luteranischem Gastehaus der Fundação, ein schones ruhiges Platzchen mit netten Pfarrern in einem ruhigeren Stadtviertel von São Paulo. Dort konnte man sich richtig heimisch fuhlen, vor allem aber weil man auf der Strasse vor dem Haus diesen herrlichen Blick auf diese zwei Turme hatte, die mich unglaublich an die Frauenkirche in Munchen erinnerten!
Ja, da konnte man fast Heimweh bekommen, aber naturlich nur fast!
Am letzten Tag, den wir in São Paulo verbracht haben, bevor es auf die 'gemuhtliche' 14-stundige Heimfahrt ging, war dann auch nochmal richtig schon sight seeing angesagt, die von Wolkenkratztern gesaumte Avenida Paulista, die das Finazzentrum Sao Paulos darstellt, Chinatown, ein Theater und die beruhmte Einkaufstrasse Rua Março 25 ( vielleicht hiess die Strasse auch anders, aber es war auf jedenfall ein Datum....) in der es wirklich alles gab, in Massen und unglaublich billig!

So, ich glaube nun ist erst mal wieder alles gesagt,
ganz liebe Grusse aus Brasilien,
Sabine